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Frankreich:Wilde Wasser

Die Besucher der neu eröffneten Splash World in der Provence werden wie VIPs behandelt und sollen sich so richtig austoben - nur muss man sich das auf den beinahe senkrechten Wasserrutschen erst mal trauen.

An der größten Attraktion ist die Warteschlange kurz. Was daran liegen mag, dass man nicht ganz mühelos zum Einstieg kommt und sich die eine oder der andere bereits von den vielen Stufen abschrecken lässt: Über ein offenes Treppenhaus muss man in 18 beziehungsweise 33 Meter Höhe steigen. Vor allem aber erfordert der Weg nach unten über eine der beiden Rutschen Mut. Stößt man sich von der höheren der beiden ab - der Huricana Sliiide - , sieht man die ersten Meter der Bahn gar nicht, so steil führt sie hinab. Nur den Auslauf hat man im Blick, irgendwo sehr weit hinten auf dem Gelände der Splash World.

In der 33-Meter-Rutsche beschleunigt man auf bis zu 80 Kilometer pro Stunde, der waagrechte Bremsweg ist länger als die beinahe senkrechte Rutschbahn. Auf der niedrigeren Rutsche wiederum, dem Banzaii Bomber, steigt man in eine Kapsel, die aussieht wie ein Ein-Mann-Raumgleiter in Science-Fiction-Filmen der 1970er-Jahre. Deren Boden klappt weg, man stürzt nach einem Augenblick des freien Falls in die Bahn. Hier wie dort gilt: So muss es sich anfühlen, wenn man einen Wasserfall hinabrauscht. Nur dass einem unten glücklicherweise der Mahlstrom des Wassers erspart bleibt.

Die neu eröffnete Splash World in Monteux, einem Städtchen in der Provence zwischen Carpentras und Avignon, ist kein Ort zum Schwimmen. Wasser fließt hier nicht. Das Wasser spritzt allerorten. Durch die vielen anderen Rutschen, über die Abenteuerinsel - ein riesiger Wasserspielplatz für größere Kinder -, in der künstlichen Surfwelle. Selbst in dem 650 Meter langen Ohana River, einem künstlichen Wasserlauf, durch den einen eine Strömung spült, planschen die Badegäste, sodass kein Ufer trocken bleibt. Aber unbehelligt in der Sonne zu dösen, darum geht es ohnehin nicht.

Die Besucher sollen sich austoben. Der Wasserpark ist nicht darauf ausgelegt, dass sich alle Leute - wie man das aus dem Freibad kennt - mit Handtüchern und Kühltaschen eine Heimstatt auf Zeit einrichten. Stattdessen: Sachen in den Spind und rein in die Rutschen! Wenn es überhaupt eine Verschnaufpause gibt, wird sie zum Erlebnis stilisiert. Neben Sonnenliegen kann man balinesische Betten sowie Hütten für bis zu sechs Personen mieten. In diesen wird einem das Essen serviert. Sie verfügen über einen Kühlschrank, Privatsphäre wird garantiert - was bei einem Mietpreis von 250 Euro pro Hütte in der Hauptsaison aber auch sein sollte.

Gerne sprechen die Betreiber über ihr ökologisches Handeln. Stolz sind sie vor allem auf den geschlossenen Wasserkreislauf der Splash World mit eigener Filtrierung. Aber schon bei der Frage, warum sie keine Solarenergie nutzen, werden sie schmallippig. Und die angeblich üppige Vegetation, durch die sich unter anderem der Ohana River schlängelt, muss erst noch wachsen. Vorerst ist die Splash World eine Welt aus Beton und Kunststoff. Und viel spritzendem Wasser.

Splash World , 800 Allée de Beaulieu, F-84170 Monteux, Tel.: 0033/4/88 84 72 17, www.splashworld.net, E-Mail: info@splashworld.net. Bis 4. September täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet, bis Ende September wochenends. Regulärer Eintritt: 28 Euro, Kinder bis zwölf Jahre 19,50 Uhr.