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Hongkong:Alles ist erleuchtet

Im Helikopter, auf Hochhausdächern und Bergen: Nur wer Hongkong von oben aus betrachtet, sieht, wie die Stadt wuchert.

Ouvertüre

Hongkong

Stadt der Gegensätze

Es gibt Stadtgebilde, die lassen sich am besten erleben, indem man ihr Straßen- und Wegenetz durchwandert. Andere brauchen die Panoramaansicht, um ihr Unverwechselbares zu offenbaren. Und Manhattan definiert sich als gleichsam gewaltiger, bei schlechtem Wetter auch unheimlich drohender Wald aus Wolkenkratzern, die gigantisch wie Mammutbäume emporwachsen.

Hongkong aber, diese Zwitterstadt aus Insel und Festland, aus Hong Kong Island und dem gegenüberliegenden Festlandsquartier Kowloon, lebt aus der immerwährenden Spannung zwischen seinen beiden Teilen, die der ewig von Schiffen und Booten aufgewühlte Meeresarm trennt und zugleich verbindet. Am stärksten entfaltet sich der doppelte Zauber dieser einzigartigen Lage Hongkongs übrigens von oben, von den Hochhäusern oder den umgebenden Bergen oder vom Hubschrauber aus.

Als noch der alte Flughafen existierte, mussten die Piloten ihre Maschinen quasi mitten durch die alltäglichen Lebensverhältnisse der Hongkonger steuern, das hatte gefährlichen thrill und stimmte einen gleich auf Enge und Geschäftigkeit, Energie und Vitalität ein.

Heute landet man auf einem extra im Meer aufgeschütteten Airport weit vor der Stadt und rollt dann heran und hinein in den emsigen, unaufhörlichen Verkehrsstrom, der einen schließlich an den Meeresarm bringt, auf dessen Schauseite die Insel liegt. Dort türmt sich die atemversetzende Skyline auf, dicht bei dicht. Spektakulär in den Hochbauten von Architektengrößen wie Norman Foster, I.M. Pei und anderen, beflissen in den zahllosen zu schwindelnder Höhe aufgestapelten Appartementhäuser.

Wirklich angekommen ist jeder Hongkong-Reisende erst dann, wenn er auf der Star Ferry vom Festland zur Insel übersetzt und auf ihr wieder zurückgekehrt. Es gibt keine schönere Art, Hongkongs Zauber in sich aufzunehmen, als so sanft hinübergeschaukelt zu werden.

Langsam wachsen die Gebäuderiesen auf Hong Kong Island vor einem empor mit dem mächtigen Convention Center davor, dessen raffiniert geschwungene Dachkonstruktion an ausgebreitete Möwenflügel denken lässt. Einst pulsierte Hongkong im Rhythmus dieser Fähren, heute fahren die Bewohner meist U-Bahn oder unterqueren das Wasser durch Autotunnels. Die U-Bahn ist relativ teuer, also sammelt die Star Ferry vor allem die Armen im Unterdeck.

Hongkongs Skyline, von einem Wolkenkratzer aus gesehen - auf der nächsten Seite.