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Grand Hotel in Rimini:Das Haus der Träume

Seit genau einem Jahrhundert gilt es als Symbol des Sommers, als Refugium für besondere Gäste - für den neuen Besitzer ist es aber noch viel mehr.

"Sind Sie schon einmal in ein Mädchen verliebt gewesen?", fragt Antonio Batani, und fährt fort, ohne eine Antwort abzuwarten: "Viele waren es schon. Aber diese Liebe ist etwas Besonderes. Seit Jahrzehnten mache ich der Signora den Hof."

Rimini

Das Grand Hotel in Rimini

Leider sei seine Angebetete lange unerreichbar gewesen, sinniert der kleine, kräftige Mann im blaugrauen Anzug. Er habe sich die Dame schlicht nicht leisten können. Nun, endlich, hat er sie gekauft. Für 65 Millionen Euro. Er ist entschlossen, ihr bis an sein Lebensende treu zu bleiben.

Der 72 Jahre alte Antonio Batani ist eigentlich kein schwärmerischer Typ, und seine Herzensdame ist nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Stein. 100 Jahre wird sie am 3. Juli alt, und das wird die ganze adriatische Riviera um Rimini herum feiern.

Warum er sie gekauft habe, die Signora namens "Grand Hotel", die schon Federico Fellini umschwärmt und in seinem Film "Amarcord" unsterblich gemacht hat? Batani schweigt und dreht sich ein paar Tagliatelle mit Zackenbarsch-Sugo auf die Gabel. Dann meint er, ganz der tüchtige oberitalienische Geschäftsmann: "Erstens: Weil dieses Hotel in aller Welt berühmt ist. Zweitens: Weil ich auf den Touristikmessen so etwas ganz Besonderes anbieten kann. Und drittens: ..."

Batani führt die Gabel mit den Tagliatelle zum Mund, kaut, konzentriert sich. Dann nickt er seinem Chefkoch Claudio Di Bernardo zu, der ein wenig feierlich hinter ihm in dem höfischen, um diese Nachmittagsstunde menschenleeren Speisesaal verharrt. "Buono", murmelt Batani zufrieden. "Und drittens" , hebt er dann an, "drittens: Weil das Grand Hotel seit einem Jahrhundert das Symbol des Sommers ist."

Ehrfurcht und Misstrauen

Auch Batani selbst hat es spätestens mit dem Erwerb dieses legendären Fünf-Sterne-Luxus-Hauses zum Symbol gebracht. Er steht dafür, wie auch in Italien aus Tellerwäschern Multimillionäre werden können. Doch davon später.

Das Grand Hotel: Vor dem Ersten Weltkrieg wurde es von dem südamerikanischen Architekten Paolo Somazzi in einem ausschweifenden Liberty-Stil, der italienischen Jugendstil-Variante, an den damals noch relativ menschenarmen Adria-Strand geknallt. Fünf Stockwerke hoch zog er die mit steinernen Mädchenköpfen, Muscheln, Blumen und Ranken verzierte Fassade mit ihren eleganten Bogenfenstern und gusseisernen Balkonen über den Fischerhäusern empor.

Draußen luden Terrassen und nach Jasmin duftende Gärten zu Bällen und Champagner-Diners, drinnen lockte ein - für den Ort und die Zeit - märchenhafter Reichtum, der noch heute im Widerschein der erblindenden Kristallspiegel zu erkennen ist.

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