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Guyana:Irgendwie karibisch

250 Meter sind die Kaieteur-Wasserfälle in Guyana hoch.

Die größte Attraktion in Guyana sind die Kaieteur-Wasserfälle im Regenwald.

(Foto: mauritius images / Robert Harding)

Guyana bietet einen grandiosen Wasserfall und viel unberührte Natur. Allzu viele Touristen haben das noch nicht entdeckt.

Schmuck sehen sie aus, die Musiker und Musikerinnen. Sie tragen schwarze Stoffhosen, dazu lilafarbene langärmlige Hemden und schwarze Krawatten. Und sie spielen virtuos. Guyanische Folksongs. Auf Steeldrums. Im Publikum auf einem Parkplatz vor dem Stadion in Guyanas Hauptstadt Georgetown: ein drahtiger Mann mit Schiebermütze auf dem Kopf, unter der krause weiße Haare hervorlugen. Er wippt im Takt. "Das ist meine Musik. In meiner Jugend konntest du den Steeldrums nicht entkommen."

Der Mann heißt Roy Geddes. Er war früher selbst ein bekannter Musiker. Seine Band, die Silverton es, war in den 60ern und 70ern eine der angesagtesten in Georgetown. Geddes lebt am Rand der Stadt, die alles andere als südamerikanisch wirkt. Georgetown ist nicht schachbrettartig angelegt, wie in den früheren spanischen und portugiesischen Kolonien üblich, hat weder einen richtigen Stadtkern noch prachtvolle Kolonialbauten. Roy Geddes lacht und sagt: "Guyana liegt zwar in Südamerika. Aber wir fühlen uns Karibisch."

Sein Haus ist weiß, mit blauem Dach, das Erdgeschoss ist nach allen Seiten offen. Dieser sogenannte Breezeway ist typisch für die Karibik: Eine frische Brise sorgt für Kühlung, gleichzeitig sitzt man bei Regen geschützt. Sein Haus hat Geddes zu einer Art Museum umgebaut. Überall hängen Bilder von Musikern, Plattencover und Zeitungsausschnitte. Im Breezeway gibt er Unterricht und baut Steeldrums - aus alten Ölfässern. "Durch die Steeldrums bin ich rumgekommen. Ins Ausland, aber auch durch Guyana. Dies ist ein wunderschönes Land mit gastfreundlichen Menschen."

Der Weg ins Landesinnere beginnt in einem schmucklosen Hangar neben Georgetowns Stadtflughafen Ogle. Gepäck geschultert und auf die Waage. Eine Mitarbeiterin notiert das Gesamtgewicht - handschriftlich. Dann geht es an Bord. "Sind alle angeschnallt?", fragt der Pilot über die Schulter. Er steuert eine Beechcraft, eine Propellermaschine mit neun Sitzen. Ohne Copiloten, auch ohne Flugbegleiter.

Aus der Luft wird deutlich, wie weit sich Georgetown ausdehnt, aber auch, wie zersiedelt die Metropolregion ist. Guyana hat 770 000 Einwohner, ein gutes Drittel davon lebt in Georgetown und Umgebung. Die Küste besteht aus braunem Marschland. Die Guyaner mögen sich karibisch fühlen, aber türkisfarbenes Wasser und weiße Traumstrände hat das Land nicht zu bieten. "Das Wasser ist trüb, weil die Flüsse in Guyana so viel Schlamm mit sich führen", erläutert Wally Prince. Er ist Reiseführer. Nicht irgendeiner, zweimal wurde er zum besten Reiseführer Guyanas gewählt. Nebenbei schreibt er über das Land, das er kennt wie kaum einer sonst. Heute begleitet er eine Reisegruppe zu den Kaieteur-Falls. Die Wasserfälle sind Guyanas größte Touristenattraktion; sie dürfen aber nur in Begleitung eines Guides besucht werden.

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Über den Essequibo River, den größten Fluss Guyanas, geht es landeinwärts. Das Westufer des Flusses ist gerodet. Es wird landwirtschaftlich genutzt, für Reisfelder und Zuckerrohrplantagen. Früher haben hier Sklaven gearbeitet, später Vertragsarbeiter aus Indien. Deren Nachkommen bilden heute die Bevölkerungsmehrheit, vor Afro-Guyanern und "Amerindians", wie man hier zu den Angehörigen indigener Völker sagt. Richtung Süden dehnt sich Regenwald aus: ein grüner, schier endloser Teppich, der 70 Prozent der Landmasse Guyanas bedeckt.

Der Pilot landet auf einem Plateau. Die Piste ist holprig, der Asphalt brüchig. Aus den Spalten quillt Grün. An der Piste steht ein Holzhaus, braun, mit grünem Dach: die Station der Ranger im Nationalpark Kaieteur. Wally Prince führt seine Gruppe zum Wasserfall. Über einen schmalen Pfad, gesäumt von gigantischen Bäumen, deren Stämme von Farnen überwuchert sind. Lianen spannen sich von Baum zu Baum.

Guianan Cock of the rock Rupicola rupicola perched on a branch in the rainforest of Guyana PUBLICA

Im Nationalpark Kaieteur lebt der auffällige Tiefland-Felsenhahn.

(Foto: imago/All Canada Photos)

Die Kronen der Bäume bilden ein Dach, durch das kaum ein Lichtschein fällt. Vögel singen um die Wette, darunter der Guyanan Cock of the Rock, der Tiefland-Felsenhahn. Er ist etwa taubengroß, knallorange, hat einen fächerförmigen Schopf, der über den Schnabel reicht - und kommt nur im Nationalpark Kaieteur vor. Ebenso der Gelbe Raketenfrosch. Er ist giftig, hat die Größe eines Fingernagels und lebt im Regenwasser, das sich in Bromelien ansammelt.

Der Anblick der Wasserfälle ist gigantisch: Aus 250 Meter Höhe schießt das Wasser hinab. Gischt peitscht auf und bildet Nebelschwaden, die aufsteigen und dann im Sonnenlicht zerstäuben. Ein paar Besucher schießen Fotos von glitschigen, überhängenden Felsen. Die Felsen sind ungesichert, ebenso ist es die Wasserkante. Undenkbar etwa in Iguazú, an Südamerikas größten Wasserfällen. Aber dort, im Grenzgebiet von Argentinien und Brasilien, werden pro Tag mehrere Hundert Touristen durchgeschleust. In Kaieteur sind es selten mehr als 300 - im Monat.