Heilige Stätten weltweit:Dem Göttlichen ganz nah

Berge, Vulkane, Flüsse, Ruinen und prächtige Kirchen sind Heiligtümer der Religionsgemeinschaften. Eine Auswahl an heiligen Stätten, die auch Atheisten Ehrfurcht einflößen.

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Geburtskirche in Bethlehem

Quelle: dpa

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Berge, Flüsse, Ruinen und prächtige Kirchen sind Heiligtümer der Religionsgemeinschaften. Eine Auswahl an Heiligen Stätten, die auch Atheisten Ehrfurcht einflößen.

Geburtskirche in Bethlehem

Dieser Ort ist Pilgern seit dem zweiten Jahrhundert heilig. In der Grotte unter der Geburtskirche in Bethlehem soll Maria Jesus zur Welt gebracht haben. Über dieser Stelle im heutigen Westjordanland ließ Konstantin der Große etwa im Jahr 330 die erste Kirche errichten - doch schon dieses Gebäude hatte unter Kämpfen zu leiden. Die Kirche wurde zerstört, Kaiser Justinian ließ das zweite Gotteshaus im sechsten Jahrhundert erbauen. Dieses besuchen nun etwa zwei Millionen Menschen im Jahr.

Gleich drei Konfessionen teilen sich den Bau: die katholische, die griechisch-orthodoxe und die armenisch-orthodoxe Kirche. 2002 hatten sich palästinensische Kämpfer 39 Tage lang in der Geburtskirche verschanzt. Die Spuren am Gotteshaus sind noch sichtbar - und auch das Dach war marode. Die Unesco setzte die Geburtskirche auf die Rote Liste des gefährdeten Welterbes. Es drohte der Einsturz des Gebäudes und der Verlust unschätzbarer Kunstwerke und einzigartiger Mosaiken.

Jetzt endlich haben die Arbeiten für die Instandsetzung begonnen - die drei Konfessionen hatten sich nicht einigen können, sodass die palästinensische Autonomiebehörde nun die Renovierung organisiert.

Popocatepetl Mexiko

Quelle: AFP

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Vulkan Popocatépetl in Mexiko

Dieser heilige Berg macht seinem Namen Ehre: Die Azteken nannten ihn "stark rauchender Berg" - und er ist nicht allein. Gemeinsam mit seinem Zwillingsvulkan Iztaccíhuatl soll er ein Sitz von Göttern sein - und zugleich Liebende, die zu Bergen wurden. Der Legende nach liebte ein Krieger die Prinzessin Iztaccíhuatl. Diese glaubte, er sei im Krieg gefallen und nahm sich das Leben. Seitdem wacht Popocatépetl mit einer Flamme an der Seite seiner Geliebten. Die Glut seines Herzens entzündet sich auf 5462 Metern, er ist der zweithöchste Berg Mexikos. An seinem Fuß stehen 14 Missionsklöster aus dem 16. Jahrhundert, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Noch heute gilt der Vulkan als heiliger Berg.

Ebenfalls in Mexiko liegt das nächste Heiligtum - allerdings ist es von Menschen erbaut.

Mexikos Sonnenpyramide

Quelle: dpa/dpaweb

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Sonnenpyramide in Teotihuacán, Mexiko

Hier stand die Wiege des Kosmos, glaubten die Azteken. 500 Jahre nach Christus war Teotihuacán die größte Stadt der Welt, doch zweihundert Jahre später war sie plötzlich menschenleer. Auf Nahuatl (aztekisch) bedeutet Teotihuacán "Wo Menschen zu Göttern werden" oder "Stadt der Götter". Der Legende nach versammelten sich in der Stadt einst die Götter, um über die Erschaffung der Menschen zu beraten. Auch nach heutigem Wissensstand bleibt die Stadt etwa 50 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt ein Mysterium. Die Azteken fanden die Stadt menschenleer vor und erdachten ihre eigenen Legenden zu der verlassenen Metropole.

Teotihuacán wird von zwei Pyramiden dominiert: der Mond- und der Sonnenpyramide (im Bild). Diese ist mit 63 Metern Höhe und einer fast quadratischen Grundfläche von etwa 225 mal 225 Metern die drittgrößte Pyramide der Welt - zur Glanzzeit war sie dunkelrot bemalt. 1987 wurde Teotihuacán zum Unesco-Weltkulturerbe ernannt.

