Hallstatt in Österreich Am Ortseingang können Touristinnen jetzt "Dirndl to go" mieten - fürs Foto am See

In den Sommermonaten herrscht tagsüber auf dem Hallstätter Marktplatz mittlerweile ein Gedränge, das an die Getreidegasse in Salzburg während der Weihnachtszeit erinnert. Die Busparkplätze reichen oft nicht aus. Und es kann eben passieren, dass beim gemütlichen Kaffeeplausch im Garten plötzlich eine Drohne über dem Tisch auftaucht und in der Luft verharrt.

Die Bürgerliste Hallstatt, seit 2015 im Gemeinderat vertreten, will deshalb nun den Blitzbesuch-Tourismus eindämmen. Bis zu 7000 Besucher kämen im Sommer pro Tag, schätzt die Vorsitzende der Bürgerliste, Siegrid Brader. "Es geht so einfach nicht." Man müsse versuchen, den Gästen, "die Interesse an unserem Ort und unserer Kultur haben und daher auch länger verweilen, den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen". Die Ideen der Bürgerliste: Busse sollen pro Tag nicht wie bislang 30 Euro fürs Parken bezahlen, sondern 100 Euro. Oder man könnte für Busse, die nur einen kurzen Stopp in Hallstatt einlegen, bis zu 300 Euro fordern, je länger die Verweildauer, desto geringer dann die Gebühr.

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Bürgermeister Alexander Scheutz hält von solchen Maßnahmen wenig. Weder die Einführung einer Obergrenze bei Tagesgästen noch eine Erhöhung der Parkgebühren hält er für zielführend. Er will den Ansturm lieber auf gut österreichisch bewältigen: charmant. Wenn die Parkplätze belegt sind, lässt die Gemeinde die Busse einfach nach Obertraun umleiten. Zudem gibt es eine Vielzahl kleiner Maßnahmen, etwa die Drohnen-Schilder oder Tafeln mit Verhaltensregeln. Auf denen steht dann beispielsweise, dass man nur auf Einladung in Gärten gehen und keine Sachen in den See werfen soll. Busse, die erst am frühen Abend nach Hallstatt fahren - eine Idee des Tourismusverbands - sollen dazu beitragen, die Gästemassen besser über den Tag zu verteilen.

Vergraulen will Scheutz die Gäste jedenfalls nicht. Denn der Andrang hat ja auch positive Seiten: Läden, Restaurants und Hotels machen gute Geschäfte mit den Touristen. Das gibt Einheimischen Arbeit. Und die jungen Hallstätter lernten Menschen aus aller Welt kennen, wie der Bürgermeister zu bedenken gibt. Auch wenn manche Geschäftsidee überrascht, etwa der Laden "Dirndl to go" am Ortseingang, bei dem sich Touristinnen für die Dauer des Spaziergangs durch Hallstatt ein Dirndl mieten können. Auch das Geld, das die Gemeinde über die Parkgebühren einnimmt, kommt den Bürgern zugute - zum Beispiel investiert Hallstatt jetzt in eine Arztpraxis im Dorf. "Wir hätten weder einen Laden noch einen Arzt, wenn wir kein Tourismusort wären", betont der Bürgermeister und kramt einen Artikel aus dem Jahr 2001 hervor. Der Titel, heute nicht mehr ganz aktuell: "Das sterbende Dorf".

Info

Anreise: Hallstatt im oberösterreichischen Salzkammergut liegt etwa 75 Minuten Autofahrt von Salzburg entfernt.

Übernachten: Zimmer gibt es z. B. im ältesten Gebäude des Ortes, dem 1311 errichteten Haus Stocker (ab 149 Euro pro Zimmer, www.hotel-hallstatt.com oder im Seehotel Grüner Baum, www.gruenerbaum.cc; weitere Unterkünfte unter www.hallstatt.net

Weitere Auskünfte: zur Geschichte des Ortes im Welterbemuseum (www.museum-hallstatt.at) und bei einem Ausflug zum Salzbergwerk (www.salzwelten.at). Eine ungewöhnliche Kombination von Geschäft und archäologischem Ausgrabungsort findet man im Sportgeschäft Janu, www.dachsteinsport.at.

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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