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Hoteltipps:Turbulent neben der Streif oder ruhig im Bayerischen Wald

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Traditionsreiche Unterkunft seit 1929: die Hocheckhütte am Hahnenkamm, direkt an der Streif.

(Foto: Dominik Prantl)

Diese Hotels und Hütten sind ideal für die kürzere oder längere Pause - und für sportliche Urlauber, die sich nach der Einkehr in die Mausefalle verabschieden.

Hocheckhütte in Tirol: Schlafen an der Streif

Die Hocheckhütte und die Hahnenkamm-Lodge liegen an der bekanntesten Piste der Welt. Wer vor die Hütte tritt, blickt direkt in die Mausefalle, den steilsten Abschnitt der Abfahrt. Für Wirt Peter Noichl war es der Schulweg. Von Dominik Prantl

Wenn Peter Noichl vor einem halben Jahrhundert während der Wintermonate in die Schule wollte, dann schnallte er sich die Skier an. Anschließend fuhr er von 1640 Metern hinunter nach Kitzbühel, etwa 900 Höhenmeter, und zwar nicht über irgendeine Abfahrt, sondern über die Streif, die ganz sicher berühmteste Rennpiste der Welt.

Peter Noichl ist der Besitzer und Wirt der Hocheckhütte; er ist hier oben aufgewachsen. Er sagt, die halbe Welt kenne ihn unter dem Namen Hocheck-Peter. Seine Eltern haben die Hütte 1967 gekauft, da war er gerade sieben Jahre alt, die Hütte aber schon vier Jahrzehnte. Sie stand schon, bevor 1931 das erste Rennen auf der Streif ausgetragen wurde und bevor die Bahn auf den Hahnenkamm 1929 den Betrieb aufnahm. Nur wenige Schritte von der Hütte entfernt liegt die Bergstation, entworfen von Alfons Walde, aus dessen Feder auch das Kitzbühel-Logo stammt. Der Künstler errichtete sich hier oben ebenso ein Berghaus wie der Architekt Clemens Holzmeister, der später wiederum die Kapelle am Hahnenkamm planen durfte. Die Hütte befindet sich damit also in bester Gesellschaft.

Bei genauerem Hinsehen hat die Hütte mit ihren 60 Betten neben Lärchenschindeln an der Außenfassade und regelmäßiger, teils bis tief in die Nacht reichender Partystimmung im Inneren auch noch immer jede Menge Geschichte zu bieten. "Dieses Zimmer ist von 1926", sagt Noichl beispielsweise bei einer Besichtigung, "wennst da die Bretter wegmachst, fliegt der Torf runter." Für besseres Dichtungsmaterial habe das Geld damals nicht gereicht. In einer der gemütlichen Stuben hängen die Bilder der alten Streiflegenden, das Kitzbüheler Skiwunderteam der 1950er-Jahre etwa, mit Leitner, Pravda, Huber, Molterer und Sailer. Und Robert Redford habe Ende der 1960er-Jahre während des Drehs für den Streifen "Schussfahrt" sogar hier übernachtet. Wer vor die Hütte tritt, blickt dann auch direkt in die sogenannte Mausefalle, den ersten und steilsten Streckenabschnitt der Streif.

Zwischen Hocheckhütte und Mausefalle liegt nur die Hahnenkamm-Lodge. Wenn die Hocheckhütte für das alte Kitzbühel mit Walde und Sailer und Redford steht, dann verkörpert die Lodge die Neuzeit des Ortes. Die Besitzer, denen der Hocheck-Peter den Boden vor einigen Jahren verkaufte, stammen aus Belgien und Deutschland. Die Nacht kostet 6000 Euro, in der Nebensaison. Dafür gibt es für maximal zwölf Personen Sauna und Fitnessraum, Alpenblick und Skipass, einen eigenen Koch und einen Facility-Manager. Wer hier schon alles übernachtet hat, will die Managerin nicht verraten, "bitte haben Sie Verständnis", aber im vergangenen Winter habe es keine zwei Buchungen aus dem selben Land gegeben. Die Servicekraft redet wie selbstverständlich englisch, während sie einen delikaten, spritfreien Cocktail kredenzt, rot mit Eiswürfeln und grünen Blättern. Wobei der Rotwein beim Hocheck-Peter auch nicht zu verachten ist.

