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Hoteltest-Serie "Frisch bezogen":Noble Hütte

Frankreich Val d'Isère Hotel Refuge de Solaise

Das neue Refuge de Solaise ist das höchstgelegene Hotel Frankreichs - mit spektakulärem Blick auf die Bergwelt.

(Foto: Christophe Hassel)

In einer ehemaligen Seilbahnstation im Val d'Isère wurde das am höchsten gelegene Hotel Frankreichs eröffnet. Dort gibt es schicke Zimmer, Pool - und einen Schlafsaal.

Ein rotes Warnschild sticht aus der Schneelandschaft heraus, die Botschaft in Großbuchstaben lässt sich auch vom Hotelzimmer aus lesen: Hier enden die Skipisten, steht in französischer und englischer Sprache darauf. Ab hier keine Markierungen mehr, keine Bergwacht, keine Begrenzungen.

Das Schild an der Gebäuderückseite ist nur eine von vielen Vorsichtsmaßnahmen, die Jean-Charles Covarel treffen musste, um sein Hotel Le Refuge de Solaise in einer ehemaligen Seilbahnbergstation von Val d'Isère bauen zu können.

Ende November eröffnete das Refuge, was übersetzt Schutzhütte heißt. Das auf einem Plateau des Hausbergs Solaise auf 2551 Metern errichtete Haus mit 110 Betten ist das am höchsten gelegene Hotel Frankreichs. Und zudem das einzige Hotel des Landes, das nicht über eine Straße erreichbar ist. Zumindest nicht im Winter.

Hotel Frankreich Val d'Isère

Von außen nicht mehr als Bergstation zu erkennen: Das Hotel Refuge Solaise liegt auf über 2500 Metern.

(Foto: Christophe Hassel)

Val d'Isère liegt auf 1850 Metern, und von November bis Mai im Schnee, der "so leicht ist wie ein Schwanenfederbett", wie es der Pariser Industrielle Jacques Mouflier, einer der frühesten Investoren in diesem Wintersportort, 1930 formulierte. Der erste Schlepplift wurde hier schon 1936 eingeweiht, 1938 gab es bereits elf Hotels im Ort, im Mai 1939 wurden mit Maultieren, Schaufeln und Spitzhacke die Bauarbeiten an der ersten Seilbahn begonnen.

Der Betreiber des Hotels stammt aus der Region und hat hier selbst das Skifahren gelernt

Das Gebäude der Bergstation stehe seit 1940, sagt der Hotelier Jean-Charles Covarel. "Es ist so etwas wie der Leuchtturm von Val d'Isère." Als der heute 51-Jährige 2016 erfuhr, dass die Seilbahn leicht versetzt werden sollte und die alte Bergstation ihre Funktion verlieren würde, beantragte er bei den Behörden, dort einen größeren Hotelkomplex unterbringen zu können.

Sein heutiger Geschäftspartner Jean-Luc Borel betrieb in der Station schon seit zehn Jahren ein Restaurant. 17 Stimmberechtigten habe er sein Projekt vorgestellt, darunter Naturschutzvertreter und Gewerkschafter. Einstimmig sei sein Vorhaben akzeptiert worden, sagt er und freut sich noch immer: "Sogar der Allgemeine Gewerkschaftsbund CGT hat dafür gestimmt. Und die sind normalerweise gegen alles."

"Viel Showbiz, aber dennoch authentisch"

Covarel, selbst hier in Savoyen geboren, hat als Kind im 80 Kilometer entfernten Courchevel das Skifahren gelernt. Und er habe die Entwicklung des Skiortes in den vergangenen 30, 40 Jahren verfolgen können. Er sagt: "Zunächst hielten dort die ansässigen Familien den Tourismus in ihren Händen. Es gab zwar schon damals viel Showbiz, aber dennoch war es authentisch."

Doch mit dem Erfolg Courchevels sei auch die Finanzkraft von außen gekommen: "Die Familien haben ihre Häuser an internationale Gruppen wie Louis Vuitton verkauft - und heute hat der Ort viel von seiner Seele verloren."

Auch in Val d'Isère geraten die Anwohner in Versuchung

Zwar wolle man in Val d'Isère dem Beispiel von Courchevel nicht folgen, sagt Covarel. "Aber natürlich geraten die Anwohner auch hier in Versuchung." Noch hat das Dorf mit 1700 Einwohnern und zwei Bauernhöfen viele ruhige Gassen, die um die kleine Kirche aus dem elften Jahrhundert führen. Doch auch hier steigen die Immobilienpreise. Auch die jüngsten Transaktionen beunruhigen ihn: 2019 erwarb das Champagnerhaus Roederer das alteingesessene Fünf-Sterne-Haus Christiania.

Rubrik Frisch bezogen: Le Refuge de Solaise ; Autorin: Evelyn Pschak
Online: ja

Das Hotel hat ein Spa mit einem 25-Meter-Pool.

