Hippe kleine Städteschwestern Anschauen: Glockenturm, weltberühmtes Altarbild und Mörderjagd mit Mönchen

Schon vor etwa 70 000 Jahren hat ein Steinzeit-Mensch bei Gent seinen Faustkeil verlegt. Später machten es sich hier dann Kelten und Römer gemütlich, doch so richtig groß wurde Gent erst im Mittelalter. Zu dieser Zeit war die Stadt, was heute überraschend klingen mag, eine Metropole. Nördlich der Alpen war damals nur Paris größer, erst danach kamen London oder Köln.

Kein Wunder also, dass es fast 10 000 kulturhistorisch wertvolle Gebäude in der Stadt gibt. Diese Menge lässt sich während eines verlängerten Wochenendes natürlich nicht bewältigen - wir konzentrieren uns daher auf die Highlights.

Immer dem viertelstündlichen Glockenleuten nach geht es zum Belfried. Der Turm aus dem 14. Jahrhundert kann bestiegen werden. Der Ausblick aus knapp 100 Metern Höhe lohnt sich - allein für die Übersicht. Direkt nebenan liegt die gotische Tuchhalle, an dessen Fassade ein Relief einer bizarren Szene prangt: Ein älterer Mann nuckelt am entblößten Busen einer grimmigen Matrone. Der Hintergrund der Geschichte ist jedoch ernst. Einer römischen Legende zufolge wurde ein Häftling namens Cimon zum Hungertod verurteilt, seine Tochter rettete ihn durch Fütterung.

Ein Besuch in der St.-Bavo-Kathedrale ist Pflicht. 22 Altäre aus Marmor und Eiche hat das sakrale Bauwerk zu bieten. Die meisten wollen vor allem den von Jan van Eyck aus dem Jahre 1432 sehen. Das Altarbild rund um die Anbetung des Lamm Gottes ist eines der wichtigsten Kunstwerke Gents - und hat eine überaus abenteuerliche Geschichte hinter sich. Kinogängern dürfte es aus dem Clooney-Film "The Monuments Men" bestens bekannt sein.

In der Abtei St. Peter führt Mönch Alison virtuell durch eine mittelalterliche Kriminalgeschichte. So lassen sich auch Kinder für die Geschichte des Klosters aus dem siebten Jahrhundert begeistern.

Selfie-Hotspot und Mittelalter-Hafen

Historie und morbiden Charme vereint die Burg Gravensteen, in deren Keller einst ein Gefängnis samt Folterkammer untergebracht war. Ein Museum gibt heute Einblick in diesen finsteren Teil der Stadtgeschichte.

Wer sich gern vor Sehenswürdigkeiten fotografiert, tut dies in Gent am effizientesten von der St.-Michael-Brücke aus. Der Selfie-Hotspot bringt besonders viele Gebäude der Altstadt mit aufs Bild. Graslei und Korenlei sind das alte Zentrum der Stadt. An der Gracht des mittelalterlichen Hafens reiht sich ein historisches Giebelhaus ans andere.

Von alter Geschichte zu moderner Kunst

Der Kurzabriss durch Gents bewegte Geschichte ging jetzt ein bisschen schnell? Im Stadsmuseum Gent, dem Stadtmuseum, wird das alles noch einmal wunderbar zusammengefasst. Das Museum ist in einer alten Abtei untergebracht, die um einen Neubau erweitert wurde. Die Ausstellungsstücke werden durch interaktive Multimedia-Installationen ergänzt. Wiederum macht sich die Stadt hier große Mühe für ihre Gäste - und bereitet Geschichte spannend auf.

Von alter Geschichte zu moderner Kunst: Das geht ganz schnell in Gent. Im Stedelijk Museum voor Actuele Kunst, also im Städtischen Museum für aktuelle Kunst (SMAK), werden nationale und internationale Künstler präsentiert. Die ständige Ausstellung wird dabei durch ein immer wieder neues Programm ergänzt. Auf dem Dach des Gebäudes im Citadelpark findet sich das Werk "De man die de wolken meet" (Der Mann, der die Wolken vermisst) von Jan Fabre.

Designmuseum und Blumenmarkt

Sehenswert ist außerdem das Designmuseum. In dem offenen, modernen Gebäude finden sich Designobjekte verschiedenster Stilrichtungen. Neben belgischen Designern sind auch ausländische Künstler vertreten. Kleiner Tipp: Selten hat sich ein Gang zur Toilette so gelohnt wie in diesem Museum.

Ein ganz anderes Konzept verfolgt das Huis van Alijn: Die Räume dieses besonderen Museums sind mit Gegenständen des Privatlebens eingerichtet - und geben so Einblicke in das Leben ganz normaler Genter quer durch das 20. Jahrhundert. Auch der Laden und das Café, die zum Museum gehören, sind sehr nett gestaltet.

Die Blumenstadt wird auf dem Kouter ganz besonders ihrem Ruf gerecht. Immer sonntags findet dieser Markt statt. Ein Bummel durchs Blumenmeer, zur Stärkung gibt es dann frische Austern. Freitags, samstags und sonntags findet außerdem am Morgen auf dem Bij-Sint-Jacobs-Platz ein Trödelmarkt statt.