Monte Baldo am Gardasee:Der Monte Giovo trägt Narben aus dem Krieg

Von der Gipfelkuppe des Monte Giovo geht der Blick über die dunstige Etschebene. Der Fels des Monte Giovo ist von Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg durchlöchert. Zandonati wendet sich nach Norden und zeigt auf das gegenüberliegende Grestatal: In einem Dorf dort drüben lebe seine Familie seit Generationen. Im Ersten Weltkrieg hätten sich die Österreicher im Grestatal verschanzt. "Hier auf dem Monte Giovo lagen die Italiener."

Wenn Schulklassen, die er gelegentlich herauf begleite, wissen wollten, ob er sich eher als Österreicher oder als Italiener fühle, erklärt er ihnen, dass sie überhaupt nichts verstanden hätten, sagt Zandonati: "Krieg bedeutet für die Bevölkerung immer eine Tragödie, egal welcher Nation sie angehört."

Wer statt von den Schrecken des Krieges mehr über die Blumen des Monte-Baldo-Gebietes erfahren möchte, fährt weiter nach Brentonico. Der Weg dorthin führt über den Passo San Valentino und dann durch schmale, in die Felsen gesprengte Tunnel zur Bocca del Creer, wo eine ehemalige Militärstraße im Zickzack zum 2079 Meter hohen Monte Altissimo hinaufführt. Bei Schönwetter kann man von dort bis zum Südufer des Gardasees sehen.

Nach Brentonico kommt, wem die Bergblumen des Monte Baldo zu weit weg sind

In Brentonico gibt es südlich der zentralen Piazza mit der Pfarrkirche einen Prachtbau, der für Naturinteressierte Überraschungen bereithält: der mit Fresken bemalte Palazzo Eccheli Baisi.

Der ehemalige Adelssitz beherbergt eine Fossiliensammlung und einen botanischen Garten. Christian Perenzoni, Bürgermeister des Städtchens, führt durch die Räume. "Das waren noch Zeiten, als ich mich ganz meinem erlernten Beruf als Architekt widmen konnte!", sagt Perenzoni, nachdem er sein ständig klingelndes Telefonino stumm geschaltet hat. Vorbei an der Fossilienausstellung mit mehr als tausend Exponaten - zumeist versteinerte Krebstiere und Schnecken aus dem südlichen Monte-Baldo-Gebiet - lotst Perenzoni den Besucher über eine Freitreppe in den südexponierten Garten hinaus.

Mit seinen symmetrisch angeordneten Wegen, Treppen und von Buchsbaumhecken flankierten Grünflächen ist der Orto Botanico der Nachbau eines Renaissancegartens. Dort finden sich Heilkräuter, Gewürz-, Gift- und Nutzpflanzen. Im Steingarten, der sich über einen Hang erstreckt, gedeihen etliche der knapp 2000 Wildpflanzenarten, die im Monte-Baldo-Gebiet verbreitet sind. Hier finden Besucher, die nicht so gut zu Fuß sind, auf kleiner Fläche viele der Blumen, die auf dem Monte Baldo weit verstreut und zuweilen gut versteckt sind.

Im Dachgeschoss des Palazzos verbirgt sich eine weitere Sehenswürdigkeit: eine hundertjährige Apotheke. Die dunklen Holzregale und Schubladen scheinen mit dem Kräuterduft aus Hunderten mit schwarzer Tinte beschrifteten Gläsern getränkt zu sein. Gelehrte hätten den Monte Baldo bereits im 16. Jahrhundert als "Hortus Italiae", Italiens Garten, gerühmt, erzählt Perenzoni. "Kaum irgendwo sonst wurden seit der Renaissance so viele Studien über Pflanzen und Heilkräuter verfasst."

Reiseinformationen

Anreise: über die Brennerautobahn, Ausfahrt Rovereto Süd. Oder mit dem Zug bis Rovereto, weiter mit dem Bus oder Taxi.

Übernachten: Hotel Zeni Brentonico, ab 70 Euro p. P. im DZ, Tel.: 0039/0464/395125, www.hotelzeni.net; Hotel Neni, bei mindestens drei Nächten ab 65 Euro p.P. im DZ mit VP, Tel.:0039/0464/395135 www.hotelneni.it

Ausflüge: Palazzo Baisi (Eccheli) mit botanischem Garten und Fossilienmuseum: Eintritt: 3,50 Euro für Erwachsene, 2,50 Euro für Kinder bis 18 Jahre, Tel.: 0039/0464/395059.

Allgemeine Auskünfte: www.visitrovereto.it, www.visittrentino.info/de

© SZ vom 21.03.2019/kaeb
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