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Hausboot-Tour in Irland:Treiben lassen

Fluss Shannon in Irland

Der Shannon ist der größte und längste Fluss Irlands, 386 Kilometer, 200 davon befahrbar - und die mit Abstand langsamste Form dafür ist ein Hausboot.

(Foto: George Munday/mauritius images)

Mit dem Boot über den Shannon in Irland zu schippern, ist eine Lektion in Ruhe. Es sei denn, andere Freizeitkapitäne kommen einem in die Quere.

Irische Schleusentore sind wie verschärfte Varianten der deutschen Bahnschranke: Es dauert gefühlt unendlich, bis es weitergeht. Vom Reinfahren bis zum Öffnen 45 Minuten. In der Zeit könnten locker 120 ICE-Züge hintereinander vorbeirauschen. Der Schleusenwärter gibt gerade das Signal. Zuerst sollen die vorderen Boote losfahren, danach die zweite Reihe. Sollen? Nicht mehr als ein Vorschlag für den Kapitän hinten rechts. Gekonnt überhört er den Stopp-Ruf vom Ufer und überholt. Der Schleusenwärter winkt ab.

So sind sie halt, die Deutschen. Der Shannon ist der größte und längste Fluss Irlands, 386 Kilometer, 200 davon befahrbar - und die mit Abstand langsamste Form dafür ist ein Hausboot. Also ein Vehikel, das Boot heißt, allerdings eher die Anmut eines schwimmenden Wohnwagens hat. Am Steuer eines Hausboots braucht es keinen Führerschein, dafür liegt die Maximalgeschwindigkeit bei zwölf Stundenkilometern, dann ist Sense, da kann man sich noch so sehr gegen den Schalthebel stemmen. Knapp vier Tage lang soll das so gehen. Und über all dem steht die Frage, warum man so etwas überhaupt macht.

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Die Landschaft der irischen Tiefebene ist abgesehen von der Farbe Grün durchaus variantenreich. Wiesen, Weiden und sanfte Hügel prägen die Midlands. Burgruinen, Bauernhäuser und Dörfer, die von den Anlegestellen aus teils fußläufig liegen. Durch sie schlängelt sich der Shannon mit seinen unzähligen Abzweigungen hindurch wie ein gigantischer Tausendfüßler.

Frühjahr und Herbst sind die Hauptreisezeiten auf dem Shannon, das ist gut zu sehen an diesem Tag, an dem sich die Hausboote am Start- und Zielort Carrick-on-Shannon so eng aneinanderreihen, dass sich die Schutztonnen berühren. Alles andere als ideal also für neue Anleger. Gerade fährt ein Boot mit fünf jungen Männern in den Hafen - einer am Steuer, zwei geben ihm Tipps. Das Anlegemanöver scheitert dennoch mehrmals. Eine Bootsfahrerin hat sich längst mit kritischem Blick auf dem Steg positioniert, bereit, ihr Gefährt zu verteidigen. Ihr gehört eine Yacht von einem Hausboot, die Karbongriffe glänzen in der Sonne. Da winkt ein Mann in Seefahrerweste den Burschen zu, steigt zu ihnen aufs Hausboot und beendet das Manöver.

Mark Roding kennt die komplizierteren Momente auf dem Shannon. Der 49-Jährige arbeitet für einen irischen Hausbootverleiher und ist praktisch mit dem Steuerhebel verwachsen. Er sitzt jetzt mit wehenden Haaren an Deck, lenkt das Boot und erzählt Geschichten aus vier Jahrzehnten auf einem Gewässer, für das Hausbootfahrer keine Ausbildung brauchen. "Manchmal verlieren die Kapitäne die Orientierung und rufen mich an", sagt Roding. "Bin in fünf Minuten da", sagt er dann und kreuzt irgendwann auf, nur nicht nach fünf Minuten. Oder wie er es ausdrückt: "Fünf Minuten bedeuten hier eine halbe Stunde oder mehr."

Vielleicht erzählt dieser Satz, wonach auf diesem Fluss gesucht wird.