Kolumne "Ende der Reise":Neue Fachkraft

Lesezeit: 1 min

Kolumne "Ende der Reise": Niest nicht auf die Pizza und kann sich alle Bestellungen merken: die Roboter-Kellnerin. Hier ein Modell aus China.

Niest nicht auf die Pizza und kann sich alle Bestellungen merken: die Roboter-Kellnerin. Hier ein Modell aus China.

(Foto: imago stock&people/imago/ZUMA Press)

Erste deutsche Gaststätten setzen Robo-Kellner ein. Das ist vor allem für die Gäste ein großer Fortschritt.

Glosse von Stefan Fischer

Beim Thema Elektromobilität wird groß gedacht: Wie komme ich Hunderte Kilometer weit mit einem Wagen, ohne ständig an die nächste Ladesäule zu müssen? Wer baut eigentlich die ganzen Stromstationen? Und stammt dieser Strom denn auch verlässlich aus erneuerbaren Quellen?

Dabei gibt es schon im Kleinen so viel zu erledigen. Wie wäre es, erst einmal damit zu beginnen? Einige Betreiber von Restaurants in Deutschland haben das erkannt und sich einen Robo-Kellner angeschafft. Dieser Roboter liefert Schnitzel an Tisch 3 und Grünkern-Bratlinge an Tisch 14, dazu zwei weitere Pils an den Stammtisch.

Wer das für einen neumodischen Irrsinn hält und für den Untergang der Wirtshauskultur, sollte bitte einmal über den Rand seines Bier- oder Weinglases hinausschauen. Denn Robo ist garantiert nicht mit Corona infiziert und kann überdies sekundenschnell einen Impfnachweis scannen, wo konventionelle Kellner erst umständlich ihre Lesebrille aus der Westentasche kramen müssen.

Auch kommt dieser Roboter verlässlich an den Tisch, wenn man etwas bestellen möchte. Was speziell für Gäste in Wiener Kaffeehäusern einen entscheidenden Fortschritt bedeuteten dürfte. Auch schnauzt er die Gäste nicht an, jedenfalls, wenn er richtig programmiert ist, was einen Berlin-Aufenthalt gleich um einiges erfreulicher macht. Er hat den Finger nicht in der Suppe, niest nicht ins Gulasch und kann sich Bestellungen merken, auch wenn sie mehr als fünf Posten umfassen.

Das beste an ihm allerdings ist: Er existiert. Der Personalmangel ist inzwischen eklatant im Gastgewerbe. Und die Alternative dazu, dass Robo das Dessert serviert, ist immer häufiger, dass niemand es auftischt. Ihm und seinesgleichen gehört also die Zukunft in diesem knochenharten Job. Wer nun aber denkt, er könne beim Trinkgeld knausern, wenn ihn nicht mehr Pavel oder Ivana bedienen, der täuscht sich: ohne Ladesäule kein elektromobiler Service.

Zur SZ-Startseite
AUSTRIA - HEALTH - VIRUS - RE OPENNING - GASTRONOMY ÖSTERREICH; WIEN; 20200514; Ein Kellner im Schweizerhaus der Familie

SZ PlusPersonalmangel
:Wo bleibt mein Campari?

Die Touristen kommen wieder - doch es fehlen Kellnerinnen, Köche, Putzkräfte. Was das über die Probleme des Tourismus offenbart und wie man diese nun lösen will.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB