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Urlaub nach EU-Austritt:Großbritannien trotz Brexit: Was Reisende wissen müssen

Postkartenständer in London, England, Großbritannien

Schöne Grüße aus London: Die britische Hauptstadt ist ein beliebtes Ziel für Städtereisen.

(Foto: Jason Alden/Bloomberg)

Bye, bye, Britain: Seit 31. Januar ist Großbritannien nicht mehr in der EU. Auf welche Veränderungen müssen sich Urlauber einstellen?

Von Eva Dignös

Nach jahrelangem Hin und Her ist Großbritannien nun tatsächlich aus der Europäischen Union ausgetreten. Welche Auswirkungen hat das auf die Planung und Organisation einer Reise nach Großbritannien? Auf die Mietwagentour durch Schottland, den Städtetrip nach London, den Sprachkurs in Cornwall? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Dokumente sind für die Einreise nach Großbritannien nun erforderlich?

Bis 31. Dezember 2020 reisen Urlauber, als hätte es keinen Brexit gegeben. Mindestens so lange dauert die Übergangsfrist, während der die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU neu geregelt werden. Deshalb reicht für die Einreise vorerst - wie bisher auch schon - der Personalausweis. Das gilt für Staatsbürger aller EU-Länder sowie Reisende aus Liechtenstein, Norwegen, Island und der Schweiz. Wie es nach dem Stichtag weitergeht, ist noch unklar. Auf einer Infoseite der britischen Regierung ist von Veränderungen im Verlauf des Jahres 2021 die Rede. Dann werde der Personalausweis nicht mehr akzeptiert. Der Zeitpunkt werde aber rechtzeitig bekanntgegeben, dass Reisende sich darauf einstellen könnten.

Was ändert sich bei den Grenzkontrollen?

Grenzkontrollen gibt es bereits und wird es weiterhin geben. Das Land ist dem Schengener Abkommen nicht beigetreten, die Personenkontrollen an den Grenzen wurden deshalb auch nie abgeschafft.

Hat der Brexit Auswirkungen auf den Flug- und Bahnverkehr?

Es gibt einiges neu zu regeln im Luftverkehr zwischen Großbritannien und der Europäischen Union, doch Übergangsvereinbarungen stellen sicher, dass der Flugbetrieb weiterläuft wie vor dem Brexit. Für die Passagiere hat die Tatsache, dass Großbritannien aus der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) ausscheidet, deshalb keine konkreten Auswirkungen. Hinter den Kulissen muss allerdings nun innerhalb weniger Monate ein Luftverkehrsabkommen ausgehandelt werden: mit Start- und Landerechten, Sicherheitsfragen und dem Zugang britischer Airlines zum europäischen Markt.

An den Entschädigungen für stornierte oder stark verspätete Flüge ändert sich vorerst ebenfalls nichts. Bis zu 600 Euro werden gezahlt, sofern der Flug in der EU beginnt oder von einer Airline mit Hauptsitz in der EU durchgeführt wird. Bis zum Ende der Übergangsfrist am 31. Dezember 2020 bleibt diese EU-Verordnung in Großbritannien noch in Kraft. ​Auch danach können Passagiere mit einem finanziellen Ausgleich für stundenlange Wartezeiten rechnen. Die EU-Regelungen werden nach Regierungsangaben in britisches Recht übernommen und künftig für alle Flüge angewendet, die im Vereinigten Königreich starten, sowie für sämtliche Flüge zwischen der EU und Großbritannien, sofern die Airline ihren Sitz in der EU hat. Gleiches gilt für Zug-, Fähr- und Buspassagiere: Sie reisen nach dem Brexit wie vor dem Brexit, die bisher geltenden Fahrgastrechte wurden in britisches Recht übertragen.

Wird ein deutscher Führerschein noch anerkannt?

Mit dem Mietwagen oder dem eigenen Auto durch Großbritannien - dafür reicht auch nach dem Brexit der deutsche Führerschein. Ein internationaler Führerschein ist nicht erforderlich. Wer mit dem eigenen Wagen unterwegs ist, sollte auch die "Grüne Versicherungskarte" einpacken. Sie ist der Beweis, dass für das Fahrzeug eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen wurde.

Darf der Hund noch mit?

Die Einreise eines Vierbeiners nach Großbritannien ist nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums auch nach dem Brexit kein Problem: Der EU-Heimtierausweis, eine Art Reisepass für Tiere, der unter anderem als Nachweis für eine Tollwut-Impfung gilt, werde weiterhin anerkannt. Spannend könnte es bei der Heimreise werden: Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Tier aus Großbritannien in die EU eingeführt werden kann, steht noch nicht fest. Die britische Regierung empfiehlt, eine Reise mit Haustier vorsichtshalber mit einem Vorlauf von mindestens vier Monaten gemeinsam mit dem Tierarzt zu planen.

Wird der Urlaub durch den Brexit teurer?

Damit ist eher nicht zu rechnen - im Gegenteil: Seit dem Brexit-Referendum im Juni 2016 ist der Kurs des Britischen Pfunds im Vergleich zum Euro um etwa zehn Prozent gefallen. Und das Zimmer im Bed-and-Breakfast kann auch künftig mittels SEPA-Überweisung bezahlt werden.

Was ist mit der Reisekrankenversicherung?

Mit ihrer Versichertenkarte werden gesetzlich Versicherte im europäischen Ausland behandelt - bis zum Ende der Übergangsfrist am 31. Dezember 2020 nach Angaben des Verbands der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) auch in Großbritannien in allen Praxen des National Health Service. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Auf der sicheren Seite sind Urlauber mit einer privaten Auslandskrankenversicherung. Die Verbraucherzentralen empfehlen sie ohnehin für sämtliche Reisen, ganz gleich ob innerhalb oder außerhalb Europas. Auch privat Versicherte sollten sich auf diese Weise zusätzlich absichern.

Werden Handy-Telefonate teurer?

Surfen und Telefonieren mit dem Smartphone kostet in Großbritannien derzeit genauso viel wie zu Hause in Deutschland, seit die EU die Roaminggebühren abgeschafft hat. Theoretisch könnte es damit nach dem Brexit wieder vorbei sein. Danach sieht es derzeit aber nicht aus - zumindest bis Jahresende. Und auch darüber hinaus könnte es bei den günstigen Tarifen bleiben: Die großen deutschen Mobilfunk-Anbieter verweisen darauf, dass in den Nicht-EU-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein ebenfalls ohne zusätzliche Gebühren telefoniert werden kann.

Wie viel Whisky darf noch als Mitbringsel ins Gepäck?

Hier gilt abermals: Trotz des Brexits am 31. Januar ändert sich bis zum 31. Dezember 2020 nichts. Waren für den persönlichen Gebrauch können uneingeschränkt aus Großbritannien in die EU mitgebracht werden, für Alkohol und Zigaretten gelten großzügige Freigrenzen: Bis zu zehn Liter Whisky und 800 Zigaretten pro Person dürfen im Kofferraum sein. Aus Nicht-EU-Staaten können lediglich 200 Zigaretten und ein Liter Hochprozentiges abgabenfrei eingeführt werden. Ob sich von 2021 an auch Urlauber aus der EU einschränken müssen, wird bei den Verhandlungen über die künftigen Handels- und Zollbeziehungen festgelegt.

© SZ.de/kaeb
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