Hocheckhütte, Am Hahnenkamm, Kitzbühel, Österreich, Bett im Haupthaus ab 70 Euro mit HP, im DZ ab 115 Euro p. P. mit HP. Während des Hahnenkamm-Rennens 250 Euro p. P. (inkl. Karte für Samstag), hocheckhuette.at

Bayerischer Wald Bayerisch Eisenstein Sportel Arber Langlauf Loipe

40 Kilometer Loipen vor der Tür: Blick vom Hotel Sportel zum Großen Arber.

(Foto: Sportel)

Bayerischer Wald: Winterfrische mit britischem Akzent

Kein Brexit in Bayerisch Eisenstein: Das Sportel vermittelt englisches Landhausflair - und punktet mit großem Loipennetz vor der Tür. Von Johanna Pfund

Ein Schritt in das Hotel Sportel, und man fühlt sich wie in einem englischen Landhaus. Wandvertäfelungen ziehen sich den Gang entlang, Teppiche in warmen Farben schlucken die Schrittgeräusche, auf Sideboards stehen Blumen und Leselampen, Zeitschriften verlocken dazu, kurz stehen zu bleiben und zu blättern. Doch England ist sehr weit weg.

Das Sportel liegt in Bayerisch Häusl, einem Ortsteil von Bayerisch Eisenstein. Nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Tschechien entfernt, steht das Haus an einem Hang, von dem aus man auf die bergige Landschaft des Bayerischen Waldes schauen kann. Das sollen die Gäste auch tun, wenn man den Betreiber Erich Bruckdorfer fragt: "Mir geht es um die klassische Sommer- und Winterfrische."

Hotel Sportel Bayerisch Eisenstein; Sportel am Großen Arber

Innen ist das Hotel Sportel gediegen englisch.

(Foto: Sportel)

Bruckdorfer hat das Haus, einst eine kleinere Pension, von seiner Mutter übernommen und zwei Welten darin vereint: die der internationalen, hochklassigen Hotels und das Beschauliche des Bayerischen Walds. Jahrelang kümmerte sich der heute 68-Jährige für die Hotelgesellschaft Kempinski um die Einrichtung großer Häuser, später brachte er im Auftrag einer Bank ins Stocken geratene Hotelprojekte wieder in Schwung.

Mit der Größe solcher Hotels kann sich das Haus in Bayerisch Eisenstein nicht messen, denn es bietet in Suiten und Doppelzimmern zusammengerechnet lediglich Platz für zehn bis zwölf Personen. In der Regel gibt es nur Frühstück, auf Wunsch auch ein kaltes Abendessen. Doch sein Wissen um Einrichtung hat Bruckdorfer sehr wohl ins Sportel übertragen. Detailreich ausgestattete Bäder, maßgefertigte Regale, in denen Bücher, CDs und eine Musikanlage stehen, sowie farblich akkurat aufeinander abgestimmte Stoffe schaffen eine angenehme Atmosphäre.

Im Frühstücksraum, der ebenso gut als englischer Landhaussalon dienen könnte, liegt ein maßgefertigter Teppich aus Thailand. Die Terrassentür öffnet sich zum Garten mit zwei Häusern, derzeit kann man aber nur ahnen, wie es wohl im Sommer aussieht. Jetzt im Winter können die Gäste "Ski in - Ski out" praktizieren: Die Hohenzollern-Loipe verläuft auf der anderen Seite der Straße.

Mehr als 40 Kilometer bietet allein Bayerisch Eisenstein, und Zugang zu einem insgesamt 250 Kilometer großen Loipennetz. Skifahrer gelangen per Bus in einer Viertelstunde zum Großen Arber. Das Auto kann am Hotel bleiben und Winterfrische halten - wie die Hausgäste eben auch.

Sportel in Bayerisch Eisenstein, Doppelzimmer mit Frühstück ab 88 Euro, sportel.de

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