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Tourismus am Mittelmeer:So plant Griechenland den Sommer

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Santorin: Bis Ende Juni sollen die Bewohner aller griechischen Inseln durchgeimpft sein.

(Foto: Imago)

Das Land hat früh auf die Einführung eines EU-Impfpasses gedrängt. Touristen sollen sich so sicher wie möglich fühlen können.

Von Richard Fraunberger

Griechenland, Meister der Improvisation, ausgestattet mit einer Vorliebe für das Situative, weil ohnehin immer alles anders kommt, als man denkt, hat mit einem geradezu generalstabsmäßig ausgearbeiteten Plan die Tourismussaison 2021 eröffnet. Tourismusminister Charis Theocharis hatte sich dazu eigens ans Kap Sounion begeben, um die wichtigsten Punkte des Plans vorzustellen. "Wir lassen die dunklen Wolken der Angst und Unsicherheit hinter uns", sagte er vor geladenen Gästen. Ziel ist ein möglichst freier, aber sicherer Aufenthalt in einem der beliebtesten Reiseländer Europas.

Voraussetzung für die Einreise nach Griechenland sind ein ausgefülltes Onlineformular (PLF), ein negativer PCR-Test oder eine Bescheinigung darüber, dass man vollständig geimpft oder genesen ist. Eine Quarantänepflicht gibt es nicht. Entgegen der üblichen Werbekampagnen stellte Theocharis, angesichts der Pandemie, statt Kultur und Natur, Sicherheit in den Vordergrund. Das Sicherheitskonzept erlaube es, auf alle Situationen schnell zu reagieren. Bisherige Schutzmaßnahmen bleiben bestehen. Urlauber müssen bei Einreise mit Stichprobenkontrollen rechnen. Im Falle einer Infizierung werden sie in eigens angemieteten Hotels kostenlos untergebracht.

Die landesweite Impfkampagne läuft derweil längst auf Hochtouren und ist bestens organisiert. Bis Ende Juni sollen die Bewohner aller Inseln durchgeimpft sein. Viele sind es bereits. Als einer der ersten Regierungschefs in der EU setzte der griechische, Kyriakos Mitsotakis, auf die Einführung eines EU-Impfpasses, um so Reisen ohne Einschränkungen zu ermöglichen. Kein Wunder. Mit Ausbruch der Pandemie 2020 brach der Tourismus um 76 Prozent ein. Ein zweites desaströses Jahr können sich Branche und Staat nicht leisten.

Der Tourismus ist die Schwerindustrie Griechenlands. 34,4 Millionen Touristen, 30 Prozent der Wirtschaftsleistung, 26 Prozent der Gesamtbeschäftigung - 2019 war das beste Geschäftsjahr aller Zeiten. Um daran wieder anzuknüpfen, rührte der Tourismusminister in ganz Europa die Werbetrommel. "All you want is Greece" heißt der diesjährige, etwas infantile Slogan der griechischen nationalen Tourismusorganisation. Die Botschaft: Die Menschheit braucht eine Pause, also ab nach Griechenland. Man muss das verstehen. Das Land ist vom Tourismus abhängig wie Deutschland vom Export seiner Güter.

Herrschte noch bis Ostern ein scharfer Lockdown, hat sich das Land jetzt vollständig geöffnet. Letzte Woche ankerte das erste Kreuzfahrtschiff im Hafen von Piräus, an Bord 996 geimpfte Touristen. Über 450 Kreuzfahrtschiffe werden dieses Jahr in Piräus erwartet. Auch der Flugbetrieb nimmt zu. Auf den Flughäfen in Rhodos und Zakynthos wurden die ersten Touristen mit Folkloretänzen und Gesang begrüßt. Auf Kreta feierte man die Ankunft der ersten Kreuzfahrtschiffe. Viel Jubel, viel Freude. Das war nicht immer so. Für viele in der Branche waren die steigenden Touristenzahlen eine vom Himmel gefallene Selbstverständlichkeit. Jetzt also der Neustart.

Bleibt zu hoffen, dass es zu keinen Neuinfektionen kommt und sich jeder Besucher an die noch immer geltenden Sicherheitsmaßnahmen hält. Vielleicht bringt der Neustart sogar die alte, griechische Gastfreundschaft zurück, die unter dem Massenansturm ein bisschen verkümmert ist.

© SZ/mai
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