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Höhenwanderweg in Ligurien:Zurück in den Trubel

SZ Grafik Karte Reise

Der Höhenweg verläuft oberhalb der fünf berühmtesten Dörfer von Ligurien.

(Foto: SZ Grafik)

Am nächsten Tag folgt erneut ein schweißtreibender Marsch über Bergrücken. Ein uralter Weg verbindet Rio mit Groppo, dessen Häuser aus grauem Stein wie ein Festungswall auf einem schmalen Felsrücken kleben. In Serpentinen windet sich der Pfad am macchiabewachsenen Hang empor, an manchen Stellen versperren Brombeerhecken den Weg. Dann eine Lichtung, bedeckt von Teppichen aus himmelblauen Veilchen. Auf eingestürzten Terrassen wachsen Kastanienbäume, die braunen Früchte vom Vorjahr verrotten am Boden.

In Jahrhunderten wurden die Häuser von Groppo wie ein Bauklotz über den anderen getürmt, mit schießschartenkleinen Fenstern, tunnelartigen Durchgängen und steinernen Bögen dazwischen. So entstand eine mächtige Trutzburg, ein labyrinthisches Geflecht aus Treppen und Gassen, für Autos viel zu eng. Und schwer zu erobern. Im Mittelalter, als die Sarazenen die Küstenorte heimsuchten, zogen die Ligurer landeinwärts und verschanzten sich in ihren wehrhaften Dörfern.

"Unsere Häuser wurden alle gleich gebaut", erklärt eine weißhaarige Frau, die in Trainingshose und Pantoffeln auf einer Bank neben dem Dorfbrunnen die Sonne genießt. "Im Keller lagerten früher die Vorräte, in den oberen Stockwerken lebten die Bewohner - mit einer zweiten Tür zur rückwärts angrenzenden Gasse hinaus, als letzte Fluchtmöglichkeit." Der Brunnen plätschert, von einigen Fassaden blicken steinerne Fratzen herab - Relikte einer Zeit, als Groppo noch Hunderte Bewohner zählte und sich mancher diese Zeichen von Wohlstand leisten konnte. An diesem Nachmittag wirkt der Ort wie ausgestorben. Nur das Knattern einer Motorsäge im nahen Wald verrät, dass hier nicht alle den Kampf gegen die vorrückende Natur aufgegeben haben.

Gedränge herrscht erst wieder in Varese Ligure, dem Hauptort des Vara-Tales. Auf dem zentralen Platz vor den Überresten einer mittelalterlichen Burg sitzen Herren mit Aktenkoffern und rauchen Zigaretten. Kellner balancieren auf erhobenen Tabletts Espressotassen, die Bestellungen werden ins Innere der Lokale gerufen. Frauen, die in eleganten Kostümen vorbeistolzieren, und fröhliche Kinderstimmen; das ist vielleicht der markanteste Unterschied: Am Berg oben gab es sie nicht.

Informationen:

Anreise: Hin- und Rückflug mit Alitalia oder Air France von München nach Genua für etwa 200 Euro; www.alitalia.com; www.airfrance.com

Unterkunft: Bed & Breakfast Terraemusica in Scogna, Tel.: 0039/340/7867808; www.terraemusica.blogspot.de; Cuccaro Club Hotel in Rocchetta di Vara, pro Person ab 44 Euro, www.cuccaroclub.it

Wandertouren: Guter Ausgangspunkt für Tagestouren am Ligurischen Höhenweg ist Varese Ligure. Gute, mehrsprachige Website zum Wanderweg: www.altaviadeimontiliguri.it