Israel:Der Traum von Freiheit

Dolphin trainer and child interacting with juvenile Bottlenose dolphin Tursiops truncatus Dolphin

Am "Dolphin Reef" können Gäste mit Delfinen tauchen. Berührt werden dürfen die Tiere allerdings nur im Beisein der Trainerin, zu therapeutischen Zwecken.

(Foto: Nature Picture Library/imago)

Eilat am Roten Meer ist für israelische Urlauber ein Zufluchtsort. Jetzt sollen auch mehr Gäste aus Europa angelockt werden.

Von Alexandra Föderl-Schmid

Ganz nahe kommen die Delfine heran - aber nur, wenn sie Lust haben. Das Dolphin Reef ist das größte Meeresgehege der Welt; zum Golf von Akaba hin ist es offen, sodass die Tiere jederzeit ins offene Gewässer schwimmen können. So hat, wer sich mit Schnorchel oder Taucherausrüstung ins Wasser wagt, keine Garantie, dass tatsächlich ein Delfin auftaucht. Einer der vier Meeressäuger aber kommt eigentlich immer, wenn Tal Fisher ihren Bund voller Metallringe ins Wasser hält, um die Delfine anzulocken. Von den Stegen und Plattformen ringsum kann man die Trainerin und die Tiere beobachten, antrainierte Kunststücke gibt es allerdings keine: "Delfine sind keine Zirkustiere", sagte Fisher, während sie den Meeressäugern den Bauch krault.

Das 1990 eröffnete Dolphin Reef ist eine der Hauptattraktionen von Eilat. Einen Kilometer weiter Richtung Westen liegt schon die nächste: das Unterwasserobservatorium. Hier gibt es das mit 600 Quadratmetern größte Haifischbecken im Nahen Osten. Zwanzig verschiedene Haiarten leben hier, die zwei Mal täglich von Tauchern gefüttert werden - ein besonderes Spektakel für die Zuschauer.

Und die sollen noch mehr werden, hofft man in Eilat. Die Tourismusverantwortlichen werben vor allem um Gäste aus Europa und sehen als Vorteil an, dass der Sinai und die Türkei wegen der politischen Entwicklungen von manchen Urlaubern gemieden werden. So wird in neue Hotels investiert, der Staat lockt Fluglinien mit Subventionen und im Herbst soll der neue Flughafen Ramon eröffnet werden.

Eilat

Wer aus der Wüste kommt und plötzlich vor den Hochhäusern steht, glaubt an eine Fata Morgana.

(Foto: Dafna Tal)

Die Vielzahl an Wassersportmöglichkeiten und die leicht zugänglichen Korallenriffe sind bislang für viele Besucher der Hauptgrund, nach Eilat zu kommen. Abkühlung kann man hier fast immer brauchen: Es gibt 360 Sonnentage pro Jahr, kälter als 20 Grad wird es praktisch nie. Für Europäer, denen der Winter auf die Nerven geht, ist Eilat ein ideales Ziel. Im Sommer kann es jedoch in der Stadt schon 40 Grad und mehr im Schatten haben.

Eilat ist Israels Pforte zum Roten Meer. Der von Jordanien beanspruchte Landstrich wurde 1949 von israelischen Soldaten in der Operation Ovda für den damals noch nicht einmal ein Jahr alten Staat Israel in Besitz genommen. Gerade mal zwölf Kilometer breit ist der Meereszugang, ein schmaler Streifen, eingezwängt zwischen Jordanien und Ägypten. Wer den Blick über die jordanische Nachbarstadt Akaba hinaus schweifen lässt, kann im Dunst Saudi-Arabien erahnen, das rund 30 Kilometer entfernt liegt. Die Kriegsschiffe, die gelegentlich aufkreuzen, erinnern daran, dass hier einer der Brennpunkte der Weltpolitik liegt und es in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer ruhig war. Ab und an donnern Jets über die Köpfe der Touristen hinweg.

