bedeckt München 17°
vgwortpixel

Hoteltipps:Las Vegas in den Dolomiten und eine Schweizer Schule als Lodge

Südtirol Dolomiten Las Vegas Lodge Skigebiet Skifahren

Im Skigebiet auf 2000 Metern Höhe im Gadertal (Alta Badia) bei St. Kassian: die Las Vegas Lodge

(Foto: Lodge Las Vegas)

Skihütte in den Dolomiten: Pizza für Pisten-Cowboys

Auf der Las Vegas Lodge in Südtirol begrüßt der Wirt seine Gäste freundlich mit der Faust. Und die sind zahlreich: Gut 600 Skifahrer wollen jeden Tag Carbonara, Speckknödel oder Hirschmedaillons essen. Viele bleiben bis in die Nacht. Von Lars Reichardt

Er vermisst nichts da oben auf 2000 Metern Höhe, sagt der Hüttenwirt. Seinen Gästen gehe es ebenso, glaubt er zu wissen. Ulli Crazzolara bietet jedem an, ihn außerhalb der Gondelfahrtzeiten ins Dorf hinunterzubringen und auch wieder zu holen, mit dem Jeep, dem Schneemobil oder der großen Schneekatze, aber die allermeisten wollten gar nicht runter, solange sie sich auf der Las Vegas Lodge eingemietet haben. Sechs Minuten braucht die Gondel für die 500 Höhenmeter vom Dorf San Cassiano hinauf auf den Berg. Dort sei es ein komplett anderes Leben, "am zweiten Tag fällt der Stress von einem ab", meint Ulli, der so schnell redet, weil er im Winter kaum Zeit findet zum Plaudern, so viel Stress hat er selbst.

Gut 600 Skifahrer wollen jeden Tag im Winter Carbonara, Speckknödel, Hirschmedaillons oder Tagliata essen, die letzten gehen um ein Uhr nachts. Die Karte ist groß für eine Hütte, die meisten sind Stammgäste und wollen etwas Abwechslung. Viele Einheimische aus dem Dorf kommen hoch, auch die Carabinieri. Mittwoch ist Pizzatag, dann kommen die Tourengeher, die nachts die Piste herunterfahren. Oder rodeln. Und wenn sie zu viel getrunken haben, fährt sie Ulli mit dem Schneemobil.

Keine Spielautomaten: Innen ist die Lodge schick und modern. Der seltsame Name kommt von der Vorbesitzerin.

(Foto: Lodge Las Vegas)

Las Vegas, was für ein blödsinniger Name für eine Hütte in den Dolomiten. Dachte sich auch Ulli, als er die Hütte im Jahr 2000 kaufte. Die Vorbesitzerin hatte eine Freundin in Nevada, daher der Name. Ulli traute sich nicht, ihn zu ändern, er stand ja schon auf Landkarten. Mittlerweile ist er froh drum. Die ladinischen Namen der Nachbarhütten - "Üeti Pic Priz" liest man und kann sie sich nicht merken. Ein Las Vegas am Gipfel vergisst man nicht.

Neuneinhalb Monate lebt Ulli auf seiner eigenen Hütte. In Zimmer Nummer 1, die eins ist ihm ein wenig peinlich und soll nichts bedeuten, die anderen sieben Zimmer sind auch eher größer als seines. Aus dem Fenster von Nummer eins kann Ulli die Bunker am Lagazuoi sehen, nicht mehr als zwei Kilometer Luftlinie sind es zu den in Fels gehauenen Stellungen an der Grenze von Südtirol zum Veneto. Jahrelang haben sich die Soldaten in 2800 Metern Höhe hier in den Dolomiten im Ersten Weltkrieg beschossen.

19 Jahre führt Ulli jetzt das Leben eines Hüttenwirts. Davor war er Skirennfahrer, Riesenslalom, bis mit 22 sein Knie kaputt ging. Bis vierzig war er Skilehrer, nahm auch an den Skilehrerweltmeisterschaften in Japan teil, fuhr Motocross in Namibia und mit dem Mountainbike über die Dolomitenpässe, mehr als 100 Pokale und Medaillen liegen in Ullis Hütte verteilt. Nebenbei führte er einen Elektrobetrieb im Dorf, bis er schließlich die Hütte kaufte und renovierte. Sechs Geschwister hat er, fünf davon arbeiten in der Gastronomie. Ulli war in der Mitte. "Ich hatte es am schwierigsten, aber in der Mitte liegt das Beste, wie beim Sandwich." Alle gingen in Brixen auf eine Klosterschule. "Wenn ich Pech gehabt hätte, wäre ich Priester geworden, das war in kinderreichen Südtiroler Familien so üblich", erzählt er. Aber Ulli hat in Las Vegas sein Glück gemacht und begrüßt seine Gäste nach Snowboarder-Art mit der Faust.

Las Vegas Lodge, Piz Sorega 15, St. Kassian, Italien, Tel.: 0039 / 0471 / 84 01 38, lasvegasonline.it

Schweiz Berner Oberland Gadmer Lodge

Kein Schnickschnack und trotzdem gemütlich: In der ehemaligen Dorfschule wohnen nun Hotelgäste.

