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Glossar:Von Phytobiodermie bis Zeit

Phytobiodermie, die: Paradebeispiel eines Wellness-Neologismus' für Akademiker mit kleinem Latinum. Beschreibt im Grunde nichts anderes als die Behandlung der Haut mit pflanzlichen Produkten natürlichen Ursprungs - nur eben basierend auf der Fünf-Elemente-Theorie der traditionellen chinesischen Medizin. Klingt trotzdem nicht einmal halb so schön wie oder .

Qigong, das: Atem-, Meditations- und Bewegungsübung zur Beeinflussung von Qi, das als Lebensenergie wiederum auf den Qi-Autobahnen () unterwegs ist. Stammt aus der traditionellen chinesischen Medizin. Wurde zuletzt mit einer untypischen Offenheit in die abendländische Körperkultur integriert.

Rasulbad, das: häufig auch Rhassoulbad; ausnahmsweise weder aus Fernost noch dem alten Rom stammende ägyptische Dampfbad-Variante mit schmieriger Heilschlammpackung zur Stärkung des Immunsystems und Förderung der Durchblutung. Eher nichts für Kleopatras.

Deutschland In Balin
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Mitten in der winterlich grauen Hauptstadt kann man in eine fernöstliche Kunstwelt eintauchen: Hier ist es warm, voll und bunt.   Von David Denk

Spa, das: Oberbegriff für Orte der Wellnessanwendungen und etymologischer Streitfall der modernen Wellnessliteratur. Während gemeinhin das belgische Heilbad Spa als Ursprung des Begriffs gesehen wird, verbreiten diverse Quellen immer wieder die - weit glaubwürdigere - Behauptung, Spa sei eine Abkürzung von "sanus per aquam" (lateinisch: gesund durch Wasser). Interessanterweise stammt der Name der Stadt Spa tatsächlich von einer gleichnamigen Quelle - deren Name wiederum eine Abbreviation von sanus per aquam sein könnte. Letzteres gilt zwar als eher unwahrscheinlich, würde jedoch beiden Parteien recht geben.

Thalasso-Therapie, die: zumindest etymologisch hundertprozentig aus dem Griechischen stammender Name einer Behandlung, die sich auf die Heilkraft des Meeres (= Thalassa) und die Wirkstoffe in Meerwasser, Meersalz, Meeresalgen und Meeresschlamm verlässt. Die T.-T. darf laut dem Verband Deutscher Thalasso-Zentren logischerweise nur von Einrichtungen in unmittelbarer Meeresnähe durchgeführt werden. Ist deshalb fürs Marketing alpiner Wellnessresorts völlig ungeeignet. Alleine deshalb sympathisch.

Upanahasveda, die: ayurvedische Rückenmassage mit warmen Ölen, die man erst einmal fehlerfrei bestellen können muss.

Vichy-Dusche, die: horizontal angebrachtes Duschsystem zum Bewässern von liegenden Körpern. Stammt nicht etwa aus der Fabrik des französischen Kosmetikherstellers; kam vielmehr erstmals in dem französischen Kurort Vichy zum Einsatz.

Wambo-Mambo, das: aus Australien importierte Massagetechnik der Aborigines unter Verwendung von Bambusrohren und warmen Ölen. Endgültiger Beweis, dass "Wellness" auch schon in den letzten Ecken der Erde eine Nummer war, bevor der Begriff in der Hotellerie überhaupt existierte.

Yin & Yang, das: dynamisches Duo aus dem alten China und Paten des kühl-warmen Yin-Yang-Pools. Nehmen als rivalisierende und zugleich kooperierende Gegenspieler über die auf das Qi und damit das Wohlbefinden zudem so sehr Einfluss, dass sie selbst dem Yoga als eigentlichem Y-Kandidaten eines Wellness-Glossars den Rang ablaufen.

Zeit, die: von Wellness-Hotels gerne verwendeter Begriff zur Bewerbung der eigenen Kompetenz ("Zeit für Sie", "Zeit für mich", "Zeit zu zweit"), obwohl sich die Z. selbst mit den besten - und -Therapien nicht beirren lässt. Bleibt auch weiterhin größter Feind und zugleich wichtigste Ursache sämtlicher -Bemühungen.

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