Mönche beten in Borobudur

Quelle: AFP

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Tempel Borobudur auf Java, Indonesien

Die neun Stockwerke hohe Pyramide ist eine der größten buddhistischen Tempelanlagen in Südostasien, seit 1991 gehört sie zum Unesco-Welterbe. Dabei war sie 800 Jahre lang dem Dschungel überlassen, bevor sie 1814 wiederentdeckt wurde.

Unter vulkanischer Asche und Dschungelpflanzen wurden Flachreliefs freigelegt, die das Leben Buddhas beschreiben. Borobudur steht auf einem Hügel und ragt 123 Meter in den Himmel, mit einer mächtigen glockenförmigen Stupa als Krönung. Die Stockwerke symbolisieren zunächst die Welt der Menschen, ihr folgt eine Übergangswelt, in der die Menschen von ihrer körperlichen Form erlöst werden, um schließlich oben die Welt der Perfektion zu erreichen: den körperlosen Zustand der Erleuchtung.

File picture of crowds filling Saint Peter's Square for the inaugural mass of Pope Francis at the Vatican

Quelle: Reuters

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Petersdom im Vatikan

Die Papstbasilika Sankt Peter in Rom ist dem Apostel Simon Petrus geweiht, dessen Grab an dieser Stelle vermutet wird. Laut Bibel hat Jesus seinem ersten Jünger einst das Versprechen gegeben: "Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen." Auch davon leitet sich der päpstliche Anspruch ab, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zu sein.

Der Dom ist eine der größten Kirchen der Welt, hier finden bis zu 20.000 Menschen Platz. Mit seiner majestätischen Kuppel ist er eines der Wahrzeichen Roms. Der Weg nach oben auf rund 130 Meter Höhe ist anstrengend, aber lohnenswert. Wer nicht die kompletten gut 500 Stufen hinaufsteigen will, kann sich mit einem Aufzug zumindest mehr als 200 Schritte sparen - oben erwarten die Besucher viel Wind und ein atemberaubender Blick über den Vatikan und Rom.

A Tibetan monk stands outside a temple near Mount Kailash in Ngari

Quelle: Reuters

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Berg Kailash im Himalaya, Tibet

Der Kailash (tibetisch Kangrinboqê) teilt nicht das Schicksal des Mount Everest: Der heilige Berg in der Region Ngari im Hochland von Tibet darf nicht erklommen werden. Reinhold Messner verzichtete 1985 trotz Genehmigung auf den Gipfelgang - im Wissen um die Bedeutung des Berges. So führt der Pilgerweg nicht auf die Spitze, sondern mehr als 50 Kilometer weit um den Berg herum. Dabei steigen die Gläubigen bis auf eine Höhe von 5700 Metern. Der Gipfel des Berges (auf etwa 6700 Metern) ähnelt einer schneebedeckten Pyramide. Zudem entspringen in seiner Umgebung vier Flüsse: Im Süden der Karnali (Ganges-Zufluss), im Westen der Satluj, ein Zufluss des Indus, der im Norden des Berges seinen Ursprung hat. Und im Osten hat der Yarlung Tsangpo seine Quelle, der in Indien und Bangladesch unter anderem Brahmaputra und Jamuna genannt wird.

All dies zeichnet den Kailash als Weltenberg aus, den mythischen Berg Meru im Zentrum des Universums - und das in vier Religionen: im tibetischen Buddhismus, Hinduismus, Jainismus (indische Religion) und Bön (tibetische Religion, die vom 8. Jahrhundert an vom Buddhismus zurückgedrängt und beeinflusst wurde).

