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In den Silberminen von Potosi:Opfergaben für Tio Jorge

Die Arbeiter sitzen vor Schichtbeginn draußen im Sonnenschein. Sie haben die Köpfe gesenkt und kauen schweigsam Kokablätter. Sie werden seit tausenden Jahren von den Einheimischen in den Anden als Medizin und mildes Anregungsmittel benutzt. "Man vergisst Kopfschmerzen und die Höhenkrankheit. Es tut dem Magen gut und verleiht Kraft", sagt Ramirez.

Bolivien Südamerika Potosi Silbermine Cerro Rico

Die Arbeiter wie Reynaldo Ramirez Uzeda bitten den Gott Tio Jorge um seinen Schutz.

(Foto: dpa-tmn)

Der Eingang zur Rosario-Mine, der immer noch sein ursprüngliches Mauerwerk aus dem 16. Jahrhundert hat, ist mit dreckigem Wasser überflutet. Weiter drinnen im Labyrinth von Tunneln, von denen einige nur einen Meter hoch sind, wird der Untergrund staubig. Die Temperatur steigt von 10 auf 30 Grad Celsius. In regelmäßigen Abständen öffnen sich kleine Nischen, in denen Schreine für Tio Jorge stehen. Die Gipsstatuen sind Abbilder des Herren der Stollen. Die Bergarbeiter beten um seinen Schutz. Sein angeschwärztes Gesicht ist mit bunten Papierschlangen gekrönt, sein Mund mit Kokablättern und Zigaretten vollgestopft. Er trägt sogar Knieschoner aus Leder - eine Erinnerung an die afrikanischen Sklaven, die viel größer als die Einheimischen waren und viel mehr Schwierigkeiten hatten, durch die Tunnel zu kriechen.

Nachdem sie selbst einen Schluck genommen haben, sprenkeln die Bergarbeiter zwei Tropfen Ceibo-Schnaps auf den Boden - einen für Tio und einen für Mutter Erde. "Ich bin froh, dass ich gekommen bin, es ist aber keine Erfahrung, die ich wiederholen möchte", sagte ein 31-jähriger Australier. "Ich habe jetzt viel Respekt vor den Leuten, die hier arbeiten." Und stört es die Bergarbeiter, angeschaut zu werden wie Tiere im Zoo? "Nein", sagt Don Leonardo, der seit 20 Jahren in den Minen arbeitet, und nimmt sich eine Handvoll Kokablätter. "Die sind ruhig und bringen Geschenke. Es ist eine schöne Ablenkung für uns." "Es freut mich, dass sie unsere Realität sehen", fügt Don Mario hinzu. Er meißelt gerade ein Loch in die Wand, um ein Zinnflöz aufzusprengen. "Es ist kein gewöhnlicher Trip in ein Museum."

Informationen:

Anreise: Aus Europa gibt es keine Direktflüge nach Bolivien. Reisende müssen entweder in den USA oder südamerikanischen Ländern umsteigen. Einziger internationaler Flughafen ist La Paz. In Potosi gibt es einen nationalen Flughafen. Deutsche Staatsangehörige benötigen für einen touristischen Aufenthalt kein Visum.

Sicherheit: In Bolivien kommt es laut Auswärtigem Amt immer wieder zu sozialen Unruhen, die schnell eskalieren können. Auch vor Überfällen müssen sich Reisende in Acht nehmen.

Gesundheit: Vor allem die extreme Höhe kann Reisenden Probleme bereiten.