Fremantles ErbeEin Schiff wird kommen

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Das Hotel Hougoumont erinnert an ein schwieriges Erbe - an die letzten Sträflingstransporte nach Australien und an einen spektakulären Gefangenenausbruch. Ein Coup, der in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Von Johanna Pfund

Hougoumont. Welch ein Name für ein Boutique-Hotel im historischen Kern der westaustralischen Hafenstadt Fremantle. Ein altes Aborigine-Wort? Eine Hommage an einen gestrandeten Franzosen? Alles falsch, wie Manager Marco Batacchi erklärt. Das Haus, dessen Zimmer aus Schiffscontainern bestehen, hat sich ein unschönes Kapitel australischer Geschichte zum Thema gemacht.

Die Hougoumont war das Schiff, das im Januar 1868 zum letzten Mal Sträflinge aus Großbritannien nach Australien deportierte. An Bord befanden sich neben Mördern, Vergewaltigern und Dieben auch Angehörige der Irish Republican Brotherhood, sogenannte Fenier, die gegen die Herrschaft der Engländer aufbegehrten, aber verraten wurden. Ein Teil von ihnen sollte im Gefängnis Fremantle jahrzehntelange Freiheitsstrafen absitzen. Besser gesagt, abarbeiten, denn die Sträflinge bauten Straßen durch den Busch. Die Fluchtgefahr: gering. Auf der einen Seite Busch, auf der anderen Ozean. Die Chance auf Rückkehr: sehr gering. Unter den Feniern befand sich John Boyle O'Reilly, der später in Boston, Massachusetts, als Journalist und Dichter berühmt werden sollte. O'Reilly gelang nach zwei Jahren mit Hilfe eines Priesters die Flucht auf einem amerikanischen Walfänger. Er war es auch, der gemeinsam mit anderen nach Amerika ausgewanderten Iren eine der spektakulärsten Rettungsaktionen der Geschichte organisierte, die "Catalpa Rescue". Mitglieder des irischen "Clan na Gael" in den USA sammelten Geld, kauften das Walfangschiff Catalpa, heuerten eine Mannschaft an und sandten weitere Mitstreiter unter falschen Namen nach Fremantle. Nach Jahren der Vorbereitung gelang es ihnen, im April 1876 - mit den Briten auf den Fersen - die verbliebenen sechs politischen Gefangenen in einer dramatischen Aktion aus Fremantle zu befreien und an Bord der Catalpa in die USA zu bringen. Dort bereitete man ihnen einen triumphalen Empfang.

Das einstige Gefängnis ist heute Weltkulturerbe. Und an das letzte Sträflingsschiff erinnert das Hotel Hougoumont; aber Versorgung und Unterbringung sind mit Sicherheit besser als einst auf dem Schiff.

Infos: www.hougoumonthotel.com

© SZ vom 27.12.2019 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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