Im Bild: Ein tibetischer Mönch vor einem Tempel nahe dem Berg Kailash in Ngari

Kaaba in Mekka

Quelle: AFP

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Mekka mit der Kaaba, Saudi Arabien

Der Koran sagt: "Rufe die Menschen auf zur Wallfahrt, dass sie kommen zu Fuß und auf dem schlanken Kamel." Und sie kommen. Allerdings nicht zu Fuß und schon gar nicht auf dem Kamel. Sondern mit Flugzeug, Fähre, Bus. Jeder Muslim, egal woher er stammt, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. Höhepunkt dieser Pilgerfahrt, der Haddsch, ist das Umrunden der Kaaba in der Heiligen Moschee von Mekka. Eines der Vorgängergebäude, das heute in einen schwarzen Vorhang mit goldenen Koranversen gehüllt ist, soll von Abraham im Auftrag Gottes errichtet worden sein.

Uluru in Australien

Quelle: AFP

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Uluru in Australien

Dem Aborigines-Stamm Anangu gilt der Berg im Northern Territory als heiliger Ort, er spielt eine wichtige Rolle in der Traumzeit. Doch dann kamen 1873 die Europäer, nannten den Berg Ayers Rock und kletterten gar auf seinen Rücken. Inzwischen trägt der Berg wieder seinen alten Namen. Die Anangu erlauben zwar den nicht ungefährlichen Aufstieg auf den Uluru - sehen es aber nicht gerne. An einigen heiligen Stätten rings um den Fels darf man nicht fotografieren oder filmen: Die abgebildeten Geschichten dürfen nur dort gesehen werden.

A boatman rows a boat on the waters of the river Ganges past holy 'ghats' (banks) in the northern Indian city of Varanasi

Quelle: Reuters

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Varanasi am heiligen Fluss Ganges, Indien

Varanasi im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh ist nicht nur eine der ältesten Städte Indiens, sie gilt den Hindus auch als heiligste Stadt, denn sie ist dem Gott Shiva gewidmet. An den Ufern führen Stufen, die Ghats, zum Fluss: Hier steigen die Gläubigen in das wahrlich nicht saubere Wasser, um sich spirituell zu reinigen. Neben dem Bad im Ganges ist ein weiteres Ziel der Hindus, möglichst in Varanasi zu sterben und dort verbrannt zu werden, damit ihre Asche in den Fluss gestreut wird. So könne der Kreislauf der Wiedergeburten durchbrochen werden: Der Geist wird sogleich erlöst.

Großer Buddha in Leshan UNESCO-Welterbe

Quelle: dpa

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Großer Buddha von Leshan, Sichuan in China

Er hat die Füße nicht im, aber direkt am Fluss: Die weltgrößte Buddha-Statue wurde im achten Jahrhundert an einer Stelle aus einem Felsen gehauen, an der sich drei Flüsse vereinen. "Im achten Jahrhundert" ist in diesem Fall wortwörtlich zu verstehen, der Buddha war erst nach 90 Jahren vollendet. Der Blick des 71-Meter-Kolosses ruht gelassen auf dem heiligen Berg Emei Shan. 1996 wurden sowohl Berg als auch Buddha zum Unesco-Welterbe.

Felsendom in Jerusalem

Quelle: DPA

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Jerusalem

Felsendom auf dem Tempelberg

An dieser Stelle wollte Abraham seinen Sohn Isaak opfern, sagen Christen. An dieser Stelle ist Mohammed zum Himmel aufgefahren, meinen Muslime. Auf dem Tempelberg in der Altstadt von Jerusalem steht der älteste Sakralbau und eines der wichtigsten Heiligtümer des Islams. Dabei ist der Felsendom eigentlich keine Moschee, sondern ein Schrein.

Nahe dem Felsendom (mit goldener Kuppel) befindet sich die Al-Aqsa-Moschee (mit dunkler Kuppel), die wohl zur selben Zeit im siebten Jahrhundert nach Christus entstanden ist. Ein Ort des Friedens ist der Tempelberg nicht: Anhänger der Weltreligionen Islam, Juden- und Christentum kämpften um die Vorherrschaft über die heilige Stätte.

Klagemauer auf dem Tempelberg

Juden nennen die religiöse Stätte nicht "Klage-", sondern "westliche Mauer" des zweiten Tempels von Jerusalem - der erste Tempel erhob sich einst an der Stelle, an der heute der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee stehen. An der Mauer beten jeden Tag Tausende Juden aus aller Welt, auch indem sie Zettel mit Gebeten in die Mauerritzen stecken.

© Süddeutsche.de/kaeb/buhl
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