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Innerdeutsche Flüge:Nur für Geschäftsflieger

Flugzeug Sitzreihen Billigflieger

Teurer Sitzplatz: Ist der Traum vom Fliegen für Leute mit kleinem Geldbeutel ausgeträumt?

(Foto: iStockphoto)

Von Berlin nach München für 300 Euro? Im innerdeutschen Flugverkehr mangelt es an starken Konkurrenten. Das treibt die Preise in die Höhe. Dabei ginge es auch anders.

Es ist zum Haare raufen: Sogar der Blick auf diverse Internetseiten, die marktschreierisch mit Billigflügen werben, hat nichts gebracht. Für 50 oder 60 Euro in diesen Tagen von Berlin nach München fliegen? Fehlanzeige. Die beiden Anbieter Lufthansa und Air Berlin fordern selbst bei einer Vorausbuchungsfrist von einer Woche für die einfache Strecke einen Preis von mehr als 170 Euro. Und in diesem Fall muss man zu nachtschlafender Zeit aus den Federn, um den Flug von Air Berlin ab Berlin-Tegel um 6:20 Uhr zu erwischen. Zu angenehmeren Zeiten, ein wenig später am Tage, steigen die Ticketpreise auf über 300 Euro.

Für eine ähnliche Summe lässt sich fast schon ein Flug nach New York buchen. Zwar meist im Winter, wenn die Airlines um jeden Passagier buhlen, um ihre Jets zu füllen, und man in Manhattans zugigen Straßen vor Kälte schlottert. Aber immerhin.

Beim Air-Berlin-Konkurrenten Lufthansa sieht es für die Strecke Berlin-München übrigens nicht besser aus. So tränen einem die Augen bei einem One-Way-Ticket-Preis von 255 Euro - in den Morgenstunden und bei Vorausbuchung von einer Woche.

Ist der Traum vom Fliegen für Leute mit kleinem Geldbeutel, die nur mal schnell in Deutschland die Oma in Köln besuchen oder zur Geburtstagsparty nach München wollen, ausgeträumt? Nun bedient die Lufthansa-Tochter Germanwings zwar noch einige innerdeutsche Strecken, die durchaus solche preiswerten Trips erlauben. Doch für Pendler zwischen der deutschen Hauptstadt und der bayerischen Metropole sieht der Flughimmel düster aus. Fast wehmütig erinnert man sich an Zeiten, als Germanwings noch vom schäbigen Ex-DDR-Flughafen Schönefeld aus die Strecke nach München bediente. Zu Kampfpreisen, die sogar die Deutsche Bahn alt aussehen ließen.

Doch dann war es plötzlich vorbei mit der Low-Budget-Fliegerei. Heute teilen sich Air Berlin und Lufthansa das Geschäft. Nur Böswillige vermuten darin eine ausgeklügelte Strategie der Marktabsprache, was die betreffenden Airlines natürlich auch vehement bestreiten. Also innerdeutsche Fliegerei nur etwas für die Premiumklasse der Geschäftsflieger und ohnehin gut Betuchten?

Nun orientieren sich Airlines gewiss am Markt. Da entspricht es nur rationalem Verhalten, wenn ein Unternehmen bei großer Nachfrage die Preise hochsetzt. Ein Markt lebt von der Konkurrenz. Daran mangelt es zumindest im innerdeutschen Flugverkehr. Ein Blick nach Großbritannien macht deutlich, dass es auch anders sein kann. Wer zum Beispiel von London nach Glasgow fliegen will, zahlt derzeit mit einer Vorausbuchungsfrist von einer Woche bei British Airways 62 Pfund (72 Euro). Easy Jet bietet die Strecke für 51 Pfund an. Mit einer Entfernung von 556 Kilometern ist die Strecke zwischen der Themse-Metropole und der schottischen Stadt sogar noch etwas länger als die zwischen Berlin und München.

Allerdings erklärte Lufthansa-Chef Christoph Franz in einem SZ-Interview, dass die Flugpreise nichts mehr mit der Entfernung zu tun hätten. Franz: "Die Preise für Flugtickets sind generell davon abhängig, in welchem Verhältnis Angebot und Nachfrage auf einer Strecke bestehen."

Für den Low-Budget-Fan bleibt indes wohl nur die Alternative, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, wobei ein Blick auf die Bahnpreise meistens auch zu Verdruss führt. Immerhin gibt es noch eine Busverbindung von Berlin nach München. Da sitzt man dann sieben Stunden eingequetscht in einer Blechbüchse. Aber immerhin zum Aldi-Preis von 22 bis 48 Euro pro Strecke.

© SZ vom 12.04.2013/cag
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