Kolumne "Ende der Reise":Ein halbes Hotel auf Ebay

Bathrobes in the closet in the hotel. (CSP_pitchayarat2514)

Fehlt noch ein Bademantel, daheim oder im Ferienhaus an der Ostsee? Na dann, zugreifen!

(Foto: imago images/CSP_pitchayarat2514)

Das Intercontinental in Frankfurt am Main verscherbelt sein Inventar. Empfehlungen für einen Großeinkauf.

Glosse von Stefan Fischer

Löffel, Gläser, Sessel und Betten, aber auch ein Empfangstresen, eine Anlage zur Reinigung von Bierleitungen sowie ein Gerät zum Zuschneiden von Dichtungsringen: Wer möchte, kann sich derzeit über Ebay Ausstattung und Einrichtung eines ganzen Hotels zusammenkaufen - Abholung vor Ort. Es sind keine Gegenstände aus dem Adlon in Berlin oder dem Savoy in Paris, das nicht. Aber doch aus einem Haus der gehobenen Kategorie, dem Intercontinental in Frankfurt am Main.

Das Hotel wird derzeit renoviert, in ungefähr drei Jahren soll es wieder eröffnen. In neuem Glanz, wie es dann immer so schön heißt, und dazu passen nun einmal nicht die alten Möbel, das angestoßene Geschirr sowie Gardinen nach Mode der Nullerjahre.

Nun kann man klein und pragmatisch denken und günstig zwei, drei nützliche Gegenstände für den Privatgebrauch erwerben. Je nachdem, was gerade kaputt gegangen oder verschlissen ist. Ein paar Teller also vielleicht, eines der Zimmertelefone und einen Bademantel - wenn man nicht während der vorvorletzten Buchmesse ohnehin einen aus dem Interconti gestohlen hat.

Wer nur ein paar Handtücher kauft, begeht einen Fehler.

Oder man denkt strategisch in die Zukunft. Denn egal, ob Corona bald überwunden sein wird oder nicht: Es ist allemal klug, die eigene Wohnung oder das eigene Haus zum Hotel auszubauen. Sei es, dass sich auch im kommenden Jahr nicht empfiehlt, in ausgebuchten Flugzeugen nach Mallorca oder Kreta zu fliegen, um sich wenn nicht schon unterwegs, so dann auf jeden Fall in vollgepferchten Hotelanlagen und Ferienclubs mutwillig der Gefahr einer Infektion auszusetzen. Oder sei es, dass die Menschen, endlich befreit von aller Gefahr, wieder reisen, als gäbe es nichts Schöneres.

Im ersten Fall wahrt man im Urlaub weiterhin Abstand, und wer Wohnmobile hasst und auch kein Ferienhaus an der Ostsee mehr ergattert, der bleibt eben daheim. Dort kommt aber garantiert Urlaubsstimmung auf, wenn man die eigenen vier Wände zum Interconti aufgemöbelt hat. Im zweiten Fall wiederum wird es höchste Zeit, das eigene Airbnb-Angebot endlich zu professionalisieren. Wer Slipper aus dem ehemaligen Interconti-Wellnessbereich vorhält, einen Pizzaofen und feuerfeste Papierkörbe, wird die Hitlisten der Bewertungsportale anführen. Nur selbst abholen muss man alles. Zeit für einen Städteurlaub am Main.

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