bedeckt München 17°
vgwortpixel

Indien: Falsche Pilotenlizenzen:Lizenzvergabe wird überprüft

Aber damit enden die unangenehmen Erkenntnisse für indische Fluggäste noch nicht. Luftfahrtminister Vayalar Ravi teilte kürzlich mit, in den Jahren 2009 und 2010 seien 57 Piloten aufgefallen, die angetrunken zum Dienst erschienen waren. Nur in zehn Fällen griffen die Fluggesellschaften durch und entließen ihre Angestellten - die anderen durften nach einer Pause wieder fliegen und kamen mit einer Rüge davon.

Die Serie von Negativ-Nachrichten trifft eine rasant wachsende Branche. Im vergangenen Jahr verzeichneten die indischen Fluggesellschaften etwa 50 Millionen Passagiere. Experten rechnen damit, die Zahl könne sich bis zum Jahr 2020 verdreifachen, wenn der Aufschwung wie prognostiziert anhält. All diese Zahlen sind trotz der noch immer weit verbreiteten Armut in Indien ein Beleg für die stetig wachsende Mittelschicht, die ihre neue Mobilität auskostet.

Wachstum der Airlines zu Lasten der Passagiere

Bislang galt das Fliegen in Indien als weitgehend sicher. Zwar kamen im vergangenen Jahr 158 Menschen beim Absturz einer Air-India-Maschine im Süden des Landes ums Leben. Davor hatte es aber ein Jahrzehnt lang keine größeren Zwischenfälle gegeben. Doch nun kommen Zweifel auf, ob das Wachstum der Fluggesellschaften zu Lasten der Passagiere geht. Piloten, die sich ihre Lizenz illegal sicherten, seien so verwerflich wie Betrüger, die sich als Ärzte ausgeben, sagte der Parlamentarier Baijayant Panda in einer Fernsehtalkshow: "Sie bringen Menschen in Gefahr." Schwarze Schafe gebe es aber nicht nur in der indischen Luftfahrt - "in vielen Berufsfeldern wird getäuscht", erklärte Panda.

Bharat Bhushan, der Chef der zivilen Luftfahrtbehörde DGCA, lässt nun die Lizenzvergabe aller 40 indischen Flugschulen genauer unter die Lupe nehmen. Der Vorfall in Goa und die Folgen seien ein "heftiger Schock" gewesen, sagt er. Aber von einem weit verbreiteten Skandal zu sprechen, hält Bhushan für übertrieben: Die Angelegenheit geht seiner Meinung nach nicht allzu tief und werde bald geklärt sein, "damit alle Beteiligten wieder voller Vertrauen fliegen können".

Allerdings richten sich die Ermittlungen der Polizei auch gegen Mitarbeiter seiner Behörde. Drei Angestellte sitzen derzeit hinter Gittern, weil sie Piloten geholfen haben sollen, mit einer illegalen Lizenz fliegen zu können. Indische Flugbegleiter müssen sich wohl auf weitere Fragen verunsicherter Passagiere einstellen.

© SZ vom 12.04.2011/dd

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite