Herbsturlaub in Griechenland:Das neue Mallorca

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Was für ein Ausblick. Nur, allein für sich hat man ihn nicht. Santorin hatte, ebenso wie Mykonos, in diesem Sommer mehr Besucher als in den Jahren vor der Pandemie.

(Foto: imago images/YAY Images)

Griechenland war in diesem Sommer bei Reisenden beliebter als Spanien. Nun können Gäste den Herbst dort länger genießen als sonst.

Von Richard Fraunberger

Griechenland stirbt nie, lautet ein griechisches Sprichwort. Das kleine, balkanische Land, in tausend Schlachten erprobt, hat schon immer jede Krise irgendwie gemeistert. Staatspleiten, Wirtschaftskrise, Finanzkrise, Staatsschuldenkrise, nun also die Tourismuskrise. Lag Griechenlands Tourismusbranche vergangenes Jahr noch auf dem Boden wie die Trümmer eines antiken Tempels, stürmt sie jetzt dem Himmel entgegen, und das trotz der noch immer anhaltenden Pandemie.

Neben Spanien war Griechenland diesen Sommer das gefragteste Reiseziel Europas. Nach Angaben des Reiseveranstalters Tui hat Kreta Mallorca als beliebtestes Reiseziel der Deutschen für den Sommerurlaub 2021 abgelöst: Zu Beginn der Saison waren die Griechen die ersten, die sich für den Tourismus öffneten, zudem blieben die Infektionszahlen, anders als etwa in Spanien, im Rahmen. Hinzu kam ein schlüssiges Hygienekonzept. Damit dürfte die griechische Reisebranche die coronabedingte Tourismuskrise überwunden haben. Die Ankunft ausländischer Fluggäste ist kräftig angestiegen. Sie liegt dieses Jahr nur 20 Prozent unter dem Rekordjahr 2019. Gut zwölf Milliarden Euro Einnahmen werden 2021 erwartet. Vergangenes Jahr waren es gerade mal 4,3 Milliarden Euro. "Wir brechen einen Rekord nach dem anderen", erklärte Tourismusminister Vassilis Kikilias.

"Dabei begann die Reisesaison katastrophal", sagt Gerassimos Thimotheatos, Präsident der Hotelvereinigung Kefalonias und Ithakas. "Null Touristen im Mai, auch der Juni lief schleppend." Dann aber setzte plötzlich der Boom ein, mit dem niemand gerechnet hatte, und im August war es unmöglich, ein Zimmer auf Kefalonia zu finden. "Vor allem Besucher aus den balkanischen Nachbarländern und aus Großbritannien kurbelten den Tourismus an", erklärt Thimotheatos.

Wer sich impfen ließ, bekam Geld für den Urlaub

Noch besser lief es naturgemäß auf Kreta, den Kykladen und dem Dodekanes, den beliebtesten Destinationen. Mykonos und Santorin verzeichneten sogar mehr Besucher als in den Jahren vor der Pandemie. Auch kleine, eher unbekannte Inseln wie Amorgos oder Donousa wurden überrannt. Vor allem junge Griechen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren kamen und feierten Partys, als gäbe es kein Morgen. Kein Wunder. Wer sich in dieser Altersgruppe impfen ließ, erhielt von der Regierung ein elektronisches Guthaben, das nur für Hotels, Museen, Flug- und Fährtickets innerhalb Griechenlands verwendet werden durfte. Ermattet von den strikten Quarantäneregeln und ausgestattet mit einer staatlichen Prämie von 150 Euro gab es für viele junge Leute kein Halten mehr. "Operation Freiheit" nannte Premierminister Mitsotakis die Covid-Impfkampagne. Sie befeuerte den ohnehin gut laufenden Inlandstourismus. Doch nicht jeder Inselbewohner freute sich über den Ansturm. Manche fanden auch nachts keine Ruhe, so viel Trubel herrschte im August.

Der September verlief ebenfalls gut. Die landesweite Hotelauslastung lag bei 63 Prozent. Auch im Oktober, so heißt es, sei die Nachfrage ungewöhnlich hoch. Reiseveranstalter und Fluggesellschaften haben ihre Griechenlandprogramme verlängert. Der deutsche Ferienflieger Condor fliegt auch im November nach Kreta, denn Kreta ist stark gebucht. Kurz, der Sommer geht in die Verlängerung, und mit ihm die gesamte touristische Infrastruktur. Zumal für Griechenland eigentlich immer eine gute Reisezeit ist. Die Winter in der Ägäis sind feucht und mild, aber nie sehr kalt. Die Sonne scheint fast immer. Rein statistisch ist es auf Kos, Rhodos und in Ost- und Südkreta am schönsten, was die Sonnenscheindauer pro Tag angeht. November und Dezember sind noch angenehm warm. Im Schnitt bis zu 20 Grad. Kühler wird es in der Ägäis erst ab Januar. Von der Sonne verwöhnt sind ebenso der Peloponnes, Athen und Attika. Tagestemperaturen zwischen 15 und 20 Grad sind am Meer in den Wintermonaten normal, ebenso in Athen.

Die Saison wird in diesem Jahr also um einen Monat nach hinten verschoben. Und das nicht nur in den ohnehin stark nachgefragten Destinationen wie Rhodos, Kos und Kreta, sondern auch auf den kleinen Inseln, auf denen normalerweise im Oktober die Bürgersteige hochgeklappt werden und in manchen Dörfern nur noch Katzen wohnen. Von der Verlängerung der Saison profitieren sowohl Gastwirte und Betreiber kleiner Pensionen als auch Individualtouristen. Die einen dürften so die Einbußen des schwachen Starts wettmachen, die anderen müssen nicht die ganze Ortschaft abklappern, um ein geöffnetes Hotel und ein Restaurant zu finden.

Viele Corona-Beschränkungen sind mittlerweile aufgehoben

Nach dem verlorenen Jahr 2020 bedeuten die steigenden Besucherzahlen ein Segen für das Land. Jeder fünfte Arbeitsplatz hängt am Tourismus. Mit anderen Worten, die Griechen freuen sich auf die bevorstehenden Herbstferien im - aus ihrer Sicht hoffentlich - verregneten Norden Europas. Zwar müssen die Besucher geimpft, genesen oder aktuell negativ getestet sein, viele Corona-Beschränkungen aber hat die Regierung aufgehoben und so den Urlaub erleichtert.

Doch man muss nicht nach Kreta oder Rhodos reisen, um im November am Meer Urlaub machen zu können. Ägina, Methana, Poros, Hydra und Spetses tun es ebenso. Die Orte haben das ganze Jahr über so viel einheimische Touristen, sie brauchen keine Reiseveranstalter, und alle Hotels und Tavernen sind winters geöffnet. Das hat den Vorteil, überwiegend unter Griechen zu sein und so den Herzschlag des Landes besser zu spüren.

© SZ/mai
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