Kolumne: Hin und weg:Hund im Himmel

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Hat seinen Platz im Leben und im Flugzeug gefunden: ein Darsteller-Hund, der für "Bark Air" wirbt. (Foto: Eduardo Munoz/REUTERS)

Jetzt gibt es die erste Airline, die den Haustieren höchsten Komfort bietet. Das hat aber seinen Preis.

Glosse von Dominik Prantl

Die Tourismusindustrie ist ja schon seit Längerem ziemlich auf den Hund gekommen; es gibt unter anderem Hundehotels, Hundewellness und Hundeschlittenfahrten. Ein Kollege machte kürzlich sogar Yoga mit seinem Hund, was sich dann "Doga" nennt, und wanderte mit dem Vierbeiner über die Alpen. Weil es ein geschätzter Kollege ist und jeder Scherz oder gar Gemecker gegenüber Hunden nicht nur gesellschaftlich verpönt ist, sondern auch den Redaktionsfrieden stören könnte, sei hier nur ein knallharter Emissionsfakt über den "Klimakiller Hund" (diverse Webseiten, unter anderem agrarheute.com) erwähnt: Laut Wissenschaftlern der TU Berlin hat ein Hund bei 30 Kilogramm Kampfgewicht rund eine Tonne CO₂ pro Jahr zu verantworten. Da ist sein Flugverhalten noch gar nicht mit eingerechnet.

Dieses könnte künftig allerdings eine immer größere Rolle spielen. Denn in den USA startete vor wenigen Tagen tatsächlich eine Hundefluggesellschaft ihren Jungfernflug. Sie heißt Bark Air, was eingedeutscht ausnahmsweise mal beinahe eleganter klänge: Bellair. Eine Belair gab es übrigens zwar schon einmal, doch hatte die nichts mit Hunden zu tun und ging vor ein paar Jahren Pleite, wohl deshalb, weil Air Berlin den Laden übernommen hatte.

Warten auf den Abflug - am Ende der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Airline. (Foto: Eduardo Munoz/REUTERS)

Das Geschäftsmodell von Bark Air dagegen ist zukunftstauglich. Anders als bei den üblichen Airlines dieser Welt, bei denen Hunde wie Tiere behandelt werden und den Flug in einer Box im Laderaum verbringen müssen, wird bei Bark Air nämlich alles dafür getan, dass den Hunden nicht entsprechend elend wird. Bark-Air-Gründer Matt Meeker sagte kürzlich im ARD-Morgenmagazin: "Wir wollen dem Hund den Stress nehmen, um ihm einen angenehmen Flug zu ermöglichen." Weil pro Flug nur zehn Tiere zugelassen werden, kostet einer der exklusiven Inlandstrips zwar 6000 US-Dollar pro Fluggast und Begleiter, ein Interkontinental-Gassi von New York nach London gar 8000 Dollar, also rund 7370 Euro. Wer das aber teuer findet, sollte mal einen Blick auf die Speisekarte werfen. Ganz weit oben steht als "Doggie Champagne" (mit Noten von Tennisbällen und frisch gemähtem Gras) camouflierte Hühnersuppe, gefolgt von der Hauptspeise "Lucky Duckies", also glücklichen Enten, und danach: "Barkaccino".

Auch die Webseite von Bark Air wirkt, als würde sich das Unternehmen selbst nicht wirklich ernst nehmen. Der übergeordnete Leitspruch lautet: "Finally, dogs can fly." Endlich können auch Hunde fliegen. Auf dem Präsentationsvideo werden Tennisschuhe unter der Wärmeglocke serviert, und den Hunden läuft während des Bordprogramms mit Eichhörnchen-Videos das Wasser im Maul zusammen. Am Ende des Werbeclips weist die Stewardess sehr ernst darauf hin: "Wenn du denkst, das sei ein Witz, bist du kein Hundemensch."

Womöglich fragt sich auch der Hundemensch, wie das eigentlich noch zu toppen ist. Katzen-Törns auf einem Katermaran, dazu ein Ratte Macchiato? Muh-Muh-Tours und Wellensittich-Wellness? Oder bleibt's beim noblen Horsel (englisch für Pferdehotel) und dem berühmten Doggenpalast in Venedig? Wem das zu albern klingt, der muss es vielleicht einfach so entspannt sehen wie die geschäftstüchtigen Realsatiriker von Bark Air: Da ist noch jede Menge Luft nach oben.

Dominik Prantl überlässt den Familienkater während des Urlaubs der Nachbarin. Bisher jedenfalls noch. (Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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