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Hotel Fatal:Hotelnamen und was sie bedeuten

Es ist fast egal, wo man sich befindet: In einem "Gasthof zur Post" oder einem "Hotel Esplanade" erwartet den Besucher doch immer dasselbe.

Gasthof zur Post In nahezu jedem Weiler über 400 Seelen gibt es ein "zur Post". Ein "Hotel zur Bahn" oder das "Hotel zur Telekom" sucht man hingegen vergeblich. Das liegt natürlich daran, dass deren Unternehmens-Vorfahren dereinst kein Postkutschen-System mit angeschlossener Herberge unterhielten. In die gleiche Klasse wie das "zur Post" gehören übrigens auch alle Kombinationen aus Ortsname und Hof, also: Freisinger Hof, Tutzinger Hof et cetera.

Hotel Fatal, dpa
(Foto: Foto: dpa)

Das durchschnittliche "Hotel zur Post" trumpft vor allem mit einem großen, im Farbton "Dunkelbier" verholzten Saal auf, in dem die Treffen des Schützenvereins und Hochzeiten mit etwa derselben Klientel stattfinden. Geranien an den Fenstern und das Gutsherrenpfandl auf der Speisekarte gehören zum Standard des Hauses.

Der Hotelbetrieb beschränkt sich meist auf ein paar saubere Zimmer, zu denen durchaus noch Fremdenzimmer gesagt werden darf und in welche vorwiegend die Gäste ebenjener Dunkelbier-Hochzeiten einquartiert werden. Im Keller lauert gelegentlich auch noch eine Bundeskegelbahn, die von einem mürrischen Oberkellner mit schwarzer Weste in Betrieb genommen werden muss.

Hotelpension Bergkristall Das ist der Prototyp der alpin geprägten Durchschnittspension. Ihm entsprechen auch sämtliche auf "-blick" endenden Häuser, also Tauernblick, Arberblick et cetera. Es erwartet den Gast in den meisten Fällen eine solide Vintage-Hotellerie: Tischmülleimer beim Frühstück, Zimmerschlüssel mit Mini-Abrißbirnen, Tischtuchgewichte in Erdbeerform auf der Terrasse, auf der auch nur Kännchen serviert werden - all das ist hier wie in einem Gastro-Biotop erhalten. Und das Kaffeekännchen wird natürlich von einer blassen und näselnden Kellnerin gebracht, die als Saisonkraft und gegen ihren Willen zuvor in alpenferner Region eingefangen wurde.

Komfortmäßig gibt man sich reduziert, was die steinalten Stammgäste aber entweder gerade schätzen oder ihnen gar nicht auffällt. Ein Sprung im Waschbecken ist allerdings obligatorisch. Als Entschädigung gibt es dafür den Bergblick vom schwer verschnitzen Balkon aus und irgendein Wanderweg geht auch immer direkt am Haus vorbei. Hunde sind hier willkommen und den VW Jetta mit abgewetzter Hutablage kann man auf dem Parkplatz mit dem Schild "Hausgäste Pension Bergkristall" abstellen.

Hotel Belvedere Der typische Name für ein abgewracktes Altstadthotel. Gleichzusetzen sind ihm noch die Namen Bellevue, Esplanade und alles was einen Adelstitel im Hotelnamen trägt. Das Konzept besteht hier darin, vermittels eines Kronleuchters in der Lobby, einigen bröckelnden Ölgemälden im Gang, viel Goldspray und jeder Menge rotem Teppich über den dringenden Renovierbedarf hinwegzutäuschen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum sich ältere Ehepaare aus der Provinz gern in Designhotels einquartieren.

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