Golf von Aden Kreuzfahrtschiff fährt leer durchs Piratengebiet

Aus Angst vor Piratenüberfällen vor der Küste Somalias müssen die Passagiere eines Kreuzfahrtschiffs für drei Tage von Bord gehen.

Aus Angst vor Piratenüberfällen im Golf von Aden werden die 246 Passagiere des deutschen Kreuzfahrtschiffes "MS Columbus" für drei Nächte von Bord gehen. Die Reederei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten bestätigte entsprechende Medienberichte.

Die "MS Columbus" befindet sich auf ihrer Weltreise derzeit im Golf von Aden.

(Foto: Foto: Hapag-Lloyd)

Geplant sei, die Urlauber und einen Großteil der Besatzung in einem Hafen im Jemen aussteigen zu lassen und zunächst nach Dubai zu fliegen, sagte ein Sprecher des Unternehmens in Hamburg. Das Schiff soll dann durch das Gewässer zwischen dem Jemen und Somalia fahren, in dem es in den vergangenen Wochen wiederholt zu Piratenüberfällen gekommen ist.

Die Passagiere würden in Dubai in einem Fünf-Sterne-Hotel untergebracht, sagte der Sprecher. Nach drei Tagen sollen sie dann mit einem gecharterten Flugzeug in den Oman fliegen, um wieder an Bord zu gehen. Dort setzt die "Columbus" ihre Fahrt fort, die über Muscat nach Dubai führt - die Metropole am Persischen Golf bekommen die Urlauber also zweimal zu sehen.

Den genauen Zeitplan der Aktion nannte der Reedereisprecher nicht. Laut dem Fahrplan der "MS Columbus", den Hapag-Lloyd Kreuzfahrten im Internet veröffentlicht, soll das Schiff an diesem Mittwoch Hodeidah im Jemen erreichen. In Salalah im Oman wird es dann am Samstag (13. Dezember) erwartet.

Die Reederei trat der Darstellung entgegen, die Entscheidung zum Ausschiffen der Passagiere sei vom Kapitän getroffen worden. Richtig sei vielmehr, dass der Beschluss in der Zentrale in Hamburg gefallen sei. Dort habe man sich bei der Bundesregierung um Geleitschutz für das Piratengebiet bemüht - jedoch ohne Erfolg. Die EU beginnt an diesem Dienstag mit einem Einsatz gegen Piraten am Horn von Afrika.

Bereits am Freitag hatte Hapag-Lloyd Kreuzfahrten erklärt, keine Passagiere durch den Golf von Aden zu befördern, solange die Lage dort unverändert ist. Für die Region besteht seit einiger Zeit eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes.

Andere Reederein stufen Seekorridor als sicher ein

Andere Reedereien wollen dagegen auch künftig keinen Bogen um das Gebiet machen, weil sie den international überwachten Seekorridor als sicher einstufen. So plant die Reederei Peter Deilmann keine Evakuierung des Kreuzfahrtschiffes "MS Deutschland".

Die "Deutschland" kreuzt zur zurzeit vor den Seychellen östlich von Afrika. Das Schiff halte im Golf von Aden grundsätzlich einen Abstand von 400 Seemeilen zur Küste Somalias und verstärke bei Bedarf das Brückenwachteam und halte Kontakt zu dem im Gebiet stationierten Marineverbänden, sagte ein Sprecher der Reederei aus Neustadt (Kreis Ostholstein).

Die "MS Columbus" befindet sich derzeit auf einer Weltreise. Von Genua in Italien aus führte die Fahrt bislang durch den Suezkanal ins Rote Meer. Weitere Ziele sind Südostasien, Australien und Südamerika. Erst vor eineinhalb Wochen war das Schiff in Italien gestartet. Das 144 Meter lange Schiff bietet nach Angaben von Hapag-Lloyd Kreuzfahrten Platz für maximal 420 Passagiere und 170 Besatzungsmitglieder. Zur Zeit sollen 246 Passagiere an Bord sein.