Gertrude Bell (1868-1926)

Während andere Frauen in England noch nicht einmal Wahlrecht hatten, wurde Gertrude Bell zur Königsmacherin im Irak: Sie trug dazu bei, dass 1921 ihr Favorit Faisal gekrönt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg hatte Großbritannien 1920 die vormals osmanischen Gebiete von Bagdad, Mossul und Basra zum heutigen Irak verbunden - die neuen Grenzen legte unter anderem Gertrude Bell fest: "Heute habe ich den Morgen im Büro sinnvoll verbracht, indem ich die Südgrenze des Irak gezogen habe", schrieb sie ihrem Vater im Dezember 1921 (ihre Schriften und etwa 1600 Briefe verwaltet heute das Gertrude-Bell-Archiv der Universitätsbibliothek Newcastle).

Bell stammte aus einer angesehenen Familie britischer Industrieller. Obwohl ihre Eltern fortschrittlich dachten, war ihr Lebensweg zunächst vorgezeichnet: Heirat mit einem Mann aus der Oberschicht. Doch keiner der potentiellen Kandidaten konnte ihren Bildungsansprüchen und ihrem Entdeckungshunger gerecht werden. Nach ihrem Abschluss in Zeitgeschichte in Oxford - als erste Frau mit höchster Auszeichnung - brachte sie sich selbst Persisch bei und reiste nach Persien (Iran), dann gleich zweimal um die Welt und in die Alpen, wo sie 1902 einen Blizzard überlebte, der ihre Expedition in der Nordostwand des schweizerischen Finsteraarhorn festsetzte. Gefahren scheute diese Frau nicht, auch nicht in abgelegenen Wüstengegenden Arabiens. Wenn sie in die Nähe räuberischer Stämme kam, soll sie stets mitten ins Lager geritten sein, vor dem größten Zelt angehalten und es im Vertrauen auf die Gastfreundschaft der Araber betreten haben - natürlich nicht von der Frauenseite her.

Gemeinsam mit T. E. Lawrence arbeitete sie zudem im Ersten Weltkrieg als Spionin in Kairo, wie der Guardian berichtet. Doch nicht nur der Politik galt ihre Liebe, auch der Archäologie: Sie etablierte das Archäologische Museum in Bagdad. 1926 starb Bell in Bagdad - ihr Name ist dort heute noch bekannt. Schließlich bestand das von Gertrude Bell mitkonzipierte Königreich Irak 37 Jahre lang.

Das Bild der britischen Archäologin und Weltreisenden Gertrude Margaret Lowthian Bell entstand etwa um das Jahr 1900.

Bild: Getty Images 8. März 2012, 11:262012-03-08 11:26:31 © Süddeutsche.de/dd