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Hongkong-Test: Was taugen Reise-Apps?:Smart reisen

Braucht man wirklich einen "superben Führer", der beim Zusammenstellen chinesischer Gerichte und ihrer korrespondierenden Weine hilft? Und welche App bringt selbst mürrische Taxifahrer zum Lachen? In Hongkong zeigt sich, welche Reise-Apps etwas taugen.

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Quiz der Städtenamen, AFP

Quelle: AFP

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In kaum einer anderen Stadt der Welt gibt es so viele Smartphones wie in Hongkong: Fast jeder zweite der sieben Millionen Einwohner besitzt einen der kleinen elektronischen Alleskönner. Weil Hongkong gleichzeitig ein populäres Stop-over-Ziel ist, existiert auch eine gewaltige Auswahl kleiner Programme (Apps), die der Tourist vor der Hongkong-Reise auf sein Telefon laden kann. Unser Reporter Stefan Nink hat das getan und seine iPhone-Apps vor Ort auf ihre Alltagstauglichkeit getestet.

HK 720 Grad (kostenlos)

Das ist eines der ersten Programme, auf die man bei der Recherche stößt: Es wird vom Hongkong Tourist Board herausgegeben und taucht ganz oben auf der Liste auf. Für Debütanten ist diese virtuelle Hochglanzbroschüre ganz nett: ein paar Grundsätzlichkeiten, Videos sowie virtuelle Rund-um-die eigene-Achse-Ansichten, bei denen man die Kamera hinunter zum Boden und hinauf in den Himmel über Hongkong schwenken kann, bis einem blümerant wird. Der Sinn des Programms? Man kann sich zu Hause in Edemissen-Abbensen schon mal anschauen, was man sich dann vor Ort in Hongkong anschauen möchte. Und wehe, es sieht nicht so schön aus wie auf den Fotos!

MAN WALKS PAST FALLEN TRUNK IN HONG KONG

Quelle: REUTERS

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HK Warnings (0,79 Euro)

Auch dieses kleine Programm bereitet einem bereits lange vor dem Abflug Freude: Sobald es installiert ist, schickt es regelmäßig Wetterwarnungen für den Großraum Hongkong, die einen dann zu Hause beim Abendessen erreichen oder während eines Rapports beim Abteilungsleiter. "Achtung! Kältewarnung! Heute müssen Sie mit Temperaturen unter 13Grad rechnen. Achten Sie auf ältere Menschen in Ihrer Nachbarschaft!", steht zum Beispiel nachts um halb vier auf dem Display. Beim Anwählen der "Taifun-Track"-Option erscheint zum Glück immer der Hinweis: "Es gibt im Moment keinen Taifun, den Sie beobachten können."

Hongkong U-Bahn metro

Quelle: AFP

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MetrosGuide (kostenlos)

Und jetzt sind wir also da, in Hongkong, und weil wir dieses kleine Programm haben, wissen wir auch sofort, welche U-Bahn wir in die Stadt nehmen müssen. Überhaupt ist der MetrosGuide sehr praktisch: Mit seiner GPS-Anbindung führt er einen überall in der Stadt zur nächsten U-Bahn-Station, und wenn man abends zum Nachtmarkt an der Temple Street möchte oder zur "Golden Shopping Arcade" mit ihren gefälschten Elektronik-Produkten, kann man Start- und Zielbahnhof eingeben und bekommt die schnellste Verbindung auf den Schirm. Das sei aber noch gar nichts, sagen die windigen Elektronikhändler in der "Golden Shopping Arcade": Bei ihnen gebe es Programme, mit denen sogar Verspätungen und Fahrpreise angezeigt würden. Und ein iPhone koste hier auch bloß ein Zehntel. Sogar in Pink! Oder in Giftgrün!

To match Reuters Life! FOOD-MICHELIN/HONGKONG

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HK Delicacies (kostenlos)

Das Herumlaufen in dieser Stadt macht auch deshalb ständig hungrig, weil man ständig zwischen Restaurants herumläuft. Dieses Programm erklärt die wichtigsten lokalen Gerichte, also das, was der Hongkonger üblicherweise so isst: Wonton Noodles zum Beispiel oder Yangzhou Fried Rice oder etwas, das Rabbit Fish Congee heißt. Etwa 50 typische Gerichte werden mit ihrem handelsüblichen Preis vorgestellt, und wenn man auf das Lautsprechersymbol drückt, gibt eine angenehme Stimme die Bestellung sogleich in der Landessprache auf. Leider weiß das Programm auf Rückfragen des Kellners keine Antwort.

