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Herbst an der Adria:Da Vinci und der Teutonengrill

Die Küste rund um Rimini ist reich gesegnet mit Historie, Monumenten und einer raffinierten Hafenanlage, die sich Leonardo da Vinci vor knapp 500 Jahren ausgedacht hat.

Vereinzelt ziehen noch Straßenverkäufer durch Rimini, die allerletzten Sonnenanbeter nutzen den meist leeren Strand und Senioren genießen die angenehme Wärme der schrägstehenden Sonne - die adriatische Küste ist schön im Herbst.

Die Massen sind verschwunden und man entdeckt Kunstwerke, an denen man sonst achtlos vorbeigeht. Denn Rimini blickt auf eine über 2200 Jahre alte Geschichte zurück.

Will man die historische Innenstadt mit ihren modernen Geschäften besuchen, muß man durch den monumentalen Augustusbogen aus der Römerzeit (27 v. Chr.) und ist wenige Minuten später an dem Platz an dem Julius Caesar die berühmten Worte sprach "Alea jacta est" - Der Würfel ist gefallen. Für ihn war das (49 v. Chr.) die historische Entscheidung den Rubicon und damit seinen Amtsbereich zu überschreiten und einen Bürgerkrieg zu entfesseln. Ein Gedenkstein erinnert heute daran.

Nicht der einzige, der an historische Daten oder berühmte Einwohner der Stadt erinnert. Dazu gehörte auch der Filmemacher Federico Fellini, den es allerdings nur in der Jugend in Rimini hielt, später zog er nach Rom. Nach seinem Tod 1993 wurde das Geburtshaus des Regisseurs zu einem Museum umgebaut.

Eines der bedeutendsten Monumente Riminis liegt nur wenige Kilometer nördlich ausgerechnet da, wo man es am wenigsten erwartet: Am als Teutonengrill bekannten Strand von Cesenatico.

Hier, direkt neben dem Strand, gehen viele Touristen unwissend an einem Bauwerk Leonardo da Vincis vorbei. Der vom Meer rund 2 km in den Ort reichende Hafen ist eine Originalkonstruktion des Künstlers aus dem Jahre 1502.

Da Vinci stand damals in den Diensten von Cesare Borgia, dem Herzog von Valentino. In dessen Auftrag sollte er den damals schon strategisch wichtigsten Hafen "Porto Ciesenaticho" "besichtigen, vermessen und gut abschätzen".

Das größte Problem dabei war die Sandablagerung im Hafen. Der Baumeister erdachte eine neue Anordnung der Palisaden und ordnete das Ausheben weiterer Becken an. Durch die Verbindung mit den zahlreichen Wasserläufen, in die das Meerwasser bei Flut und Sturm ablaufen konnte und dann durch Spundwände blockiert wurde, wurden die Ablagerungen bei Ebbe weggespült - so blieb die Hafeneinfahrt frei von Sandbänken. Dieses System wurde mehrere Jahrhunderte lang angewandt: Cesenatico war einer der sichersten Zufluchtsorte bei Sturm.

In seinem unter Kodex L bekannten Reisebuch zeichnete er einen mit genauen Massen versehenen Plan des Hafenkanals. Heute noch ist der Kanal - zwar restauriert - aber originalgetreu mit seinen Schleusen und Krümmungen vorhanden.

Im ältesten und charakteristischsten Abschnitt des Kanals befindet sich das einzige schwimmende Marinemuseum Italiens. Hier im Wasser des zum Museum gehörenden Hafenabschnitts liegen zehn historische Boote aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Die alten Barken wurden originalgetreu restauriert und mit den bunten Segeln versehen, die die Schiffe vor ihrer Motorisierung antrieben.

Cervias Stadtkern ist ein Viereck

Kultur und Meer finden auch in Cervia - nördlich von Cesenatico gelegen - eine interessante Verbindung. Bereits seit der Antike lebte die Stadt von der Salzförderung aus dem Meer. Heute noch erstrecken sich die Salinen über eine Fläche von 827 Hektar und sind einen Besuch wert.

Der Stadtkern von Cervia wurde in seltener viereckiger Form geplant. Die Wohnungen der Salzarbeiter lagen an der Stadtmauer, während die Wohlhabenden im Zentrum wohnten.

Cervia sollte man mit dem Fahrrad erobern. Entlang an Kanälen, durch grüne Pinienhaine, lohnt sich ein Ausflug in den Edelbadeort Milano Marittima, mit vielen Nachtclubs und gehobenem Niveau.

Ferrara aus dem Fahrradsattel

Wem das Radeln durch Cervia schon Spaß gemacht hat, der sollte auch Ferrara aus dem Fahrradsattel erkunden: Die ganze Stadt ist mit Fahrradwegen durchzogen.

Entlang der Stadtmauer gelangt man schnell zu den Wahrzeichen der durch das Mittelalter und die Renaissance geprägten Stadt: Den Estense-Palast und die gotische Kathedrale San Giorgio.

Aber auch Kunstfreunde kommen in Ferrara auf ihre Kosten: Im Palazzo die Diamanti, dem Diamanatenpalast, gastieren regelmäßig internationale Ausstellungen. Noch bis 7. Januar 2007 sind dort Werke des Künstlers André Derain zu sehen.

© sueddeutsche.de
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