Kolumne "Ende der Reise":Tausche Bikini gegen Bademantel

Hotel "Vier Jahreszeiten" in München, 2018

Irgendwie eine Nullsummenrechnung: So viel Gäste aus den Hotelzimmern klauen, so viel vergessen sie auch darin.

(Foto: Robert Haas)

Urlauber klauen aus Hotelzimmern alles, was nicht niet- und nagelfest ist. Sie lassen aber auch eine Menge da.

Von Stefan Fischer

Ein Gast hat fürchterliche Rechte. Er kann sich eine ganze Menge herausnehmen gegenüber den Gastgebern, ehe man ihm die Türe weist. Und das mit dem Herausnehmen fassen manche Urlauber ganz wörtlich auf: Sie tragen aus Hotelzimmern, was nicht niet- und nagelfest ist. Kosmetikprodukte ohnehin, aber auch Handtücher, Bademäntel und Zimmerpflanzen, Gläser, Nachttischlampen sowie die Drucke von Monets Seerosen-Gemälden.

Das ist mindestens bedauernswert für Hoteliers, auch kostspielig und in eher seltenen Fällen lediglich ein Kavaliersdelikt, sondern meistens schlichtweg kriminell. Nun gibt es im Gastgewerbe diesbezüglich aber nicht nur ein Nehmen, sondern auch ein Geben: Denn im Laufe eines Lebens lässt jeder Tourist den halben Hausrat in Hotels liegen. Zum Standard gehört es, ein Ladekabel in der Steckdose zu belassen. Davon haben Hoteliers zwar keinen unmittelbaren Nutzen. Aber ein Weiterverkauf via Ebay dürfte in jedem Fall einträglich genug sein, um damit die entwendeten Handtücher und obendrein die Kunstdrucke ersetzen zu können.

Sexspielzeug wird gerne im Hotel vergessen

Bei der Kosmetik wiederum hängt es von der Skrupellosigkeit der Hoteliers ab: So viele Seifen und Körperlotionen die Leute in ihre Beautycases stecken, so viele Cremes und Duschgels lassen sie in den Bädern stehen. Im Prinzip ein Nullsummenspiel, es stellen sich jedoch Qualitäts- und Hygienefragen, auf die jeder Hoteldirektor seine eigenen Antworten haben mag.

Heikler erscheint die Sache mit dem Sexspielzeug. Derlei wird überraschend häufig vergessen, wie Umfragen unter Hoteliers ergeben. Womöglich sollte sich der eine oder die andere unter ihnen ermutigen und aus der Sammlung, die sich da über die Zeit anhäuft, ein Angebot machen: Auf Wunsch gibt es Erotik-Toys aufs Zimmer, wie Wasserkocher oder Babybetten auch.

Zur Ehrenrettung der Bademanteldiebe sei übrigens gesagt: Sehr häufig werden Kleidungsstücke in Hotelzimmern vergessen, besonders oft nasse Badehosen und Bikinis, und zwar in den Taschen der Bademäntel. Es ist also reine Umsicht, die Hotel-Bademäntel einzupacken.

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