Fraser Island:"Hey, bloody tourists!"

Weshalb Urlauber den Sand auf der größten Sandinsel der Welt nicht gleich finden und warum man auf Fraser Island besser nicht selbst Auto fahren sollte.

Julia Weiß

10 Bilder

Fraser Island,Fraser Island, Queensland, Australien

Quelle: SZ

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Weshalb Urlauber den Sand auf der größten Sandinsel der Welt nicht gleich finden und warum man dort besser nicht selbst Auto fahren sollte. Eine Bildreportage.

Sandstrände, Sandbänke, Sanddünen, Sandkuchen, Sand im Getriebe und auch Sand in den Schuhen. Auf alle Fälle Sand. Das wird man doch erwarten dürfen von einer Sandinsel - und erst recht von der größten Sandinsel der Welt. Fraser Island gehört zum australischen Bundesstaat Queensland im Nordosten des Kontinents und liegt fünf Busstunden nördlich von Brisbane. Die Insel ist 123 Kilometer lang, durchschnittlich 15 Kilometer breit und laut Reiseführer bestehen die gesamten 184.000 Hektar aus Sand. Was in aller Welt machen dann diese Bäume hier?

Fraser Island,Fraser Island, Queensland, Australien

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"Hey you bloody tourists, are you looking for the sand?" Mit diesen warmen Worten begrüßt Ranger Bob die Touristen bei der Ankunft auf Fraser Island. Ein ganz in Beige gewandeter Bär von einem Mann, Mitte 30, der einfach nicht aufhören kann zu grinsen. Nachdem auch der letzte Backpacker von der Fähre geschlappt ist, erklärt Bob, warum man den Sand vor lauter Bäumen nicht sieht: Ein Viertel der Insel ist bewaldet - von dichtem Busch- und Heideland bis hin zu lichten Eukalyptuswäldern. Im Zentrum der Insel findet man sogar Sanddünen, die von subtropischem Regenwald bedeckt sind.

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Fraser Island,Fraser Island, Queensland, Australien

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Es gibt zwei Möglichkeiten, Fraser Island zu erkunden: Auf eigene Faust bei einer sogenannten Self-Drive-Tour mit einem Geländewagen oder zusammen mit einem Ranger im Allrad-Bus. Während eine Self-Drive-Tour bedeutet, mit neun wildfremden Menschen, einem Jeep, einer Landkarte und Campingausrüstung die folgenden drei Tage völlig auf sich allein gestellt zu sein, gestaltet sich eine geführte Tour wesentlich komfortabler: Hotel statt Zelt, Buffet statt Dosenravioli, klimatisierter Bus statt klebriger Rücksitzbank.

Fraser Island,Fraser Island, Queensland, Australien

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Obwohl es recht verlockend klang, selbst am Steuer eines Allrad-Jeeps zu sitzen und den 75-Mile-Beach entlangzuheizen, war es weit weniger verlockend möglicherweise als Beifahrer neben einem 18-jährigen Italiener zu sitzen, der erst seit wenigen Wochen einen Führerschein besitzt und dessen Landsmänner auf der ganzen Welt für ihren unorthodoxen Fahrstil bekannt sind. So fällt die Entscheidung gegen das awesome adventure (so die Frau im Reisebüro) und für den ortskundigen Bob und seinen Bus.

Fraser Island,Fraser Island

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Erste Station ist der Lake McKenzie, einer der knapp 200 Süßwasserseen der Insel. Da es sich um eine Schicht aus schwebendem Grundwasser handelt, die über dem sogenannten Coffee Rock liegt (eine wasserundurchlässige, zementartige Schicht, die aus verhärtetem Sand und organischen Stoffen besteht), ist es klar, warum das Wasser des Lake McKenzie so klar ist. Doch der See lädt nicht nur zum Baden ein, sondern fungiert auch als Open-Air-Beauty-Salon: Reibt man den weißen Sand über die Haut oder in das Haar, wird alles samtig weich. Kein Brennen. Kein Ziepen.

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Eines muss jedoch während des gesamten Aufenthalts auf Fraser Island klar sein: Die Fahrten durch den Sand sind alles andere als ruhig und die Sandlöcher alles andere als klein - bei dem Geschüttel hebt es einen schon einmal unfreiwillig aus dem Sitz. Und wenn selbst Bob mit seinen monströsen Oberarmen den großen Sandlöchern nicht mehr ausweichen kann, heißt es: Alle Mann aussteigen. Schieben!

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Doch nicht nur Busse und Geländewagen haben mit dem Sand zu kämpfen, auch manchem Schiff wurden die Untiefen der Great Sandy Region bereits zum Verhängnis. Wie beispielsweise am 8. Juli 1935 dem ehemaligen Luxusliner Maheno, der während eines für die Jahreszeit untypischen Zyklons vor Frasers Ostküste auf Grund lief. Heute sind nur noch die oberen Decks des Schiffes zu sehen.

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Bewusst werden einem die Dimensionen der größten Sandinsel der Welt erst, wenn man sie von oben sieht. Seit 700.000 Jahren schleifen Wind und Wasser die Berge der Great Dividing Range ab und transportieren das zu Sand zermahlene Gestein von den Küstenflüssen zum Meer. Der an der Küste vorherrschende Südostwind weht die feinen Sanddünen dann nach Norden, wo sie an felsigen Stellen Halt finden und sich bis zu 240 Meter hoch auftürmen.

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Für 70 australische Dollar pro Passagier fliegt Air Fraser Island über die gesamte Insel - Start und Landung auf Sand inklusive. Wenn man die Macho-Sprüche des Piloten und seine unzähligen Vergleiche zwischen Flugzeugen und Männern gekonnt ignoriert, hinterlässt dieser Flug mit Sicherheit einen bleibenden positiven Eindruck: Spätestens nach der Landung weiß man, warum die lange Zeit auf der Insel ansässigen Ureinwohner ihre Heimat K'gari, Paradies, nannten.

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Kurz bevor die Fähre wieder zurück Richtung Festland ablegt, treffen sich Selbstfahrer und geführte Touristen wieder und es fließen Tränen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um Abschiedstränen, sondern eher um Tränen der Verzweiflung. Vielleicht weint die Gruppe der mutigen Selbstfahrer auch vor Wut: Der Kanadier hat den Self-Drive-Jeep geschrottet und alle zehn Insassen müssen nun 500 Dollar Selbstbeteiligung zahlen. Dennoch kann auch jetzt Bob wieder nicht aufhören zu grinsen und fragt seine Reisegruppe erneut, ob sie auf der Suche nach dem Sand sei. Dieses Mal gibt er die Antwort gleich selbst: "Der Sand, der ist in euren Schuhen."

Weitere Informationen unter: http://www.fraserisland.net und http://www.cooldingotour.com

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© sueddeutsche.de/juwe/kaeb
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