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Hepatitis A:Kochen schützt nicht vor Gelbsucht

"Hauptsache, nicht roh!", lautete ein gängiger Rat vor dem Verzehr von Meeresfrüchten aus dem Mittelmeer-Raum. Eine italienische Studie hat dies widerlegt und gleichzeit herausgefunden, wie man Muscheln trotzdem essen kann.

Kurze Erwärmung kann dem Gelbsucht-Erreger nur wenig anhaben. Einer aktuellen Studie des Gesundheitsinstituts in Rom zufolge, lässt sich das Hepatitis-A-Virus, mit dem mindestens 20 Prozent der Meeresfrucht-Bestände im Mittelmeer verseucht sind, durch Kochen nicht vollständig zerstören.

"Die italienische Untersuchung belegt, dass die Viren auch nach einem Kochvorgang von bis zu 9 Minuten noch nachweisbar sind", berichtete der Leiter der reisemedizinischen Ambulanz am Tropeninstitut in Berlin, Christian Schönfeld, der die Studie in Deutschland vorstellte. "Gleiches gilt für eine andere Art der Zubereitung, bei der die Muscheln bei 250 Grad Celsius für fünf Minuten im Backofen gegrillt wurden." Damit bleibt das Risiko sowohl bei den Klassikern der mediterranen Küche "Muscheln in Weißwein- oder Tomatensoße" oder "Gratinierte Muscheln" mit Panade aus dem Ofen bestehen.

Nur wenn das Muschelfleisch längere Zeit mit mehr als 85 Grad Celsius erhitzt werde, würden die Viren unschädlich gemacht. Bei den genannten Zubereitungsarten würden aber nur etwa 70 Grad im Innern erreicht, ergänzte Tropenarzt Sean Monks. Nur bei der dritten untersuchten Zubereitungsart "Spagetti Vongole", bei der verschiedene Muschelarten direkt in der Pastasoße für längere Zeit mitgekocht wurden, waren in ihrem Fleisch keine Virusbestandteile mehr nachweisbar.

Um komplett auf der sicheren Seite zu sein, empfehlen die italienischen Mediziner Muschelliebhabern, sich vor Reiseantritt impfen zu lassen.

Fieber, Übelkeit und Abgeschlagenheit

Typisch für eine Infektion mit Hepatitis A, der so genannten Reisegelbsucht, sind neben Fieber, Übelkeit, allgemeiner Abgeschlagenheit und Oberbauchbeschwerden, die Gelbfärbung von Haut und Augen. Die Gelbsucht tritt allerdings nur bei zwei Dritteln der infizierten Personen überhaupt in Erscheinung. Die Symptome klingen in der Regel innerhalb einiger Wochen wieder ab.

In schweren Fällen kann eine Erkrankung aber zu einem längeren Krankenhausaufenthalt oder sogar insbesondere bei älteren Menschen oder bei Vorschädigung der Leber zum Tode führen. Gegen eine Infektion mit Hepatitis A-Viren gibt es keine spezifische Therapie.

Reisemediziner Schönfeld riet: "Wer in den Sommerferien nach Süd- oder Osteuropa reist und zudem gerne Meeresfrüchte oder Muscheln verzehrt, sollte sich unbedingt durch eine rechtzeitige Impfung zu Reisebeginn vor einer Infektion durch Hepatitis schützen." Das gelte umso mehr, da neue Studien zeigten, dass Muscheln und Meeresfrüchte aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika nach wie vor zu mindestens 20 Prozent mit Hepatitis -A-Viren verseucht sind. "Und dabei wurden nur Proben aus den sauberen Gewässern der Klasse A und B untersucht. Vor allem die so genannten Venusmuscheln waren belastet. Aber auch in den bekannten Miesmuscheln reichert sich das Virus an, und sogar mit Gelbsuchterregern infizierte Austern wurden gefunden."

© sueddeutsche.de/AP
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