Imposante Eisenbahnbauten weltweit:Nicht nur in die Röhre schauen

Diese Brücke, diese Waggons, diese Fassade: Der Gotthard-Basistunnel ist das neueste Monumentalwerk, doch weltweit gibt es weitere sehenswerte Eisenbahnbauten. Eine Auswahl.

Von Katja Schnitzler

9 Bilder

The logo of the NEAT Gotthard Base Tunnel is seen on the event site for the upcoming opening ceremony near the town of Erstfeld

Quelle: REUTERS

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Die Schweizer sind stolz, und das zu Recht: Beim Bau des Gotthard-Basistunnels blieben sie im Zeit- und Kostenrahmen, so dass am 1. Juni pünktlich eröffnet wurde. Dank des Tunnels wird die Bahnfahrt zwischen Zürich und Mailand eine Stunde kürzer dauern, mit dem neuen Fahrplan kommen die Passagiere vom 11. Dezember 2016 an in den Genuss. Der Basistunnel ist 57,1 Kilometer lang - und damit der weltweit längste Eisenbahntunnel (hier lesen Sie alles zum neuen Gotthard-Basistunnel). Er löst den 1988 eröffneten Seikan-Tunnel in Japan als bisherigen Rekordhalter ab.

Doch auf Zugreisen geht es nicht nur um Superlative, sondern um das besondere Fahrerlebnis sowie um unvergessliche Strecken und Brücken, die eine Auszeichnung als schönstes Fotomotiv verdient hätten - eine Auswahl.

The Jacobite steam train passing over the Glenfinnan Viaduct at the head of Loch Shiel, Lochaber, Highlands of Scotland

Quelle: Paul Tomkins/VisitScotland

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Glenfinnan Viadukt in Schottland

Harry-Potter-Fans dürfte der Viadukt bekannt sein: Vor der ebenfalls sehenswerten Landschaft der schottischen Highlands fuhr hier der Hogwarts-Express vorbei. Einen ähnlichen Anblick bietet im Sommer der Touristenzug "The Jacobite", der wie im Bild zu sehen noch dampfend über die bis zu 30 Meter hohen Pfeiler fährt. Aber auch Dieselwagen verkehren hier etwas weniger romantisch zwischen Fort William und Mallaig. Als der Viadukt 1901 eröffnet wurde, galt er als Pionierwerk: Er war eine der ersten großen Betonbrücken, so dass sein Erbauer Robert McAlpine nicht nur den Ritterschlag erhielt, sondern auch den Spitznamen "Concrete Bob" - Beton-Bob.

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Quelle: pixabay.com

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Bahnhof Antwerpen-Centraal

Das Äußere ist historisch, aber genutzt wird der Verkehrsknotenpunkt nahe der Altstadt von Antwerpen ganz modern: Mehr als 500 Züge halten hier jeden Tag. Die imposante Höhe von mehr als 40 Metern verdankt die stählerne Bahnhofshalle den Dampflokomotiven - der Rauch musste abziehen können. Das Empfangsgebäude ist hingegen aus Stein und wird "Spoorwegkathedraal", Eisenbahnkathedrale, genannt: Für seine Entwürfe ließ sich Louis de la Censerie unter anderem vom Pantheon in Rom inspirieren. Eröffnet wurde der Bau 1905. Als König Leopold II. den Bahnhof dabei erstmals erblickte, soll er recht trocken bemerkt haben: "Das ist ein netter, kleiner Bahnhof."

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Quelle: pixabay.com

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Tren de Sóller, Mallorca

"Eine einzigartige Erfahrung", wirbt die Eisenbahn von Sóller auf der Homepage, was ja erst einmal nichts weiter aussagt. Der Zug verbindet seit 1912 Palma de Mallorca mit dem fast 30 Kilometer entfernten Ort Sóller und fährt dabei - hier werden die Betreiber konkreter - über Brücken, durch 13 Tunnel und über "Cinc-Ponts", einen Viadukt mit fünf Bögen. Die Schmalspurbahn an sich ist ebenfalls sehenswert mit ihren Waggons, die mit Holz verkleidet sind und einst auf der Insel zusammengebaut wurden. Die alte Bahn schafft es noch immer, auf sieben Kilometern einen Höhenschied von fast 200 Metern zu bewältigen: Nur so kann sie die Sierra de Alfàbia überwinden.

Wer dann von Sóller noch weiter zum Hafen will, steigt in die Straßenbahn um - die Tram wurde 1913 eingeweiht. Früher wurde auch frischer Fisch in der Straßenbahn in die Stadt transportiert.

