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In Deutschland und den Nachbarländern:Acht Reiseziele, grün und schön

Es muss nicht immer eine Flugreise sein. Diese Urlaubsangebote zwischen Kopenhagen und dem Engadin sind nachhaltig und bieten neue Ein- und Aussichten.

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Grüne Welle in Kopenhagen

Kopenhagen

Quelle: Visit copenhagen

Die dänische Hauptstadt ist mittlerweile fast bekannter für ihre Radfahrer als für das Königsschloss oder den Tivoli-Vergnügungspark. Zu Recht. Gibt es doch mit Ausnahme Amsterdams in Europa keine andere Großstadt, in der das Fahrradfahren derart gefördert wird wie hier. Ein 350 Kilometer langes Netz von breiten Radwegen, die zum Teil drei Spuren in eine Richtung haben, Ampelschaltungen, die bei 20 km/h eine grüne Welle ergeben, viele Stellplätze für Räder und Lastenfahrräder in der Innenstadt.

All das hat dazu geführt, dass heute 50 Prozent der Stadtbewohner das Rad als bevorzugtes Verkehrsmittel nutzen. Nimmt man die Pendler dazu, sind es immerhin noch 36 Prozent. Um noch mehr Pendler zum Umsteigen zu bewegen, werden "Radautobahnen" in die Vororte gebaut. Auch für Touristen ist das Leihrad das beste Fortbewegungsmittel. Aber Achtung: Es gibt hier Fahrradstaus! www.visitcopenhagen.de

Hans Gasser

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Frischer Nordseewind

Auswilderung der ersten Seehund-Jungtiere

Quelle: Carmen Jaspersen/dpa

Die Nordseeinsel Juist will bis 2030 CO₂-neutral sein. Weil sie vom Tourismus lebt - fast 100 000 Urlauber reisen jährlich an -, haben die Juister auf den größten Posten in der CO₂-Bilanz den geringsten Einfluss: Die Anreise der Gäste verursacht 8000 Tonnen Kohlendioxid. Die Insulaner bieten Pauschalreisen an, bei denen die Anfahrt mit der Bahn erfolgt - mit Strom aus regenerativen Quellen.

Wer aufs Auto nicht verzichten will, wird um eine Kompensationszahlung gebeten. Die Gemeinde hat einen Klimaschutzmanager eingestellt, der die Bewohner bei der Wärmedämmung ihrer Häuser, Hotels und Pensionen berät. Bald liegt eine Untersuchung vor, welche regenerativen Energiequellen auf Juist tragfähig sind (da vier Fünftel der Insel zum Nationalpark Wattenmeer gehören, scheiden Windräder nahezu aus). Von der Allianz-Umweltstiftung wurde Juist mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet. www.juist.de

Stefan Fischer

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Sauberer Süden

Nationalpark Schwarzwald

Quelle: dpa

Das Ländle ist grün. Noch mehr, aber nicht erst seit Winfried Kretschmann dort die Staatsgeschicke leitet. Die Naturschutzverbände haben hier mehr aktive Mitglieder als anderswo in Deutschland. Und mit der Broschüre "Grüner Süden" bewirbt die Tourismus-Marketing GmbH des Landes besonders nachhaltige Urlaubsangebote. Die Regionen und Anbieter müssen dafür etablierte Umwelt- oder Nachhaltigkeitssiegel vorweisen und einen nachhaltigen Urlaubstag oder ein ganzes Wochenende beschreiben, vom Essen und Trinken über geführte Touren bis zur Übernachtung.

Ob auf Wildnistour im neuen Nationalpark Schwarzwald, auf Kulinariktour im Hohenlohekreis mit mehr als 1000 Bauern, die ihre Spezialitäten direkt vermarkten, oder auf Orchideen-Führung im Biosphärengebiet Schwäbische Alb - es werden zahlreiche Pauschalen samt umweltfreundlicher Anreise angeboten. www.tourismus-bw.de

Hans Gasser

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Ruhiger Osten

Nationalpark Unteres Odertal

Quelle: dpa

Wer in die Uckermark kommt, schätzt die Ruhe. Die Gegend im Nordosten Brandenburgs gehört zu den am dünnsten besiedelten in Deutschland. Gute Voraussetzungen für naturnahen Tourismus. Mehr als die Hälfte der Uckermark ist geschützt als Nationalpark (Unteres Odertal, im Bild), Biosphärenreservat (Schorfheide-Chorin) oder Naturpark (Uckermärkische Seen). Dem Netzwerk nachhaltig wirtschaftender Tourismusanbieter gehören rund 30 Betriebe an. Es hat dazu beigetragen, dass die Uckermark den Bundeswettbewerb Nachhaltige Tourismusregionen gewonnen hat.

