Hotelsound-Design:Beschallung mit Geschmack

Lesezeit: 4 min

Soll Mozart zum Fünf-Sterne-Menü erklingen oder gar die markante Stimme von Freddie Mercury? Damit in Luxushotels das Musikniveau über den Klassik-Einheitsbrei steigt, tüfteln Musikexperten an den individuell passenden Sounds.

Marco Maurer

Hotel Musik Piano Musikkonzept Musikexperten Hotel Savoy London

Ein Angestellter des Savoy-Hotels in London sitzt in der American Bar am Piano. Dieses Musikkonzept genügt nicht mehr allen Hotelbetreibern.

(Foto: Reuters)

Der Oberkellner drückt auf die Play-Taste, und eine dezente Sonate von Mozart erklingt. "Schon wieder", sagt der Mann augenrollend. Er weiß auch, welche Stücke gleich folgen werden. "Schubert, Haydn, Langeweile", flüstert er.

Auch Gäste rieben sich bereits an Mozart. "Das verstört meine Ohren", beschwerte sich einer bei Gertrud Schneider, der Besitzerin des Fünf-Sterne-Hotels Kristiania in Lech-Zürs in Österreich. Spätestens da wurde ihr klar, dass zu einem Fünf-Sterne-Haus auch ein Fünf-Sterne-Sound gehört - und nicht immer nur der erwartbare Pianist am Steinway oder der obligatorische Klassik-Klangteppich. Tourismus-Experten verkünden, dass der Trend im Luxussegment zum perfekten Gesamterlebnis gehen soll. Und Musik solle dabei mehr als nur die zweite Geige spielen.

In Premiumhotels wird bisher auf vieles Acht gegeben: Die Zutaten für die Küche stammen bevorzugt aus der Region, die Innenräume sind architektonisch penibel aufeinander abgestimmt und oftmals sogar gezielt beduftet. Aber die musikalische Ausgestaltung pendelt häufig noch zwischen den Koordinaten zufällig, erwartbar und mangelhaft. Deshalb kümmert sich nun Peter Resch mit seiner Firma Roomvibes um die Musik im Kristiania.

Dazu müssen die Raumbeschaller das Hotel und seine Gäste erst einmal analysieren. "Wir schauen uns alles an: Einrichtung, Publikum, ob Kunst an den Wänden hängt, und wenn ja, welche", sagt Resch. "Daraus machen wir dann den Soundtrack zum Lokal - wie bei einem Film."

Musik, die zum Alter der Gäste passt

Natürlich spielt auch der Geschmack der Hotelbesitzer eine Rolle. So hat Gertrud Schneider klare Vorstellungen für ihren "Casual-Dining-Bereich". Der ist gar nicht so unförmlich, wie sein Name vermuten lässt. Die Tischdecken sind frisch gestärkt, der Kerzenschein verbreitet mondänen Glanz, das Silberbesteck strahlt mit den Weingläsern um die Wette, der Sommelier geht ringsum und empfiehlt den zum Gang harmonierenden Wein. Dazu kann sich Schneider "moderne, elektronische Westernsongs", vorstellen. Diese habe sie in London, als sie von Boutique zu Boutique schlenderte, kennengelernt. Resch nickt. "Das dürfte hier gut passen." Viele Kristiania-Gäste seien um die 60 Jahre alt, aufgewachsen also mit Simon and Garfunkel, den Beatles oder Bob Dylan. Zeitgenössischer Americana-Sound von Bands wie Lambchop, Wilco oder den Fleet Foxes könne für diese Gäste "eine unglaublich positive Überraschung darstellen", glaubt Resch.

In seiner Jugend hat der Musikbegeisterte als DJ gearbeitet. Vielleicht liegt es an dieser frühen Prägung, dass er Hotels nicht mag, in denen, wie er es selbst ausdrückt, "nur Radioprogramm inklusive Nachrichten, Werbung und schlechter Moderation" läuft. Bevor er sein neues Geschäftsmodell ins Leben rief, war er Mitinhaber einer österreichischen Großbäckerei. Die Idee zur professionellen Hotelbeschallung kam ihm während einer Autofahrt mit einer befreundeten Hotelbesitzerin. Resch spielte ihr Musik von seinem iPod vor. Der Freundin gefiel's, und am Abend lief Reschs persönlicher Soundtrack in ihrer Hotelbar.

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