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Insel Cabrera Gran vor Mallorca:"Das ist keine Partyinsel!"

Auf den Terrakottafliesen stehen ein Nachtschrank und zwei Metallbetten - noch unbezogen und zusammengeklappt in der Ecke. Bettlaken kann man sich leihen, aber keine Decken. Im Gemeinschaftsraum steht eine neue Einbauküche, doch es gibt weder Geschirr noch einen Herd. Nur eine Mikrowelle. Wie viele Gäste denn sonst noch da seien? "Keiner. Ihr seid heute die einzigen. Und morgen auch."

Ranger David Parejodb nimmt uns am frühen Abend mit auf eine Exkursion, die über acht Kilometer durch ansonsten für Besucher gesperrtes Gebiet führt. Wir gehen zur Cala Santa Maria, einer streng geschützten Bucht. In den Felsen tauchen immer wieder größere Löcher auf. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hätten Arbeiter hier den Sandstein herausgeschnitten, um Baumaterial für die Häuser der Insel zu erhalten, erklärt David und geht in eine Höhle, in der man nicht aufrecht stehen kann. "Das war die Unterkunft für die Steinarbeiter."

Versteckt im Wald liegen teils verfallene, teils restaurierte Kalköfen. Verwachsene Trampelpfade führen zu abgelegenen Buchten mit Stränden, auf denen angespültes Grünzeug liegt. "Das ist Posidonia, eine Pflanze", erklärt der Ranger. Das Neptungras wächst am Meeresgrund und ist als Lebensraum für Fische für das Ökosystem Cabreras von großer Bedeutung. Deshalb dürfen Schiffe in der Hafenbucht auch nicht ankern, sondern müssen an Bojen festgemacht werden. Die trockenen Reste des Neptungrases werden nicht entfernt, da sie den Strand vor Erosion schützen.

Weil Pasta kochen ohne Töpfe und nur mit Mikrowelle schwierig ist, gehen wir zum Abendessen in die Cantina. Drinnen sitzen Jorge, Inma und David, die zum Feierabendbier mit den anderen Inselbewohnern zusammentreffen. Draußen sitzen 15 russische Segler, die Volksweisen schmettern. Auf der Tageskarte stehen drei Worte: "Queso", "Jamón" und "Pulpo". Vegetarisch, Fleisch und Fisch - was will man mehr?

Am Morgen gehen wir zum Leuchtturm Far d'Enciola. In den drei Stunden hin und zurück begegnen wir keinem anderen Menschen, dafür Hunderten Echsen, die über die Felsen huschen. Auch am Strand ist zunächst niemand, bis die Tagesausflügler ihn entern - ehe sie zurückmüssen. Nach einer Stunde ist wieder Ruhe.

Maximal 20 Personen lebten bislang gleichzeitig auf der Insel. Die meisten arbeiten für den Staat und haben nach einer Woche Dienst auf Cabrera eine Woche frei auf Mallorca. Dass nun - vor allem am Wochenende, wenn viele Mallorquiner das neue Angebot testen werden - bis zu 24 Herbergsgäste dazukommen, stört einen Alteingesessenen wie Jorge nicht: "Wenn sie die Regeln respektieren!" Das heißt vor allem: kein Krach. Gleich am zweiten Tag nach der Öffnung, erzählt Inma, habe eine Gruppe deutscher Segler ordentlich gefeiert und den Aufenthaltsraum vermüllt hinterlassen. Jetzt werden die Türen der Herberge nachts abgeschlossen. "Das hier ist schließlich keine Partyinsel!"

Wer feiern wolle, sei auf Mallorca besser aufgehoben, ergänzt Jorge. Barbetreiber Llorenc Vicens sieht das zwar auch so. Die Herberge, meint er, verändere den Charakter der Insel aber kaum. Es seien dadurch halt ein paar Leute mehr, die kommen und gehen. Llorenc und seine Frau sind die Einzigen, die permanent auf Cabrera wohnen. "In Urlaub können wir nur einzeln gehen, der andere muss hier arbeiten." Ihre Cantina ist von neun bis 22 Uhr geöffnet, 365 Tage im Jahr. Ein hartes Leben? "Oh ja, sehr hart", antwortet Llorenc. Und lacht.

Karte Spanien Cabrera Insel Balearen
(Foto: SZ Grafik)
Informationen

Anreise: Ausflugsboote verkehren bis Oktober täglich vom Hafen in Colònia de Sant Jordi zur Mole von Cabrera. Hin- und Rückfahrt für Übernachtungsgäste 60 Euro; www.excursionsacabrera.es

Unterkunft: Die Herberge ist maximal drei Monate im Voraus buchbar (http://cvcabrera.es/albergue-de-cabrera). Von Februar bis Mai sowie im Oktober und November kostet die Nacht p.P. im DZ 25 Euro, maximal zwei Nächte können gebucht werden. Von Juni bis September 30 Euro, Maximum eine Nacht.

Ausflüge: Exkursionen auf Cabrera mit den Rangern starten gegen 17 Uhr und dauern bis zu drei Stunden. Sehenswert ist zudem das Cabrera-Besucherzentrum in Colònia de Sant Jordi, in dem Besucher die Unterwasserwelt des Archipels kennenlernen können.

© SZ vom 26.06.2014/cag
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