Beim Praxistest gibt es die unterschiedlichsten Reaktionen: Bei "Brother Yat's Fried Rice" kann sich die Bedienung kaum zusammenreißen, bei "Congee with Preserved Egg and Lean Meat" wird unter den Kellnern heftig diskutiert, und in einem ziemlich angesagten Restaurant in Tsim Sha Tsui steht auf der endlos langen Speisenkarte kein einziges der Gerichte, die das Programm anbietet. Vielleicht sollte man da noch mal nachlegen.

To match feature HONGKONG-ANNIVERSARY/FUTURE

Quelle: REUTERS

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Lonely Planet Hong Kong (4,99 Euro)

Die wissen, was sie tun: Die Leute, die die erfolgreichste Reiseführerreihe der Welt herausgeben, machen auch eine sehr gelungene Smartphone-App. Wer dieses Programm auf seinem Handtelefon hat, muss kein dickes Buch mit sich herumschleppen, so viel steht fest. Informationen sind übersichtlich und logisch gegliedert, bei Stichproben stimmen Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten, und die Stadtpläne lassen sich auch ohne bestehende Internetverbindung verwenden. Klasse Programm, leider - bislang - nur in Englisch erhältlich.

Peninsula Hongkong

Quelle: AFP

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Marco Polo Hongkong (3,99 Euro)

Die wissen offensichtlich nicht, was sie tun: Die Smartphone-Ausgabe der populären deutschen Reiseführerreihe ist ein mittleres Desaster. Oder weiß jemand, was das Ban Dao Jiudian ist? Außer, dass es ganz oben in der Rubrik "Sehenswertes" geführt wird und auch noch ein gelbes "Insider Tipps"-Fähnchen hat. Na? Auf dem Bild ist jedenfalls das Peninsula Hotel zu sehen, und empfohlen wird der High Tea im Foyer dort. Heißt der Ban Dao Jiudian? Weiter geht's! Guoji Jinrong Zhongxin Erqi - "nur bis ins Jahr 2007 war dies mit 415Metern der höchste Wolkenkratzer der Stadt". Und nur in diesem Reiseführer-Programm existiert auf Gottes weiter Welt etwas mit diesem Namen.

Ähnlich verwirrend ist die Rubrik "Essen&Trinken". "Wenn Hongkong eine Gourmethochburg von weltweiter Reputation ist, so gibt es dafür gewiss mehrere Gründe", steht da zur Begrüßung. Ganz gewiss! Nur leider erfährt man von den Gründen nichts. Auf der folgenden Übersichtsseite werden die empfohlenen Restaurants mit den immer gleichen Kurzrezensionen vorgestellt: "Das Restaurant XY zeichnet sich durch die reizvolle Aussicht aus". Oder: "Ein Spaß ist die abendliche Nudelvorführung!" Oder: "Haustiere sind im Haus nicht erlaubt". Haustiere werden in China in der Regel gegessen, möchte man süffisant hinzufügen. Und hofft, dass beim nächsten Update zumindest mal Sätze wie "Mittwochs trägt die Managerin ihr Haar zum Pferdeschwanz gebunden" in die Restaurantkritiken einfließen. Etwas essen will ja offensichtlich eh niemand.

Peninsula Hotel in Hongkong

A RESIDENT WALKS PAST A CLOSED PROPERTY SHOP IN HONG KONG

Quelle: REUTERS

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SG Malls (kostenlos)

Wenn man jeden Busch auf jedem kleinen Steinbrocken im Chinesischen Meer mitzählt, die Marschen drüben bei Mai Po, den Dschungel auf der Sai Kung Peninsula und die Grünflächen auf Inseln wie Lamma oder Lantau: Dann kann das schon stimmen, dass Hongkong zu mehr als 70Prozent aus grüner Natur besteht. Nun verbringt der normale Besucher der Stadt eher wenig Zeit mit dem Erklimmen von mit Schlingpflanzen bewachsenen Hängen bei 38Grad im Schatten - und kann deswegen dieses kleine Programm hier gut gebrauchen: Es zeigt nämlich an a) welche Shopping Mall in der Nähe ist, b) welche Läden es dort gibt und c) wo in der Mall sie liegen. Wer je in einem der labyrinthischen Einkaufszentren von Admiralty oder Central auf der Suche nach einer guten Buchhandlung umhergeirrt ist, weiß: So was kann ziemlich nützlich sein.