Wobei das Wort Ruhe zu Eilat auch jetzt nicht passt. Wer sich, von Tel Aviv oder Jerusalem kommend, nach stundenlanger Autofahrt durch die Wüste nähert, glaubt eine Fata Morgana zu sehen. Aus dem Wüstensand erhebt sich eine glitzernde Häuseransammlung. Eilat sieht gar nicht aus wie eine israelische Stadt, es erinnert mit seinen Bettenburgen und weithin sichtbaren Vergnügungsparks an US-Städte. Als "Las Vegas des Negevs" oder "Mallorca am Roten Meer" wurde es schon bezeichnet.

Das Licht, die Wärme des Südens, das kann man genießen in Eilat. In den Minuten rund um den Sonnenuntergang, wenn sich das Meer verdunkelt und die umliegenden Berge blassrosa, kaminrot oder auch kräftig violett leuchten, hat das etwas Magisches. Die Stimmung verschwindet, sobald die Unterhaltungseinrichtungen ihre grellen Lichter einschalten. Die Stadt bietet alle Annehmlichkeiten, die Gäste sich wünschen mögen, sogar eine Eislaufhalle. Allerdings gibt es auch Begleiterscheinungen eines touristischen Rummelplatzes wie Karaoke-Veranstaltungen. Besonders die russischen Urlauber, die gern nach Eilat kommen, sind hier zu finden.

Abseits der Hotels aber gibt es ruhige Plätze: eine Vogelbeobachtungsstelle nahe des Grenzübergangs zu Jordanien etwa, auf die man über eine rumpelige Schotterpiste kommt. Hier ist ein beliebter Rastplatz für Zugvögel auf dem Weg von und nach Europa. 25 Kilometer außerhalb von Eilat liegt der Timna-Park, der beeindruckende Einblicke in die Wüste bietet, die aus der Nähe viel farbenfroher und lebendiger ist, als sich dies die meisten Touristen vorstellen. Der Sand und die Gesteinsformationen leuchten in der Sonne in allen Farbnuancen von Ocker bis zu sattem Dunkelbraun. Hier findet man Stille, an die man sich erst gewöhnen muss.

Israel: Touristen mögen die Strände vor allem im Winter, die Temperatur fällt hier selten unter 20 Grad.

Touristen mögen die Strände vor allem im Winter, die Temperatur fällt hier selten unter 20 Grad.

(Foto: Menahem Kahana/AFP)

Israelis kommen auch deshalb gerne her, weil man hier im Süden so weit weg scheint vom Rest des Landes und den auch im Alltag spürbaren Spannungen. Hier verfällt jeder in einen langsamen Trott beim Flanieren über die Strandpromenade. "Hier vergisst man alle Sorgen", ist einer der Werbeslogans, mit denen Eilat Besucher aus dem eigenen Land anlockt.

Der Großteil der rund drei Millionen Gäste pro Jahr kommt aus Israel, Potenzial sehen die Tourismusmanager noch bei ausländischen Urlaubern. Die südlichste Stadt des Landes mit rund 60 000 Einwohnern kann auch mit der höchsten Bettendichte Israels aufwarten: 12 000 Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in den rund 60 Hotels entlang des Strands und an der Lagune. "Die Auslastung liegt bei durchschnittlich 70 Prozent", erklärt Shabtai Shay, der Generaldirektor der Hotelvereinigung.

1250 weitere Betten sollen in den nächsten drei Jahren vor allem durch Hotel-Neubauten im Osten der Stadt, wo sich die Wüste Richtung Jordanien ausbreitet, dazu kommen. Es sollen auch Übernachtungsmöglichkeiten für Touristen geschaffen werden, die im Billigflieger ankommen und kein All-inclusive-Paket gebucht haben. Die meisten Hotels sind schon zwanzig Jahre und älter. Aber innen sind sie renoviert und entsprechen, was in Israel nicht überall der Fall ist, jenem internationalen Standard, den die Sterne-Kategorisierung erwarten lässt.

Eilat

Mit seiner Hochhaus-Skyline sieht Eilat eher aus wie eine amerikanische Stadt.

