EU-Austritt Großbritannien-Urlaub trotz Brexit? Was Reisende jetzt wissen müssen

Schöne Grüße aus London: Die britische Hauptstadt ist ein beliebtes Ziel für Städtereisen.

(Foto: Bloomberg)

Harter Brexit? Weicher Brexit? Das hat auch Auswirkungen für Urlauber. Worauf Sie bei der Reiseplanung achten sollten.

Von Eva Dignös

In den Osterferien ein Städtetrip nach London. Im Sommer mit dem Mietwagen durch Schottland. Und die Kinder würden so gern eine Sprachreise nach Cornwall machen. Es gibt viele Gründe für eine Reise nach Großbritannien. Doch am 29. März ist der Stichtag für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union (EU), ohne dass bisher geklärt wäre, wie künftig die Beziehungen zur EU aussehen. Gibt es doch noch ein Austrittsabkommen und damit eine Übergangsfrist bis Ende 2020, in der alles weitgehend so bleibt wie gewohnt? Oder kommt es zu einem ungeregelten Brexit? Das bringt auch Unsicherheiten für die Planung und Organisation einer Reise mit sich. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Kann ich derzeit überhaupt Reisen nach Großbritannien buchen?

Auch wenn der Eindruck entstehen mag, dass sich die britische Insel immer weiter vom übrigen Europa isoliert, sind England, Schottland, Wales oder Nordirland natürlich nicht von der Außenwelt abgeschnitten. Flüge und Pauschalreisen lassen sich wie gewohnt buchen. Wird das Austrittsabkommen trotz aller Widerstände doch noch angenommen, reisen Urlauber bis Ende 2020 so, als habe es keinen Brexit gegeben. So lange würde nämlich die Übergangsfrist mindestens dauern, in der die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU neu geregelt werden. Ein harter Brexit ohne Abkommen mit der EU könnte allerdings tatsächlich spürbare Folgen auch für Urlauber haben.

Welche Dokumente brauche ich künftig, um nach Großbritannien einzureisen?

Bisher genügte deutschen Staatsbürgern für die Einreise nach Großbritannien der Personalausweis. Bei einem Brexit mit Austrittsabkommen würde sich daran nichts ändern: Zumindest für die vereinbarte Übergangszeit blieben die Einreisemodalitäten so wie vor dem Brexit. Auch für einen harten "No-deal"-Brexit hat die britische Regierung laut Auswärtigem Amt zugesichert, bis zum 31. Dezember 2020 EU-Personalausweise als ausreichend anzuerkennen. Großbritannien und die EU haben in den vergangenen Wochen außerdem deutlich gemacht, dass sie bei Aufenthalten von bis zu 90 Tagen auf Visa verzichten würden.

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"Wahrscheinlich ist, dass es ähnliche Regelungen geben wird wie mit Norwegen oder der Schweiz", sagt Ellen Madeker vom Deutschen Reiseverband (DRV), dem Branchenverband der deutschen Reisewirtschaft. Beide Länder gehören nicht der EU an, trotzdem können EU-Bürger mit dem Personalausweis einreisen und ohne Visum maximal drei Monate bleiben.

Auf Kontrollen an den Grenzen mussten sich Großbritannien-Urlauber immer schon einstellen. Das Land ist kein Mitgliedsstaat des Schengener Abkommens, die Personenkontrollen an den Grenzen wurden deshalb auch nie abgeschafft.

Darf der Hund noch mit auf die britischen Inseln?

Der Urlaub mit Vierbeinern ist derzeit tatsächlich schwer zu planen. Der EU-Heimtierausweis, eine Art Reisepass für Tiere, der unter anderem als Nachweis für eine Tollwut-Impfung gilt, verliert bei einem harten Brexit für Großbritannien-Reisen seine Gültigkeit. Die Einfuhr von Tieren und deren Rückreise in die EU müssten nach Auskunft des Auswärtigen Amts dann neu geregelt werden. Auf welche Weise das geschehen wird, ist noch unklar. Die Britische Regierung empfiehlt, für den Fall der Fälle eine Reise mit Haustier mit einem Vorlauf von mindestens vier Monaten gemeinsam mit dem Tierarzt zu planen.

Welche konkreten Folgen könnte ein harter Brexit auf den Flugverkehr haben?

