Hamburg:Orte der kolonialen Geschichte

Lesezeit: 1 min

Drei Sehenswürdigkeiten, an denen die koloniale Vergangenheit der Metropole besonders deutlich wird.

Von Andrea Tapper, Hamburg

Der Menschen-Zoo

Hamburg: Eine historische "Völkerschau" im Tierpark Hagenbeck.

Eine historische "Völkerschau" im Tierpark Hagenbeck.

(Foto: imago/Arkivi)

Fast zwei Millionen Besucher strömen jährlich in den Tierpark Hagenbeck. Die exotischen Dschungelnächte waren vor Corona ein besonderer Publikumsmagnet. Nur wenige dürften wissen, dass der seit 125 Jahren existierende Zoo in Familienbesitz, der mit einer Seehundeshow im Hafen startete und später das "Freigehege" am Standort Stellingen erfand, ab 1875 auch "Völkerschauen" organisierte. Viele gingen auf Tour in Europa. Besonders die Inuit und Sioux lockten Millionen an. Manche Schausteller, etwa aus Togo, waren selbst organisiert, mischten sich abends im Gehrock zum Missfallen der Lokalpresse unter die feine Gesellschaft. Eine Ausstellung zur kritischen Aufarbeitung lehnte Hagenbeck bisher ab.

hagenbeck.de, Öffnungszeiten 9 bis 18 Uhr

Bismarcks Kopfstand

Hamburg: Bismarck-Statue in Hamburg.

Bismarck-Statue in Hamburg.

(Foto: imago images/Zoonar)

Die größte der rund 600 Bismarck-Statuen in Deutschland steht über den Landungsbrücken: 34 Meter hoch ist das Monument. Mit dem Entfernen von Protest-Graffiti kommt die Stadt inzwischen kaum noch nach. Eine neun Millionen teure Restaurierung des Denkmals des ersten deutschen Reichskanzlers, der auf Drängen hanseatischer Geschäftsleute deutsche Kolonien schuf, führte zu hitzigen Diskussionen. Hamburgs renommierter Kolonialforscher Jürgen Zimmerer ist nicht für die Beseitigung "kolonialer Erinnerungsorte": "Man sollte sie auf den Kopf stellen oder hinlegen und Stipendien an Leute aus den ehemaligen Kolonien vergeben. Das schafft größere Aha-Effekte."

Bismarck-Denkmal, Seewartenstr. 4 im Alten Elbpark

Alles muss raus

Hamburg: Gedenkköpfe eines Königs aus einer unbekannten Werkstatt der Bronzegießergilde Igun Eronmwon (Königreich Benin, Nigeria, 19. Jahrhundert).

Gedenkköpfe eines Königs aus einer unbekannten Werkstatt der Bronzegießergilde Igun Eronmwon (Königreich Benin, Nigeria, 19. Jahrhundert).

(Foto: Daniel Reinhardt/picture alliance/dpa)

Frühzeitig hat das Hamburger Völkerkundemuseum die Zeichen der Zeit erkannt und sich 2018 den etwas sperrigen Namen "Museum am Rothenbaum - Kulturen und Künste der Welt" (MARKK) zugelegt. Direktorin Barbara Plankensteiner macht sich für Restitution, die Rückgabe kolonialer Beutekunst, stark - nicht nur in Hamburg: "Wir gehen momentan von 5000 Objekten in 120 deutschen Museen aus." Aktuell zeigt das MARKK alle in seinem Besitz befindlichen Benin-Bronzen (Foto) in einer Sonderausstellung. Die Eigentumsübertragung ans Ursprungsland, das heutige Nigeria, soll noch 2022 beginnen. Manche afrikanische Länder wollen für ihre geraubte Geschichte überhaupt erst Museen bauen.

markk-Hamburg.de, Di bis So 10 bis 18 Uhr, Do bis 21 Uhr

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