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Insel Baltrum im Winter:Ruhe, die süchtig macht

Baltrum im Winter - Wo die Ruhe zu Hause ist

Wandern im Watt, das geht auf Baltrum auch im Winter.

(Foto: dpa-tmn)

Im Winter, wenn das kalte Meer um die Küste tost und der Nordsee-Himmel in tausend Grautönen über allem hängt, dann wird Baltrum ein ganz besonderes Ziel. Die ostfriesische Insel bietet Besuchern wunderbar stille Natur.

Schon die Überfahrt mit der Fähre bereitet die Besucher darauf vor, was sie auf Baltrum erwartet. Während draußen das kalte, graue Meer tost und der Wind schneidend pfeift, ist die Stimmung drinnen ruhig und entspannt. Im Winter reisen nur wenige Urlauber auf die kleinste Ostfriesische Insel. Und die, die kommen, wissen ganz genau, was sie suchen: Stille, innere Einkehr und vor allem Abstand zu dem Leben auf dem Festland mit seiner Geschäftigkeit, Schnelligkeit, Unruhe.

Wenn das Wetter mitspielt und sich Nebel über das Wattenmeer zwischen Insel und Festland legt, dann bekommt man vollends das Gefühl, in einer eigenen Welt zu sein - weit weg vom übrigen Deutschland. Baltrum gilt unter den Ostfriesischen Inseln immer noch ein bisschen als Geheimtipp.

Im Sommer kommen vor allem junge Familien mit Kindern und ältere Menschen. Sie freuen sich darüber, dass hier keine Autos fahren, der Strand nah und sauber ist und das Naturschutzgebiet im Osten der Insel zu langen Spaziergängen zwischen Sanddornsträuchern, moorigen Tümpeln und Sanddünen einlädt.

Baltrum im Winter, Ostfriesland, Insel in der Nordsee

Leere Strandkörbe: Im Winter traut sich kaum jemand an den Strand - zumindest nicht zum Sonnenbaden.

(Foto: dpa-tmn/www.ostfriesland.de)

Außerhalb der Saison kommt die Insel dann wieder zur Besinnung. Und die nur um die 500 Bewohner erholen sich von den Strapazen, die ein Leben im Tourismus mit sich bringt. "Die Stille, die Weite, die Natur, die Sonnenuntergänge - alles, warum auch die Touristen kommen, ist ja etwas Besonderes", sagt Torsten Moschner, der das Nationalparkhaus auf der Insel leitet und eine Pension von seinen Eltern geerbt hat. Moschner hat selbst viele Jahre auf dem Festland gelebt, dort studiert und gearbeitet. Und ist am Ende wieder zurückgekommen. "Ich merke die Vorteile der Insel immer, wenn ich woanders bin. Dann spüre ich, wie laut es überhaupt sein kann und wie eng."

Auch Familie Bruns-Strenge hat sich immer wieder für die Insel entschieden: "Ich könnte mir nicht vorstellen, auf dem Festland zu leben", sagt Klaus Bruns-Strenge, der mit seiner Frau Sandra das Hotel "Dünenschlößchen" und zwei Apartmenthäuser betreibt. Während die Kinder auf dem Festland leben, verlassen die beiden die Insel meist nur zum Einkaufen im Großmarkt oder um in den Urlaub zu fahren. Aber sie vermissen trotzdem nichts. Und seitdem sie in ihrem Hotel ein Schwimmbad und eine Sauna für die Gäste eingebaut haben, lässt sich der Winter dort noch besser aushalten.

Gerade nach einem Spaziergang einmal um die Insel freut man sich auf die wohltuende Wärme. Lange dauert so ein Rundgang natürlich nicht - der Spruch "Baltrum heißt so, weil man bald rum ist", stimmt ja auch irgendwie: Die Insel ist nur rund 5 Kilometer lang. Einmal um die Insel herum macht etwa 15 Kilometer - das schafft man in wenigen Stunden.

Baltrum im Winter - Wo die Ruhe zu Hause ist

Einmal um die Insel in wenigen Stunden: auf Baltrum geht das.

(Foto: dpa-tmn)

Dafür erlebt man in einer Art Schnelldurchlauf die reiche Natur der Nordsee mit ihren Prielen, dem Wattenmeer, der Dünenlandschaft, dem Strand. Und Seehunde kann man mit etwas Glück sogar am Strand beobachten. Es ist eine Reise durch die beruhigenden Farben Blau, Grün, Grau und Hellbraun. Über allem hängt der unvergleichliche Nordsee-Himmel: Tausend Schattierungen Grau, die zusammen mit der frischen Luft eine tiefe Ruhe bei jedem Besucher erzeugen, die süchtig machen kann.

Baltrum im Winter wird so zum idealen Ort für einen Entschleunigungsurlaub. Wie sehr man hier herunterkommt, spürt man, sobald es wieder zurückgeht. Sitzen Besucher dann wieder auf der Fähre, während die Insel langsam hinter ihnen verschwindet und das Festland immer näher rückt, möchte mancher am liebsten umkehren. Aussteigen aus dem eigenen Leben, aus Stress und Verpflichtungen, und einfach auf der Insel leben. Oder wiederkommen, am besten im Winter.

Baltrum

Reiseziel: Baltrum ist mit Blick auf die Fläche die kleinste ostfriesische Insel. Sie ist gerade mal fünf Kilometer lang und eineinhalb Kilometer breit und liegt zwischen Norderney und Langeoog vor der niedersächsischen Nordseeküste.

Anreise: Die Insel erreichen Besucher nur per Fähre ab Neßmersiel. Den genauen Fahrplan gibt es unter www.baltrum-linie.de. Anreisende sollten mindestens eine halbe Stunde vor Abfahrt der Fähre an Anleger sein. Hin- und Rückfahrt kosten zusammen 27 Euro für Erwachsene und 13,50 Euro für Kinder bis 12 Jahre. Die Überfahrt für Hunde kostet 13 Euro.

Übernachten: Unter www.baltrum.de gibt es mehrere Zimmervermittlungen. Außerhalb der Saison sind viele Hotels und Gasthäuser geschlossen. Die Preise sind oft verhandelbar.

© SZ.de/dpa/Constantin Alexander/ihe/kaeb
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