Kolumne "Ende der Reise":Der Trend zum Vierthund

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Kolumne "Ende der Reise": Nicht immer halten sich die geliebten Vierbeiner bei ihren Besitzern auf. Manchmal markieren sie auch beim Camping-Nachbar.

Nicht immer halten sich die geliebten Vierbeiner bei ihren Besitzern auf. Manchmal markieren sie auch beim Camping-Nachbar.

(Foto: Waltraud Grubitzsch/picture-alliance/dpa)

Urlaub mit Hunden scheint immer beliebter zu werden. Insbesondere beim Camping ist es schwierig, unbehelligt von all den mitgebrachten Vierbeinern zu bleiben.

Glosse von Hans Gasser

Im Urlaub lieber Distanz zu Hunden halten! Das schreibt die Tierschutzorganisation Vier Pfoten in einer aktuellen Mitteilung. Eine durchaus sinnvolle Anregung, der man sehr gerne nachkommen möchte.

Das Problem dabei ist, dass die Hunde sich nicht an das Abstandsgebot halten. Und zwar nicht die streunenden Hunde im Süden, die die Tierschützer vor allem meinen, weil sie als wandelnde Zecken-, Floh- und manchmal auch Tollwutwirte eine Gefahr darstellen können. Es geht vielmehr um die sprunghaft angestiegene Anzahl von Hunden, die mit ihren zweibeinigen Freunden in den Urlaub fahren - gerne in den Camping-Urlaub.

Wer etwa in den Pfingstferien mit einer großen Autofähre beispielsweise in Richtung Sardinien unterwegs war und an Deck die abendliche Ausfahrt des Schiffes Richtung Sonnenuntergang genießen wollte, sah sich von fast mehr Hunden als Menschen umgeben. Der Trend, so konnte man beobachten, geht einerseits, ähnlich wie bei den Wohnmobilen, zum größeren, also zum SUV-Hund: Labrador, Dogge, Riesenschnauzer. Andererseits scheint er auch Richtung Zweit- Dritt- und sogar Vierthund zu gehen.

Und natürlich müssen die alle mal an Deck. Kein Reling-Pfosten, keine Ecke, kein abgestellter Rucksack (bloß nicht!), der vor ihnen sicher wäre. Die Fährgesellschaft erlaubt dies. Der Fahrtwind kann den Gestank nicht immer überdecken. Zudem gibt es immer wieder lautstarke Keilereien zwischen Tieren, die sich offensichtlich nicht riechen können. Es ist also eher schwierig, in Ruhe sein Bier zu trinken und dem Farbenspiel von Himmel und Meer zuzusehen.

Ja, schon klar: Man darf den Viechern keinen Vorwurf machen. Sie können ja nichts dafür, dass ihnen der Homo sapiens jede Scheu vor ebendiesem weggezüchtet hat.

Angekommen am Campingplatz, geht es so weiter. Der Autoreifen des Campingbusses, der Baum, an dem man seine Hängematte aufgehängt hat, werden gerne mal als Markierungsstelle zweckentfremdet, die Hundebesitzer scheinen auch Urlaub von der Hundebetreuung zu machen. Nachts kläfft der Hund der Wohnmobil-Nachbarn derart ausdauernd, dass man in den kurzen Schlafphasen von einem Jagdgewehr mit Zielfernrohr träumt.

Gut, die Besitzer haben sich anderntags entschuldigt. Und, zugegeben: Manchmal können die Vierbeiner auch für Erheiterung sorgen. Auf der Rückfahrt mit der Fähre war ein junger Labrador derart aufgeregt, dass er das gebräunte Bein seiner Besitzerin mit der Reling verwechselte und ausgiebig markierte.

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