Wien Hotel "Grand Ferdinand": Gulasch mit Champagner

Das luftige Dachgeschoss mit kleinem Pool und großem Restaurant ist den Gästen des Grand Ferdinand vorbehalten.

(Foto: Grand Ferdinand)

Nicht ganz ernste Nostalgie trifft auf junges Publikum mit schönen Reisetaschen: Das Grand Ferdinand ist eine hinreißende Kulisse für einen Wien-Besuch mit ein bissl Luxus und ein bissl was Authentischem.

Von Max Scharnigg

"Küss die Hand, Grand Ferdinand!", so meldet sich der Rezeptionist am Telefon. In dieser Floskel liegt eigentlich schon das ganze Wesen des neuen großen Hotels am Wiener Schubertring: Nicht ganz ernste Nostalgie trifft auf annähernd junges Publikum mit schönen Reisetaschen. In einem Hotel, das das Grand zwar im Namen führt, aber kein klassisches Grand-Hotel sein will. Von denen gibt es in dieser feinen Nachbarschaft nämlich genug - gleich rechts das ehrwürdige Imperial, links gegenüber das Ritz-Carlton. Statt einer repräsentativen Auffahrt und Lobby warten hier also nur ein dezentes Hotel-Logo und ein ausgestopftes Pferd auf die Gäste, und später gibt es statt des üblichen Spumante beim Frühstücksbuffet die Bloody Mary zum Selbermischen. Ironische Kronleuchter sind ebenso allgegenwärtig wie die Ausstattung mit kleinen Beschriftungen und Schildern in jenem gefälligen Neo-Retro-Stil, den jede urbane Grafikagentur der westlichen Welt derzeit produziert.

Doch, das Grand Ferdinand ist eine hinreißende Kulisse für einen Wienbesuch geworden - diskret und dennoch auf jedem Schritt ein bisschen überinszeniert, genau wie ein Wes-Anderson-Film. Viele Ecken hier sehen jedenfalls aus, als läge der Instagram-Filter schon drüber, der dick grün ausgelederte Chesterfield-Lift etwa oder der kleine Pool auf dem Dach, mit zwei supercharmanten Umkleidekabinen im Stil der frühen Côte d'Azur - die vermutlich nie jemand benutzen wird. Aber eben: hach! Man wandelt in Entdeckerlust durch die Flure und stößt dabei sogar noch auf einen irren Schlafsaal mit acht Betten, der aussieht wie dem Orient Express entwendet (Übernachtung hier ab 30 Euro). Wenn man bedenkt, dass dieses Gebäude vorher ein steriler Bürobau war, dann ist dieser In-Vitro-Glamour schon bemerkenswert.

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In manchen Situationen ist die Verpackung freilich besser als der Inhalt. Die Küss-die-Hand-Angestellten etwa haben dann doch keine ganzheitliche k.u.k. Grandezza, sondern vergessen Bademäntel und Reservierungen und parieren den Gast in jener trockenen Beflissenheit wie alle anderen Hotelangestellten auch. Egal, der erste Eindruck ist hier König. Die Zimmer sind entsprechend eingerichtet: wenige Möbel, die dafür aber Hingucker, wie das prachtvolle Bett mit Decken wie aus Schlagobers. Oder die Tagesliege, die aussieht, als wäre sie von Sigmund Freud persönlich designt worden. Zeitgeist-Romantik und ein Duschgel, das genauso altmodisch frisch riecht, wie man sich zwischen den schicken Subway-Fliesen der Regendusche fühlt. Banales wie Stauraum sucht man dafür eher vergeblich. Vermutlich stört das die wenigsten Gäste, denn für den üblichen Stadttrip reichen die paar Kleiderhaken in einem Business-Zimmer des Grand Ferdinand aus. An einem Samstagabend im Dachrestaurant, das den Hotelgästen vorbehalten ist, wirkt die Gästeschar dann auch nahezu homogen: Schöne Paare unter 45, schon distinguiert genug, um angesichts des Sonnenuntergangs hinterm Stephansdom nicht auszuflippen. Aber auch noch unprätentiös genug, um den schönen Cheeseburger zu goutieren und den moderaten Hip-Hop, der dazu gereicht wird.

Das Motto des Grand&Ferdinand Bistros unten an der Straße lautet "Gulasch & Champagner" - und es ist ein gutes Motto, denn genau das wollen viele Kurzreisende: ein bissl Luxus und ein bissl was Authentisches. Der Mann, der diesen Wunsch in den vergangenen Jahren in gleich fünf Hotels umgesetzt hat, heißt Florian Weitzer, und das Grand Ferdinand ist auch so etwas wie das Victory-Zeichen seines stilsicheren Händchens.

In den Zimmern exerziert Hotelguru Florian Weitzer seinen bewährten Stil: charmanter Zeitgeist mit etwas Nostalgie.

(Foto: Grand Ferdinand)

Als Spross einer Grazer Hoteliersfamilie lernte er zunächst im Sacher und anderen ersten Häusern. Aber nur, um die soliden Hotels seiner Familie ganz gegen den Strich aufzubürsten. Das Wiesler in Graz etwa, ließ er - Aufschrei! - im Jahr 2005 zunächst seine fünf Sterne abgeben. Dann radikalisierte er die Zimmer, entrümpelte, baute je eine gute Dusche und ein gutes Bett hinein und entwickelte einen sehenswerten Shabby-Luxus. Abends gab es DJs und Bio-Essen, morgens einen Barbier alter Schule. Stil, Genuss, emotionale Nachhaltigkeit - wenn die designten Billig-Betten des Motel One die eine Seite neuer Übernachtungskultur sind, dann sind individualisierte und detailfreudige Häuser von Weitzer die andere. Nicht günstig, aber dafür eben schon Teil des Erlebnisses.

Das Grand Ferdinand nun wird an dem exquisiten Platz auch anderes Publikum von diesem Indie-Luxusgefühl überzeugen müssen. Menschen, für die Zimmerservice und goldene Wasserhähne zu einem Top-Hotel dazugehören, die den Pool mickrig finden werden und für die Gulasch und Champagner aus irgendeinem Grund nicht zusammengehen. Dabei tun sie das wirklich sehr gut.

Grand Ferdinand, Schubertring 10-12, 1010 Wien, www.grandferdinand.com, DZ ab 175 Euro.

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