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Hütten in den Alpen: Blaueishütte:Endlich ist der Standort lawinensicher

In einem Gerichtsprozess, dem das Nachrichtenmagazin Der Spiegel 1953 drei Seiten widmete, wurde der damalige Forstmeister Georg Küsswetter des Verbrechens überführt. Der Forstmeister, so das Protokoll, habe sich mit dubiosen Methoden und einem patriarchalischen Führungsstil rund um Ramsau sein eigenes kleines Königreich geschaffen.

Vom Jenner ins Hagengebirge

Den Watzmann im Rücken

Bis 1918 war die Talgemeinde Ramsau nämlich bayerisches Hofjagdgebiet gewesen. Der "Ramsauer Nero" Küsswetter und einige Jäger sahen sich offenbar weiter in dieser exklusiven Tradition und ihre historischen Pfründe durch touristischen "Bergpöbel" (Küsswetter) in Gefahr.

Außerdem fürchtete der Forstmeister die Umtriebe der Amerikaner am Blaueiskar sowie eine erneute Annexion des ehemals salzburgischen Ruperti-Winkels durch Österreich. Er stachelte sein Gefolge zur Brandstiftung an.

Die Prozessunterlagen lesen sich wie das Drehbuch für einen Heimatfilm. Um den Wiederaufbau der Wehrmachtshütte zu verhindern, ließ Küsswetter die verbrannten Mauern zusätzlich sprengen.

Anstelle des Umzugs in die größere Wehrmachtshütte blieb für die Sektion Hochland und die Wirtsfamilie Hang also nur der Ausbau der alten Blaueishütte. Im Zuge dessen wurde der Giebel um 90 Grad gedreht, um die Hütte lawinensicher zu machen. "Die haben gedacht, die Lawine nimmt die Hütte dann als Sprungschanze", sagt Raphael II. Der Plan ging nicht auf.

Nach Weihnachten 1955 meldet Hermann Buhl, Wahl-Ramsauer und Erstbesteiger von Nanga Parbat und Broad Peak, die Blaueishütte sei verschwunden. Eine Staublawine hatte sich ganz offensichtlich nicht ablenken lassen.

Die Hütte am Blaueiskar aufzugeben, kam für Raphael I. trotz dieser Rückschläge nie in Frage. "Es hat immer weitergehen müssen, das war klar", erinnert sich Raphael II. Sein Vater improvisierte mit einem Zelt aus Balken und Planen, auf einem Lagerfeuer kochte er für Helfer und Bergsteiger. Aus brauchbaren Resten entstand rasch eine Nothütte.

Die Sektion Berchtesgaden übernahm das Gebiet und ließ die Blaueishütte an ihrem heutigen Standort neu aufbauen, 300 Meter Luftlinie vom alten entfernt und diesmal wirklich lawinensicher.