HEAVY TRAFFIC SEEN AT HONG KONG CROSS HARBOUR TUNNEL

Quelle: REUTERS

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Art Guide (2,39 Euro; in der abgespeckten Version kostenlos)

Das Programm für den Kunstfreund. Hongkongs Galerienwelt ist in den vergangenen Jahren ja ziemlich in Bewegung geraten, ständig Neueröffnungen, ständig Vernissagen, ständig neue Künstler - und alle innovativer als ihre Vorgänger und wilder und hongkongiger! Diese App führt Besucher von Galerie zu Galerie. Die "Show-Taxi!"-Funktion ist dabei sehr praktisch: Beim Anklicken öffnet sich eine neue Seite, auf der Name und Adresse der gesuchten Galerie auf Chinesisch stehen. Funktioniert wunderbar. Und sorgt für extreme Heiterkeit unter den notorisch schlecht gelaunten Taxifahrern der Stadt.

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A Superb Guide to Chinese Cuisine and Wine Pairing (kostenlos)

Zuerst einmal: Hätte man da keinen, nun ja - handlicheren Namen finden können? Und dann: Braucht man wirklich einen "superben Führer", der beim Zusammenstellen chinesischer Gerichte und ihrer korrespondierenden Weine hilft? Die Skepsis wird noch größer, als der Kellner erklärt, der allerliebst zum Sichuan Hotpot passende Weißwein aus Neuseeland koste umgerechnet 85 Euro. Natürlich könnte man jetzt einwenden, dass sich das bei zwei Personen und einem Hauptgang für je vier Euro schon irgendwie ausgleicht, aber irgendwas an dieser Kalkulation stimmt nicht. Deswegen: zwei Bier, bitte!

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Quelle: AFP

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HK Free Wifi (kostenlos)

Das ist ein unbedingtes Muss, dieses kleine Programm! Geordnet nach Stadtteilen werden WiFi-Hotspots in Cafés, Gärten und Malls kreuz und quer in der Stadt gelistet. Man glaubt gar nicht, in wie vielen Hongkonger Gärten man kostenlos online gehen kann, ganz bequem von der Parkbank aus. Sogar vor Regierungsgebäuden oder deren Innenhöfen lassen sich gratis E-Mails abfragen. Eine andere Frage ist, ob man das in China wirklich möchte.

Facebook: Hong Kong (kostenlos)

Ein Klick auf den "Gefällt-mir!"-Knopf, und ein virtueller Hongkong-Kiosk öffnet sich. Drei Tage Mitlesen vor der Reise führt zu einer endlosen Liste von Dingen, die man unbedingt ansehen, essen, trinken, besuchen oder anderswie ausprobieren muss - falls man während seines Hongkong-Aufenthaltes wirklich noch Zeit dafür hat. Hier kann man auch noch sehr nett nach der Reise stöbern. All die anderen Apps hat man dann ja bestimmt schon wieder von seinem Smartphone gelöscht.

Informationen

Anreise: Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Hongkong kostet mit Cathay Pacific zurzeit zwischen 900 und 1100 Euro - die passende Airline-App heißt "CX Mobile" und hilft unter anderem beim Check-in und dem Überprüfen des Flugstatus, www.cathaypacific.com

Unterkunft: Das Mandarin Oriental zählt seit fast einem halben Jahrhundert zu den berühmtesten Hotels der Welt und ist das Mutterhaus der gleichnamigen Kette. DZ ab 380 Euro, www.mandarinoriental.com. Eine App gibt es auch: "MO Hotels".

Weitere Auskünfte: Hong Kong Tourism Board, Tel.: 069/959 12 90, E-Mail: frawwo@hktb.com; www.discoverhongkong.com.

Apps: Bei der Verwendung der meisten Apps fallen Internetgebühren an. Prepaid-Simkarten gibt es in Hongkong für sehr wenig Geld in jedem Lebensmittel- oder Zeitschriftenladen.

© SZ vom 22./23.6.2011/kaeb
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