Istanbul: Beylerbeyi-Palast Osmanenprunk unter der Brücke

Zu Topkapi und Dolmabahce pilgern die Massen. Andere Paläste der Osmanen-Sultane in Istanbul sind weit weniger berühmt und überlaufen - vor allem dann, wenn sie wie der Beylerbeyi Sarayi auf der weniger besuchten asiatischen Seite der Stadt liegen.

Eines der abgegriffensten Klischees über Istanbul ist die Stadt auf zwei Kontinenten. Die meisten Touristen bleiben aber auf einem Kontinent: dem europäischen. Nur wenige machen einen Abstecher zur asiatischen Seite. Dabei verbergen sich dort im Schatten des modernen Istanbul Perlen der osmanischen Zeit wie der Beylerbeyi Sarayi, einer der wenig bekannten Sultanspaläste.

Der Herrscher Abdülaziz ließ den Beylerbeyi Sarayi in Istanbul von 1861 bis 1865 an der Stelle eines alten Holzpalastes erbauen.

(Foto: dpa-tmn)

Der schönste Weg zu ihm führt über den glitzernden Bosporus. Das Boot legt an einem Kai am Fuße bewaldeter Hänge an, zwischen den Bäumen sind pastellfarbene Wohnblöcke verstreut. Beylerbey heißt das noble Wohnviertel, benannt nach dem Sultanspalast am Ufer der Meerenge.

"Je weiter man von hier nach Norden fährt, desto teurer wird es", erklärt Oktay Özserbetçi, ein Touristenführer. Vor allem Industriefürsten und Baulöwen haben sich hier niedergelassen. Aber auch Intellektuelle, Künstler und alteingesessene Istanbuler Familien leben in den aufwendig restaurierten osmanischen Holzhäusern.

Die frische Brise und die grandiose Aussicht über den Bosporus schätzten schon die Sultane. Im Beylerbeyi-Palast verbrachten sie bevorzugt den Sommer, spazierten auf Kieswege zwischen rund geschnittenen Büschen und weißen Laternen. Der Ort ist noch immer ein Refugium im Moloch Istanbul, auch wenn der Palast sich heute im Schatten der Hängebrücke duckt, die sich 1074 Meter lang und 64 Meter hoch über den Bosporus spannt. In den kleinen Kiosken entlang der Wasserfront, Kusluk (Vogelhaus) genannt, tranken die Sultane früher Kaffee. Zu den Anlegestellen öffnen sich prächtig verzierte Portale.

Am schönsten von ihnen posiert ein junges Brautpaar, Urlauber und Ausflügler machen Fotos. Der hünenhafte Sultan Abdülaziz ließ den Sommerpalast von 1861 bis 1865 an der Stelle eines alten Holzpalastes erbauen, ohne Heizung und Küche. Die Speisen wurden angeliefert. Doch auf den üblichen Prunk der Osmanen wollte ihr vorletzter Sultan nicht verzichten.

Oktay Özserbetçi führt unter der vergoldeten Kassettendecke vorbei an riesigen Spiegeln zu einem großen Raum. In der Mitte gruppieren sich Empire-Möbel im weiten Halbkreis um einen Marmortisch, darauf eine blaue Vase. "Das ist das Wartezimmer des Admirals", erklärt Oktay. Die Einrichtung beschreibt er als Synthese von Barock und Rokoko mit dem osmanischem Stil. Ein riesiges Marmorbecken, mit Wasser gefüllt, kühlte im Sommer den Herrschersitz.