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Skifahren in Italien:Freeriden in Alagna

Hinter ihm biegen sich die Regalbretter, Heimstatt von mehr als 60 verschiedenen Grappasorten. Er kümmert sich auch um den Wein: 120 Rote, 7000 Flaschen im Wert von gut 50.000 Euro.

Sein Motto: "Wenn du gut isst und schlechten Wein trinkst, dann isst du schlecht." Eine Stunde vor dem Essen muss man den Wein bestellen - damit er atmen kann. Kommt die Küche von Mama Ornella hinzu, ist der Abend perfekt.

Das war's dann aber auch in Sachen Luxus. In kalten Wintern gibt es auf der Rifugio außer dem Mineralwasser von der Bar keinen Tropfen Wasser. Durch die Fenster der 25 Zimmer weht der Schnee herein, an der Nasenspitze muss mit Eiszapfenbildung gerechnet werden.

Irgendwann demnächst soll es auch eine Heizung in den Zimmern geben. Dafür kann man aber in klaren Nächten beim seltenen Nord-Fön bis hinab in die Po-Ebene auf die Lichter Mailands blicken.

Schuld an allem sind die Chinesen. Franco, Vater von Hüttenwirt Alberto, arbeitete in der fünften Generation in einer Schuhfabrik bei Mailand, bis diese wegen der Billig-Konkurrenz aus Fernost schließen musste und Franco nach Valsesia heimkehrte.

Die vom Vorfahr Guiseppe Anfang des 19.Jahrhunderts erbaute Hütte war 1960 nach dem Tod seines Vaters unbewirtet geblieben - 32 Jahre lang, bis auf ein paar Tage im Sommer, wenn die Familie hier oben Urlaub machte.

Als 1992 die Verbindung zum Skigebiet Gressoney perfekt war, machte sich der Junior an die Arbeit: Alberto schuftete zwei Jahre, um das alte Haus bewohnbar zu machen.

Er brachte von der verregneten Hochzeitsreise in Nepal eine Küchenhilfe namens Tuesday mit und ist seitdem von Montag bis Sonntag, von morgens um fünf bis nachts um eins im Laufschritt unterwegs, um diesen Treffpunkt der Kosmopoliten am Laufen zu halten.

Fröhliche Rutscher aus Holland fehlen hier, dafür sitzen Cracks aus Skandinavien neben ehrgeizigen Schotten und neugierigen Japanern. An einer Pinnwand haben unzählige Bergführer aus aller Welt ihre Visitenkarten dagelassen. Und alle wollen nur das Eine: freeriden, die Fahrt durch die freie Landschaft.

Und jede Menge Geschichten erzählen sie: Von der berüchtigten Malfatta, dieser 50 Grad steilen Senkrecht-Sause, bei der man sich erstmal 50 Meter abseilen muss. Oder die von dem zu Tode gestürzten Bergführer.