(Foto: Dafna Tal)

Für viele Israelis und auch für ausländische Touristen sind auch die Einkaufsmöglichkeiten ein Grund, nach Eilat zu reisen. Die ganze Stadt ist eine riesige Duty-Free-Zone, wovon auch die zahlreichen Einkaufszentren zeugen. Die zollfreie Zone wird sich künftig auch auf den 18 Kilometer entfernten Ramon-Flughafen erstrecken. Der neue Flughafen wächst gerade weithin sichtbar aus dem Wüstensand. Noch landen die meisten Flugzeuge auf dem auch vom Militär genutzten Flughafen Ovda, 54 Kilometer von der Stadt entfernt. Für inländische Flüge und kleinere Maschinen werden die Pisten mitten in der Stadt benutzt, die Eilat durchscheiden und eine lästige Lärmquelle darstellen.

Ab der Wintersaison 2018/19 soll der Ramon-Airport nach fünf Jahren Bauzeit betriebsbereit sein und die beiden anderen Flughäfen ersetzen. "Hoffentlich klappt es. Aber wir sind zuversichtlich", sagt Projektmanagerin Taal Goldman. Vor drei Jahren haben nur sechs Flugzeuge pro Woche Touristen aus dem Ausland nach Eilat gebracht. Die Aufstände der Palästinenser und die Berichte über Attentate schreckten ab, der letzte Gazakrieg war 2014. "Es hat immer lange gedauert, Reiseveranstalter zu überzeugen, Eilat wieder ins Programm aufzunehmen. Es war ein Schritt vor, einer zurück", schildert Tourismusmanager Shay die Bemühungen. Die nunmehr dritte Saison setzt man auf Subventionen für Airlines, damit sie israelische Destinationen anfliegen. Mit Erfolg: Die Touristenzahl ist 2017 mit 3,6 Millionen auf Rekordniveau gestiegen. In diesem Jahr werden im April und im Mai wegen der Feiern zum 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels noch mehr Gäste erwartet.

In Eilat starten und landen inzwischen pro Woche 54 Flugzeuge - ein Großteil davon gehört Billiganbietern. Für jeden Passagier, den sie nach Eilat bringen, erhalten sie Subventionen in Höhe von 60 Euro; Landegebühren werden nicht erhoben. Der israelische Staat übernimmt den größten Teil des Betrags, 15 Euro zahlt die Hotelvereinigung dazu. So soll die Zahl der nach Eilat eingeflogenen Touristen 2018 bei 250 000 liegen. Für 2025 ist eine Million angepeilt. Für den Chef der Hotelvereinigung ist die Eröffnung des neuen Flughafens denn auch ein "Meilenstein".

Shabtai Shay hofft, "an die besten Tage von Eilat" anknüpfen zu können. Das waren nicht die Anfänge der Stadt, über die man mehr in der interessanten Ausstellung im Stadtmuseum erfährt. Das waren die 1990er Jahre, als Frieden im Nahen Osten zum Greifen nahe schien. Damals träumte man von einer offenen Dreiländerregion, einem Urlaubsparadies, wo jeder vom anderen profitiert: Eilat hat die nötige Infrastruktur, Akaba und Taba haben weite Strände - und alle haben Zugang zum Roten Meer. Aber das bleibt wohl bis auf weiteres ein Traum: Derzeit können nur die Delfine grenzenlose Freiheit genießen.

Reiseinformationen

Anreise: Ryanair bietet ab Herbst wieder günstige Direktflüge nach Eilat, ab Berlin-Schönefeld, Karlsruhe / Baden-Baden, Bremen, Frankfurt-Hahn und Düsseldorf-Weeze, einfach ab 20 Euro, www.ryanair.com. Vom Flughafen Ovda fährt ein Bus für 8 Euro nach Eilat. Mit dem Mietauto vom Flughafen Ben Gurion (Tel Aviv) dauert die Fahrt rund vier Stunden.

Übernachtung: Caesar Premier, ab 115 Euro für ein DZ, www.caesarhotels.co.il Weitere Auskünfte: Allgemeine Informationen unter https://new.goisrael.com und www.eilat.city/en. Zu den Attraktionen im Meer führen www.dolphinreef.co.il und www.coralworld.co.il. Mehr über die Wüste gibt es unter www.parktimna.co.il und über Vögel unter www.eilatbirds.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

© SZ vom 05.04.2018
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