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Luxushotel Lutetia:Die Überlebenden warteten und hofften

Die Stiftung für das Gedenken der Deportierten hat Videoaufnahmen von Zeitzeugen archiviert, die erzählen, wie sie im Frühjahr 1945 im Lutetia ankamen. Einer dieser damaligen Rückkehrer ist Maurice Cling, Kind jüdischer Eltern. 1929 in Paris geboren, am 4. Mai 1944 verhaftet, am 20. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern wurden von den Nazis in der Gaskammer des Konzentrationslagers getötet. Maurice kehrte als 16-Jähriger im Mai 1945 in seine Heimatstadt zurück und wurde, wie alle anderen Franzosen, die die Lager überlebt hatten, ins Lutetia gebracht.

In den aufgezeichneten Erinnerungen Clings an das Lutetia denkt er als erstes zurück an diese Drehtür: "Wir kamen vor diesem großen Palast an. Ich kannte so etwas nur aus Büchern oder aus dem Kino. Dort war diese Drehtür, das hatte ich vorher auch noch nie in echt gesehen. Und kaum als ich auf der anderen Seite herauskam, bekam ich einen Schwall weißen Puder direkt ins Gesicht. Das war DDT gegen Flöhe. Jetzt wissen wir, dass das gefährlich ist, aber damals dachte man, dass man etwas Gutes tut."

In der Hotellobby angekommen, erwarteten ihn meterweise Stellwände mit Fotos, aufgehängt von Familien, die ihre Angehörigen suchten. Selber kaum bei Sinnen, rissen ihn weinende Mütter am Arm. Ob er ihren Sohn, ihre Tochter nicht gesehen habe? Maurice Cling beschreibt dieses Wiederankommen in Paris, indem er mit seiner Faust in seine Hand schlägt. Für das brutale Aufeinandertreffen von Überlebenden und Hinterbliebenen findet er kein Wort.

Eiffelturm historisch

Geliebte "Schande von Paris"

Die später weltberühmte Chanson-Sängerin Juliette Gréco gehörte zu denen, die im Lutetia warteten und hofften. 2010 beschrieb sie in der Paris Match, wie sie dort als 16-Jährige tatsächlich ihre Mutter und ihre Schwester wiederfand: "Ich hatte angefangen, regelmäßig ins Lutetia zu gehen, wo die überlebenden Deportierten ankamen. Und das Wunder geschieht. Sie sind da! Aber es sind zwei lebende Tote, die ich wiederfinde. Ich spüre auf einmal einen Schmetterling auf meiner Schulter: Das ist die transparente Hand meiner Schwester." Gréco hat keine Alternative, als das zu tun, was damals alle tun müssen: weitermachen. Jahre später kommt sie ins Lutetia, nicht als verlorenes, kleines Mädchen, sondern als Star auf der Jazzbühne.

Heute sind die Zeiten auf der Rive Gauche leichter. Und teurer. Im Keller, wo die Deutschen französische Widerstandskämpfer folterten, findet man jetzt den Spa des Hauses. Boden, Wände, Decke - alles aus italienischem Marmor, dem eine Mitarbeiterin des Hauses im Rahmen einer kleinen Führung eine "ungewöhnlich warm schimmernde" Färbung attestiert. Wenn man historische Orte in einen Wellnesstempel umwandelt, hilft es, sich auf perfekte Oberflächen zu konzentrieren.

Die formvollendet höfliche Hotelmitarbeiterin zeigt voller Stolz die neu eröffnete Bar Josephine, benannt nach Josephine Baker, die natürlich ebenfalls zu den Stammgästen des Lutetia gehörte. Sonntags wird es hier nun immer Jazzkonzerte geben, "um den kleinen Sonntagsblues zu vertreiben", wie die Mitarbeiterin es nennt. Manche Menschen könnten die Preise in der Bar Josephine wiederum in einen deutlich schwerwiegenderen Blues versetzen. Der Espresso für sieben Euro ist das Günstigste, was auf der Karte zu finden ist, ein Apfelsaft kostet zwölf Euro. Die 30 Gramm Kaviar mit Toast, Sahne und Zitrone für 110 Euro sind im Vergleich möglicherweise ein Schnäppchen. Von fast schon dadaistischer Komik ist die Preisgebung beim Frühstück. Für zehn Euro gibt es die "Sélection de céréales", dahinter verbergen sich Kelloggs-Produkte.

Das Lutetia und das Bon Marché sind nicht die einzigen Orte hier in Saint-Germain-des-Prés, an denen sich Geld und Geschichte gut verstehen. Gleich neben dem Hotel liegt das frühere Schwimmbad des Lutetia, gebaut 1935. Die kleinen Kacheln auf dem ehemaligen Beckenboden, die aufwendige Malerei an den Wänden - alles ist erhalten und Kulisse für eine Boutique der französischen Edelmarke Hermès. Zwischen Seidenschals und Handtaschen liegen Stapel bunter Badehandtücher. Nützlich, falls man irgendwann mal zu einem Schwimmbad fährt, in dem man nicht in Luxus, sondern in Wasser baden kann.

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