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Frankreichs Tourismus:Was der Anschlag in Nizza für Urlauber bedeutet

Terror attack in France

Am Strand von Nizza am Tag nach dem Anschlag.

(Foto: dpa)

Nizza ist nach Paris die am meisten besuchte Stadt Frankreichs. Nun gibt es dort massenhaft Stornierungen - dabei hatte das Land nach dem Ende der Fußball-EM schon aufgeatmet.

Gerade hatten sie aufgeatmet in Frankreich: Gott sei Dank, nichts passiert bei der Europameisterschaft! Nicht nur die Sicherheitskräfte, sondern auch Hotelbesitzer und Tourismusunternehmen hatten gebangt in den vergangenen Wochen. Denn schon nach den Anschlägen in Paris vom 13. November vergangenen Jahres waren die Gästezahlen dort um 15 Prozent zurückgegangen. Die EM aber versprach - trotz Hooligans und Dauerregen in vielen Teilen des Landes, der live in die Wohnzimmer Europas übertragen worden war - aus touristischer Sicht einen Gewinn für das in letzter Zeit so gebeutelte Land.

Vor allem in den sonnenverwöhnten Städten an der Südküste Frankreichs wie Nizza und Marseille, aber auch im Norden, in der Bretagne und in der Normandie, gingen die Buchungen in die Höhe. Die Europameisterschaft habe einen "positiven Effekt" für den Tourismus in Frankreich gehabt, sagt Oliver Timmermann von Atout France, der touristischen Vertretung des Landes in Deutschland. Doch die Freude war verfrüht - nach dem Anschlag von Donnerstagnacht dürften sich nun erneut viele Urlauber fragen, ob sie ihre Ferien in Frankreich verbringen wollen.

Das Auswärtige Amt aktualisierte am Freitag seine Reisehinweise maßvoll und rief Urlauber in Frankreich "zu verstärkter Umsicht" auf. Eine Reisewarnung, die eine Stornierung der Reise leichter ermöglicht, gibt es bislang nicht. Das Amt geht offenbar nicht davon aus, dass Touristen in Frankreich stärker gefährdet sind als Einheimische. Anders sieht das in Urlaubsländern in Nordafrika aus, etwa in Tunesien, oder in der Türkei: Hier hatten islamistische Terroristen gezielt Touristen als Opfer ausgewählt. Wer demnächst nach Frankreich reist, muss in jedem Fall mit verstärkten Grenzkontrollen an den Flughäfen, aber auch bei der Bahn und auf den Straßen rechnen.

Viele Reiseveranstalter haben am Freitag auf den Anschlag reagiert, sie haben, traurig genug, mittlerweile Übung darin. Kostenlos umbuchen oder stornieren können jedoch nur Urlauber, die direkt in Nizza gebucht haben. Bei Tui und bei FTI gilt dies für Anreisen bis einschließlich 31. Juli, beim Veranstalter Thomas Cook bis Sonntag 17. Juli, bei DER-Touristik nur bis Samstag, 16. Juli. Allerdings betrifft diese Regelung nur wenige Reisende. Tui etwa hat nach eigenen Angaben derzeit gerade mal 26 Gäste aus Deutschland in Nizza. Für Nizza ist der Anschlag so oder so verheerend: "Es gab bereits massenhaft Stornierungen seit gestern Abend", zitiert die Nachrichtenagentur dpa den Präsidenten der örtlichen Hotelbetreiber, Denis Cipollini. Nach Paris ist Nizza, das trotz seines berühmten Yachthafens schon längst kein Reiseziel nur für Reiche ist, die meistbesuchte Stadt des Landes.

Frankreich zählt zu den beliebtesten Reiseländern der Deutschen; sechs Millionen machen jedes Jahr hier Urlaub. Die Zahl ist seit Jahren relativ konstant. Frankreichurlauber buchen vergleichsweise selten bei großen Reiseveranstaltern. Wer nach Frankreich fährt, tut dies zumeist individuell - man mietet eine Ferienwohnung an der Côte d'Azur, ein Haus auf dem Land in der Bretagne oder in der Normandie - oder bucht einen schattigen Stellplatz unter Pinien auf den Campingplätzen an der Dune du Pilat bei Bordeaux. Ein Anspruch auf kostenloses Stornieren besteht auch für Individualreisende nicht. Nur wer für die kommenden Tage ein Hotel in Nizza gebucht hat, habe große Chancen, dieses kostenfrei stornieren zu können, sagt Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Zumal man sich in der Stadt nur eingeschränkt bewegen kann: Die Behörden dort haben Einwohner wie Touristen dazu aufgefordert, möglichst vorerst nicht außer Haus zu gehen.