Kolumne "Ende der Reise":Sportlich schlafen in Shanghai

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Kolumne "Ende der Reise": So soll der neue Firmensitz von Anta-Sports mal aussehen. In dem Gebäude wird auch das erste Fila-Hotel untergebracht. Rendering: Anta

So soll der neue Firmensitz von Anta-Sports mal aussehen. In dem Gebäude wird auch das erste Fila-Hotel untergebracht. Rendering: Anta

Die Bekleidungsmarke Fila will ein Hotel eröffnen. Über einen Zeitgeist, der hoffentlich von einem alten Hausgeist vertrieben wird.

Von Dominik Prantl

Der gemeine Zeitgeist kennt natürlich auch bei Hotels kein Pardon. Anders als das gar nicht so weit entfernt verwandte Schreckgespenst kommt er allerdings auf sehr leisen Sohlen und treibt sein Unwesen über Jahre hinweg, oft fast unbemerkt. Was erst gestern noch ein Hotel Post oder Adler war, firmiert plötzlich unter Mountain Lodge, Lake Chalet oder Romantik Resort, und wenn der Zeitgeist zeigen will, dass er dem Schreckgespenst in nichts nachsteht, macht er vielleicht sogar ein Hilton, Hyatt oder Novotel daraus - wobei man auch als einfaches, aber solides Hotelkettenmitglied ganz schnell wie von gestern wirken kann.

In Shanghai, wo der Zeitgeist derzeit als Expatriate einen festen Wohnsitz besitzt, ist beispielsweise für 2024 das erste Hotel des Sportartikelherstellers Fila geplant. Es soll in Zusammenarbeit mit der Hyatt-Gruppe am neuen Firmensitz von Anta-Sports, zu der Fila in China gehört, untergebracht werden und natürlich den einzigartigen Charakter der Marke mit italienischen Wurzeln widerspiegeln. Typisch ist, dass es sich aber auch hier freilich nur um die Fortsetzung einer alten Idee mit billigeren Mitteln handelt, jene vom Modelabel zum Designhotel. So wurde 2000 bereits der Palazzo Versace in Australien eröffnet; 2004 entstand in Mailand schließlich das erste Bulgari-Hotel und 2010 folgte im Burj-Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, die Einweihung des ersten Armani-Hotels. Und auch das Fila-Hotel dürfte vor allem ein weiterer Vorbote für all die Nike-Sports-Resorts, Adidaspartments und Motel Pumas sein, die da wohl noch kommen werden.

Umso schöner ist jene Botschaft aus Mallorca, wonach in der inselmittig gelegenen Ortschaft Sineu das seit 2012 leerstehende Kloster der Barmherzigen Schwestern in ein 15-Zimmer-Hotel umgebaut wird und so vor dem Verfall gerettet werden kann. Weil der Antrag auf die Umwidmung des Gebäudes schon vor mehreren Monaten gestellt wurde, sei es nicht vom kürzlich erlassenen Moratium für neue Gästebetten betroffen, meldet die Mallorca Zeitung. Sollten allerdings schon bald spanische Klamottenhändler das Klosterhotel in ein Zara Home oder Mango Mallorca verwandeln wollen, bleibt nur zu hoffen, dass sich darin doch noch ein guter alter Hausgeist findet, der den depperten Zeitgeist zum Teufel jagt.

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