(Foto: Thibault Micoewska)

Und am Fuß der Solaise-Seilbahn wird gerade ein "Palace" fertiggestellt, wie in Frankreich Hotels mit besonderem Luxus bezeichnet werden. Der Unternehmer sieht es mit Sorge. "Bisher wurde unser Ortsbild dadurch bewahrt, dass die Pisten sehr anspruchsvoll zu fahren sind, es keinen Flughafen in der Nähe gibt und wir so abgelegen liegen. Noch haben wir keine Luxusboutiquen, sondern bieten Funktionskleidung in den Geschäften an."

Ein Bett im Schlafsaal - für hundert Euro

Um diesen alpinen Geist zu erhalten, habe er sich entschieden, im Refuge de Solaise auch Übernachtungsmöglichkeiten im Schlafsaal anzubieten. Allerdings kostet selbst hier das Bett 100 Euro - in der Nebensaison.

Der Schlafsaal hat 14 Betten, daneben gibt es 16 Zimmer und vier Appartements - alles gestaltet im wertigen Mountain Chic Design. Durch das gesamte Hotel ziehen sich Wände aus Bruchstein, die Böden sind belegt mit Tartanteppichen, überall Holzflächen und Granit. Die Einrichtung bündelt alles, was gemütlich und hüttentauglich ist: lange, handschmeichlerisch glatt geschliffene Tische, Sessel aus Samt, Cord und Leder.

Das Gepäck kommt mit dem Buggy

Im Appartement Le Charvet, in dem 18 Personen auf 380 Quadratmetern Platz finden, kann man im Gemeinschaftswohnbereich unter einer spitz zulaufenden Holzdecke an Esstisch, Sitzlandschaft oder Marmorküchenblock mit Barhockern zusammenfinden.

Durch immense Fensterfronten blickt man auf die neue Bergbahnstation etwas oberhalb des Hotels, auf die schwarz glänzenden Kabinen der neuen Umlaufseilbahn und die kleinen Raupenbuggys, die durch den Schnee stieben, um das Gepäck der Hotelgäste in die Lobby zu bringen.

Das Panoramafenster des Restaurants gewährt einen weiteren spektakulären Ausblick - auf das Dorf tief unten im Tal. Le Refuge de Solaise thront noch immer in gleißendem Sonnenlicht, während Val d'Isère im Schatten des späten Nachmittags erkaltet und auch der Stausee von Tignes in trübem Grau liegt. Man schaut auf Bergspitzen, Skilifte, Seilbahnkabinen. Und auf die wichtigsten Pisten im Ort.

Hotel Frankreich Val d'Isère

Val d'Isère liegt auf 1850 Metern, und von November bis Mai im Schnee.

(Foto: Christophe Hassel)

Die OK-Piste etwa, benannt nach den beiden lokalen Skimatadoren und Olympiasiegern Henri Oreiller und Jean-Claude Killy, auf der die ersten Ski-Weltcup-Rennen auf französischem Boden stattfanden. Und auf die Face de Bellevarde, 1992 für die Olympischen Spiele von Albertville angelegt, die Schussgeschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometer erlaubt.

Beim Schwimmen im Pool hat man einen Ausblick auf das Bergmassiv

Ja, Val d'Isère ist zweifellos ein Ort des sportlichen Skifahrens, schließlich findet hier seit 1955 das Skiweltcup-Rennen Critérium de la Première Neige statt. Die dafür angereisten Sportler dürfen die Annehmlichkeiten des neuen Hotels in Höhenlage allerdings nicht genießen: Es sei zu riskant, dass die Wettbewerbsteilnehmer hier oben eingeschneit werden oder der Seilbahnverkehr wegen des starken Windes eingestellt werden muss, sagt Max Ginollin, der sich seit 1977 um die Seilbahnen und Skilifte Val d'Isères kümmert.

Doch gerade steht er an der Hotelrezeption und erzählt von den Zeiten vor dem Umbau, als man hier noch die Gondel verließ. Damals hielt ein großer Betonblock als Spanngewicht die Kabel festgezurrt. Den findet man zwar nicht mehr, aber in manchen der Hotelzimmer im Bergstationstrakt erinnern eindrucksvolle Betonstützen in den Dachschrägen an die ehemalige Funktion des Gebäudes.

Norah Jones singt samtenen Jazz übers Soundsystem des Hotels, sie folgt dem Gast von der Lobby, an der Rezeption vorbei, ins Restaurant, selbst hinunter ins Spa mit dem 25-Meter-Pool, wo bodenbündige Fenster dem Schwimmenden Ausblick auf den Dôme de la Sache gewähren. Durch die Lüfte zieht ein Steinadler seine Bahnen. Was stand noch auf dem roten Warnschild? Ab hier keine Begrenzungen mehr. Nun, der Adler wusste das schon.

Le Refuge de Solaise, Val d'Isère, DZ mit Frühstück ab 300 Euro; Übernachtung im Schlafsaal ab 100 Euro inklusive Frühstück. Die Seilbahn zum Hotel fährt von 9 bis 16 oder 17.30 Uhr (je nach Monat), an Mittwoch- und Samstagabenden auch von 19 bis 22 Uhr. Das Refuge schließt am 3. Mai und ist von Spätsommer an wieder geöffnet, lerefuge-valdisere.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

© SZ vom 23.01.2020/kaeb
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