Wuppertaler Schwebebahn

Quelle: Franz-Peter Tschauner/dpa

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Wuppertaler Schwebebahn

Dieses Bild ist historisch, da 2010 aufgenommen: Seit 2015 setzt die fahrende Sehenswürdigkeit in Wuppertal modernere Waggons ein, doch die Stützen im Stil der wilhelminischen Kaiserzeit sorgen weiterhin für eine nostalgische Kurzreise. Seit 1901 schwebt die Bahn über der Wupper und den Straßen der Stadt, inzwischen ist die Strecke mehr als 13 Kilometer lang. Ein Waggon ist aber ein Original aus der Bauzeit: Im "Kaiserwagen" fuhr Wilhelm II. samt Gemahlin am 24. Oktober 1900 noch vor Freigabe der Strecke für die Öffentlichkeit durch Wuppertal - heute steht der Kaiserwagen auch Touristen für Ausflugsfahrten offen.

File photo of a Eurotunnel train exiting the Channel tunnel in Coquelles, near Calais

Quelle: Reuters/Pascal Rossignol

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Eurotunnel zwischen Frankreich und England

Welch Erleichterung für Touristen, die ängstlich Wetter und Wellen prüften, bevor sie sich zittrig auf ein Schiff begaben, um von Frankreich nach England oder umgekehrt überzusetzen. Jetzt schaukelt nur noch der Zug, und es muss allein der Gedanke verdrängt werden, dass die Wellen nicht verschwunden sind, sondern über dem Tunnel tosen - zum Glück liegt da noch 40 Meter Erdreich dazwischen. Seit 1994 bietet der Eurotunnel eine direkte Zugverbindung zwischen den Ländern, die bis dahin der Ärmelkanal trennte.

Etwas mehr als 50 Kilometer ist der Tunnel lang, für den es schon früher Pläne gab. Sehr viel früher: So sollten etwa kurz nach 1800 Pferdekutschen unter der Straße von Dover zwischen den Ländern hin- und herfahren, Kamine sollten für Frischluft sorgen. Nicht nur Krieg zwischen den Ländern machte das unmöglich. Heute fahren "Stahlrösser" in 35 Minuten vom Terminal in Folkstone zum Terminal in Coquelles im längsten unterseeischen Tunnel der Welt: 38 Kilometer führen durch den Meeresboden.

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Quelle: Rhätische Bahn

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Landwasserviadukt der Rhätischen Bahn, Schweiz

Die Brücke nahe dem Bahnhof Filisur ist ein imposanter Anblick, vor allem wenn einer der täglich 60 Züge auf der schmalen Passage 65 Meter über dem Abgrund fährt. Noch eindrucksvoller aber war der Bau des Viadukts: Die drei Hauptpfeiler wurden nur mit zwei Kränen errichtet, ganz ohne Gerüst. Der Viadukt in Graubünden gehört seit 2008 zum Weltkulturerbe - das namensgebende Landwasser ist übrigens ein Fluss, der auch durch Davos rauscht. Der Bahnhof Filisur, an dem der Bernina-Express hält, ist ein Lieblingsort von zugbegeisterten "Trainspottern" (lesen Sie hier die Reportage).

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Quelle: pixabay.com

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Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden

Sie ist die weltweit längste Schrägseilbrücke, auf der sowohl Platz ist für Autos als auch für Züge: knapp acht Kilometer ist sie lang. Seit dem 1. Juli 2000 kommt man so auch ohne Schiff von Malmö nach Kopenhagen. Die bessere Aussicht haben die Autofahrer, die zwei Zuggleise verlaufen auf der Ebene darunter.

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Quelle: pixabay.com

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Kangra Valley Railway, Indien

Am Anfang dieser Zugstrecke stand - im übertragenen Sinn - ein Wasserkraftwerk im indischen Himalaya: Um das Material ins heutige Joginder Dagar zu schaffen, wurde der Bau einer Eisenbahn beantragt. Das nutzte das zuständige Ministerium, um den Startpunkt nach Pathankot zu verlegen und etliche Bergorte und Pilgerstätten im Kangra-Tal anzubinden. Seit dem 1. April 1929 fahren auch Reisende mehr als 160 Kilometer am Südhang des Himalaya entlang, dabei passieren sie zwei Tunnel und mehr als 900 Brücken. Diese sind auch die Schwachstelle der Schmalspurbahn: Weil in Flussbetten illegal Sand und Kies abgebaut wird, sind manche Brückenpfeiler gefährdet.

© SZ.de/ihe/mane
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