(Foto: David Birri)

Schweiz: Rösti im Klassenzimmer

Im Berner Oberland haben ehemalige Schüler aus ihrer Dorfschule eine Lodge gemacht. Die Gäste können jetzt in den einstigen Schulräumen übernachten. Von Isabel Pfaff

Die beiden jungen Männer können das zufriedene Grinsen nicht lassen. Sie sitzen in der warmen Gaststube, neben ihnen lodert ein Kaminfeuer, draußen lässt ein Sturm die Schneeflocken tanzen. Vor mehr als 20 Jahren haben Thomas Huber und Remo von Weissenfluh hier Lesen und Schreiben gelernt. Die Klassenzimmer der Dorfschule waren gleich nebenan, und da, wo die beiden jetzt ein Feierabendbier trinken, befanden sich früher die Lehrerwohnungen. "Wir hatten hier Großklassen, also die erste bis vierte Klasse waren in einem Raum, und die fünfte bis neunte in einem anderen", erzählt von Weissenfluh. Wie das eben so ist in einem winzigen Bergdorf wie Gadmen im Berner Oberland, das im Winter, wenn der Sustenpass geschlossen ist, zur stillen Sackgasse wird.

2013 musste die Dorfschule zusperren, es gab nicht mehr genügend Schüler. Jetzt, nur sechs Jahre später, herrscht im Schulhaus neues Leben. Ein Restaurant hat darin Platz gefunden, dazu gibt es Übernachtungsmöglichkeiten von spartanischen Mehrbettzimmern bis hin zu Hotelzimmern auf Drei-Sterne-Niveau. Schuld daran sind nicht zuletzt die zwei Männer in der Gaststube, Jahrgang 1986 und 1989. "Unsere Generation ist seit Langem die erste, die das Tal nicht verlassen hat", sagt Thomas Huber.

Schon als Jugendliche glaubten er und Remo von Weissenfluh an das Potenzial ihrer Heimat, erfanden Tanz- und Sport-Events oder belebten alte Traditionen wie das Schlittenhunderennen neu. "Die Alten haben uns nicht immer geglaubt, dass das möglich ist", sagt Thomas Huber stolz. Inzwischen kommen Hunderte Gäste zu den Festen nach Gadmen. Und: Die ersten Familien bauen wieder Häuser im Dorf. Die Gadmer Lodge ist für die beiden Männer ein wichtiges Puzzlestück, das dem Tal in seiner Entwicklung noch gefehlt hat. Nicht nur die kulturellen Anlässe bringen Gäste hierher. Auch die Berggipfel, die sich rund um Gadmen erheben, machen das Dorf das ganze Jahr über zum Ausgangspunkt für Kletterer, Radler, Skifahrer und Schneeschuhwanderer. "Jetzt können sie endlich ganzjährig hier essen und übernachten", sagt Huber.

Er ist zusammen mit Remo von Weissenfluh im Vorstand der Genossenschaft, die das Schulhaus im Auftrag der Gemeinde umgebaut hat. Rund 300 Mitglieder hat die Genossenschaft, die meisten stammen aus Gadmen und den umliegenden Dörfern. Über eine Viertelmillion Euro haben sie beigetragen zum Umbau der Schule, den Rest haben die Projektverantwortlichen über Spenden und Kredite aufgetrieben. In gut einem Jahr stampften sie das Hotel aus dem Boden, oft standen die Genossenschafter selbst auf der Baustelle. "So ist das bei uns einfach, wir haben viele Leute, die sich ehrenamtlich engagieren", sagt von Weissenfluh.

Klare Linien: Für Gäste mit weniger Budget gibt es auch Mehrbettzimmer mit Etagen-Bad.

(Foto: David Birri)

Vor wenigen Monaten hat die Gadmer Lodge ihre Türen geöffnet. Wer nun an einem stürmischen Winterabend mit dem Auto oder dem Postbus in Gadmen ankommt, wird fast magisch angezogen von dem warm leuchtenden Holzbau mit den großen Fenstern. Im Restaurant gibt es bodenständige Schweizer Spezialitäten wie Fondue, Rösti oder Älplermagronen; Familien oder Gruppen können Salat und Pasta in großen Schüsseln bestellen. Für Gäste, die günstiger übernachten wollen, wurden die alten Klassenzimmer zu zehn Mehrbettzimmern mit Etagenbädern umgebaut, für anspruchsvollere Kunden gibt es in dem ehemaligen Lehrerwohnungstrakt mehrere Doppel- und Familienzimmer. Viel Massivholz, klare Linien, kein Schnickschnack: Die Macher der Gadmer Lodge haben sich für einen schlichten, modernen und trotzdem warmen Stil entschieden.

Zum Gesamtkonzept gehört auch die Mehrzweckhalle des Dorfs, die gleich neben dem alten Schultrakt steht. "Die Idee ist, dass Sportgruppen die Halle für Trainingslager nutzen und hier in der Gadmer Lodge übernachten", erklärt Thomas Huber. Es geht seiner Genossenschaft darum, das Gadmental für möglichst viele verschiedene Menschen zu erschließen. Eine Sauna oder sonstige Spa-Angebote braucht es dafür nicht, findet er. "Wellness ist in Gadmen das, was vor der Haustür beginnt."

Mehrbettzimmer mit Frühstück ab 41 Euro p. P., DZ mit Früstück ab 128 Euro p. P., gadmerlodge.ch

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

© SZ vom 24. Dezember 2019/kaeb
Chiemgau Bayern Wastleicherhof Ferien Urlaub Bauernhof

Hoteltipps
:Wohlfühl-Quartiere für Familien

Spielparadies unter der Zugspitze, Luxus neben Kuhstall im Chiemgau und auf der Turracher Höhe - und ein Hotel in Oberammergau, in dem sich auch Hunde sauwohl fühlen.

Von SZ-Autoren

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite