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Gufferthütte im Rofangebirge:Gemischtes Publikum

Am ersten Tag: Sicherung kaputt, Strom weg, meterweise Schnee schippen, Sicherung im Hütten-Wasserkraftwerk ausbauen, in der Hütte einbauen, Diesel starten; nicht jedermanns Sache, aber so leicht ließen sich die beiden nicht abschrecken. Eigentlich wollten sie noch eine weitere Hütte anschauen. Aber dann war die Gufferthütte ausgeschrieben, und die Meyers sahen den Charme des Hauses und den Reiz der oberen Mitte, bewarben sich um die Pacht und bekamen den Zuschlag.

Reiseknigge für die Berghütte

Über allen Gipfeln ist Ruh, zum Kuckuck

Im ersten Jahr hatte Petra Meyer noch ihren Job im Tal, auch als Netz, falls sich das Hüttending doch nicht bewähren sollte. Inzwischen sind beide hauptamtlich Hüttenwirte. Im Winter, wenn die Hütte geschlossen ist, bieten sie Schneeschuh-Wanderungen und Iglu-Übernachtungen im Rofan an und gehen viel auf Skitour. Im Sommer bleibt für Klettern, Wandern oder Mountainbiken wenig Zeit, aber sie haben gelernt, die Berge einfach so zu genießen. "Man hat auf der Hütte auch Stress, aber es ist ein anderer als im Tal", sagt Thomas Meyer. "Die Nöte sind hausgemachter und das Feedback ist spontaner." Keine Kunden, die sich über Dinge beschweren, für die man nichts kann; sondern müde Gäste, die glücklich vor ihrem Essen sitzen.

Gufferthütte - Hüttenwirte Petra und Thomas Meyer

Im ersten Jahr der Pacht hatte Petra Meyer ihren Job als Computerlinguistin zur Sicherheit behalten. Heute sind sie und ihr Mann Peter hauptamtlich Hüttenwirte der Gufferthütte.

(Foto: Petra und Thomas Meyer)

An diesem Tag ist das ein klassisches, gut gemischtes Guffert-Publikum. Außer dem durch den Schnee geschleppten Kleinkind ist ein lustiger Niederländer da, der mit einem Münchner Freund wandert; eine junge Gruppe in Feierlaune, ein Kindergeburtstag mit Eltern und sieben Mädchen, die offenbar Gezeitenkräften folgend die alten Holztreppen hoch- und runtersausen und das Lager auseinandernehmen. Oben im zweiten Stock ruht ein großer Plüschhund in einem Spielzelt, daneben eimerweise Bauklötze.

Es sind öfter Kinder da, die Hütte ist familienfreundlich. Man macht beim Bergferien-Familienkonzept des Alpenvereins mit, die Hänge ringsum mit Pferden und Kühen bieten im Sommer ein gutes Unterhaltungsprogramm. Die Sausemädchen sind trotz Schnees zufrieden. "Das ist ja ein Sechs-Sterne-Hüttenhotel", sagt eine beeindruckt beim tatsächlich sehr guten Essen. "Und erst die Lage!", sagt eine andere.

Karte Rofangebirge

Im Rofangebirge zwischen Achensee und Inntal liegt die Gufferthütte auf 1475 Metern Höhe.

(Foto: SZ Infografik)

Anreise: Mit dem Auto von München nach Achenkrich, dann zum Parkplatz Köglboden an der Straße nach Steinberg. Mit der Bahn von München nach Tegernsee, weiter mit dem Bus über Achenkirch Richtung Steinberg, Abzweigung Gufferthütte. Aufstieg entlang dem Fahrweg (ca. 2h). Längere Aufstiege ab Achenwald, Wildbad Kreuth oder Kaiserhaus (ca. 4h).

Unterkunft: Gufferthütte, Übernachtung für DAV-Mitglieder im Lager 8 Euro, Stockbetten-Lager 10 Euro, Doppelzimmer 15 Euro. Für Nichtmitglieder 16-25 Euro. Mit Halbpension 24,50 Euro zusätzlich.

Aktivitäten: Sportklettern am Abendstein, ca. 50 Minuten Gehzeit, Alpinklettern am Guffert. Diverse Mountainbike-Strecken, wandern z.B. auf die Halserspitze.

Weitere Informationen: http://www.gufferthuette.at

Beim Abstieg am nächsten Tag scheint die Sonne, der schmelzende Schnee zeigt sich abwärts deutlich kompromissbereiter. Im Tal hängen noch die Wolken, der Kuckuck ruft, der Filzmoosbach braust. "Eine Wanderung durch Jahrmillionen Erdgeschichte" verspricht der "Geo-Pfad" entlang des Weges, auf den Schildern ist vom oberen Hauptdolomit und von den im Bachbett "schön aufgeschlossenen" grau-grünen Schrambach-Schichten die Rede, von der afrikanischen Kontinentalplatte und einem kippenden Südschenkel, was recht bedrohlich klingt. Dann doch lieber dem Bach beim Brausen zuhören und später auf den aufragenden Guffert schauen. Obere Mitte? Aber locker.