Das vermag derzeit niemand im Detail vorherzusagen. "Es könnte sein, dass Flüge storniert werden", sagt Isabelle Buscke, Leiterin des Brüsseler Büros des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Derzeit können europäische Airlines in allen Mitgliedsländern Flüge anbieten, die britische Easyjet etwa darf nicht nur von Großbritannien aus fliegen, sondern auch von Düsseldorf nach Berlin. Bei einem ungeregelten Brexit scheidet Großbritannien aus dem gemeinsamen Flugmarkt aus, Start- und Landerechte müssten neu verhandelt werden, auch Sicherheitszertifikate würden ungültig.

Eine Übergangsregelung der EU soll den Status quo in der Luft aufrechterhalten, bestehenden Genehmigungen würden trotz Brexit verlängert. Eine Garantie, dass alle geplanten Flüge auch tatsächlich durchgeführt werden können, sei das aber nicht, sagt Buscke.

Auch der Anspruch auf Entschädigung bei einem stornierten oder stark verspäteten Flug wäre möglicherweise hinfällig. Derzeit werden bis zu 600 Euro gezahlt, sofern der Flug in der EU beginnt oder von einer Airline mit Hauptsitz in der EU durchgeführt wird. Wer nach einem ungeregelten Brexit mit einer britischen Fluggesellschaft in Großbritannien startet, hätte keine Ansprüche mehr - sofern nicht vorher entsprechende nationale Gesetze erlassen werden. Das ist nicht unwahrscheinlich und wird beispielsweise auch in der Schweiz so gehandhabt. Allerdings wird die Zeit allmählich knapp.

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"Reisende sollten deshalb die Risiken der verschiedenen Transportmöglichkeiten abwägen", sagt Isabelle Buscke. Bei einer Anreise mit der Fähre oder mit dem Zug durch den Eurostar-Tunnel unter dem Ärmelkanal rechnet Buscke mit weniger gravierenden Auswirkungen. Längere Wartezeiten an den Grenzkontrollstellen sollten Reisende allerdings einplanen, weil nach einem harten Brexit wieder Zollkontrollen notwendig wären.

Was passiert, wenn ich im Großbritannien-Urlaub krank werde?

Mit ihrer Versichertenkarte werden gesetzlich Versicherte auch im europäischen Ausland behandelt, so auch in Großbritannien in allen Praxen, die dem National Health Service angehören. Das könnte sich nach einem Brexit ändern. Fällt der Versicherungsschutz weg, sollten Urlauber eine private Auslandskrankenversicherung abschließen. Die Verbraucherzentralen empfehlen sie im Übrigen auch jetzt schon für sämtliche Reisen, ganz gleich ob innerhalb oder außerhalb Europas. Privat Versicherte müssen sich ohnehin auf diese Weise absichern.

Kann ich nach einem Brexit mein Handy noch in Großbritannien nutzen?

Nutzen schon - aber möglicherweise zu einem deutlich höheren Preis. Die schönen Zeiten des kostenlosen Roamings wären bei einem harten Brexit vorbei, denn die Abschaffung der Roaming-Gebühren ist nur für EU-Mitglieder bindend. "Der britische Anbieter könnte dann dem deutschen Anbieter wieder alles in Rechnung stellen", sagt Isabelle Buscke vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Auch für das Bezahlen mit der Karte im Hotel oder Restaurant fallen möglicherweise wieder Gebühren an: Sie wurden ebenfalls nur innerhalb der EU abgeschafft.

Macht der Brexit das Reisen in Großbritannien teurer?

Damit ist eher nicht zu rechnen - im Gegenteil: Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 ist der Kurs des Britischen Pfunds gegenüber dem Euro um etwa 13 Prozent gefallen. Dadurch sind vor allem Dienstleistungen und britische Produkte günstig, während für Import-Artikel die Preise angezogen haben.

Und wie viel Whisky darf ich mit nach Hause nehmen?

Für den Shopping-Trip nach London gelten bei einem harten Brexit andere Spielregeln. Zollfrei sind dann nur noch Waren im Wert von 430 Euro. Auch mit den großzügigen Freigrenzen, die innerhalb der EU für die Mitnahme von Alkohol oder Zigaretten gelten, wäre es vorbei: Statt zehn Litern darf bei der Rückkehr aus Nicht-EU-Ländern nur noch ein Liter Whisky im Gepäck sein.

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