Klimaneutrale Anbieter kompensieren die CO₂-Emissionen in die Wiedervernässung von Moorflächen. Aktuell entwickelt Uckermark Tourismus einen CO₂-Rechner für Urlauber. Alle Städte der Region sind ans Nahverkehrsnetz der Bahn angebunden, drei touristische Buslinien ermöglichen den Gästen, aufs eigene Auto zu verzichten. www.tourismus-uckermark.de

Stefan Fischer

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Ankommen in Wien

Magdas Hotel Wien (Pressematerial)

Quelle: Paul Kranzler

Es war eine lustige Party, sagen die, die dabei waren: Im Februar hat das Wiener Hotel Magdas sein Einjähriges gefeiert. Für die Mitarbeiter war das die Bestätigung: Wir können es! Sie kommen aus vielen verschiedenen Nationen, die Mehrzahl hat zuvor nie in der Gastronomie oder Hotellerie gearbeitet. Das Magdas wird von der Caritas betrieben, es ist auch ein Sozialprojekt: Neben zehn Hotelfachkräften arbeiten 20 Menschen mit Fluchterfahrungen in dem Haus. Sie machen den Charme des Magdas aus: Es herrscht dort nicht unbedingt eine typische Hotelatmosphäre vor.

Das Projekt ist sozial nachhaltig, es verwurzelt Fremde in der Stadt und sichert ihnen eine berufliche Perspektive. Die Auslastung lag im ersten Jahr bei 55 Prozent. Und dass die Hälfte der Gäste vorab gar nichts weiß über das Flüchtlingsprojekt, sieht man als Vorteil: Sie wollen gerne ein ganz normales Hotel sein. Wenn auch ein cooles. www.magdas-hotel.at

Stefan Fischer

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Werfenwenger Mobile

Urlaub in Grün - Klimaschutz und Tourismus passen selten zusammen

Quelle: dpa-tmn

Samo ist das Zauberwort. In Werfenweng, einem Bergdorf im Tennengebirge südlich von Salzburg, teilt man sowohl Gäste als auch Hotels in Samo oder Nicht-Samo. Sanfte Mobilität heißt das und es bedeutet, dass, wer ohne Auto anreist oder seinen Autoschlüssel abgibt, eine Flotte von Elektro- und Gasautos, von Pedelecs, Hybrid-Taxis oder Pferdekutschen gratis nutzen kann. Man garantiere jedem Samo-Gast die volle Mobilität, sagt Alexandra Hosp, Chefin des Tourismusverbandes, ob das Ausflüge nach Salzburg seien oder zum Ausgangspunkt der Wanderung auf die nächste Alm.

Werfenweng hat alpenweit eine Modellfunktion, seit mehr als zehn Jahren gibt es das Konzept hier bereits. Heute machen drei Viertel aller Hotels mit, zwei Drittel der Gäste nutzen das Angebot, das nicht nur 100 verschiedene Öko-Fahrzeuge, sondern auch Gratis-Schneeschuhe oder -Langlaufausrüstung beinhaltet. www.werfenweng.eu

Hans Gasser

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Wilde Schweiz

Mit der ganzen Familie zu den Murmeltieren - Urlaub im Nationalpark

Quelle: dpa-tmn

Was die Schweizer machen, das machen sie richtig, und meistens sind sie dabei der Zeit voraus. Ihr Schweizer Nationalpark im Engadin zum Beispiel ist zwar noch immer der einzige des Landes, aber mit knapp 102 Jahren der älteste der Alpen und außerdem einer der am besten geschützten in Europa. Dem Touristen sind als Besucher unter anderem das Verlassen der Wanderwege, das Mitführen von Hunden und das Ausüben von Wintersportarten untersagt.

Als Gegenleistung für diese Auflagen gibt es: nahezu ungestörte Natur und einen Haufen Wildtiere. Der Hirsch ist hier Attraktion statt wandelndes Wildbret, der Bartgeier Auswilderungsprojekt, sogar Wolf, Bär und Luchs besetzen Gastrollen. Doch selbst hier sind die Chaoten nicht fern: Auf der Ofenpassstraße, die sich wie ein Fremdkörper durch den Park zieht, wurden schon Motorradfahrer mit annähernd 200 Stundenkilometern geblitzt. www.nationalpark.ch

Dominik Prantl

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Auf Touren kommen

Wanderer in Winterlandschaft

Quelle: dpa

Kann man heute als vom Naturschutzgedanken beseelter Mensch noch mit reinem Gewissen auf Skitour gehen? "Ja, absolut", sagt Manfred Scheuermann, beim Deutschen Alpenverein (DAV) für das Projekt "Skibergsteigen umweltfreundlich" zuständig. Man müsse sich in den Bayerischen Alpen nur an jene Routen halten, die der DAV in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Umweltministerium und lokalen Akteuren definiert hat und auf denen Schneetouristen das im Winter besonders empfindliche Wild am wenigsten stören.

Die Einschränkung für Tourengeher hält sich dabei laut Scheuermann in Grenzen: "Die Waldwildschongebiete machen gerade einmal 20 bis 25 Prozent der Fläche aus." Statt auf Verbote wird bei dem Projekt auf Besucherlenkung und Einsicht der Tourengeher gesetzt. Neben grünen Hinweisschildern helfen dabei auch die digitalen DAV-Karten. www.alpenvereinaktiv.com

Dominik Prantl

© Süddeutsche.de/sks
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