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Frankreich:Handarbeit im Weinberg

Im "Le Royal", dem Restaurant des neuen Hotels, hat der berühmte Dom Pérignon natürlich seinen Platz auf der Weinkarte. Aber auch die junge Garde der Region ist bestens vertreten, rund 250 verschiedene Champagner stehen zur Wahl. "Gerade die charaktervollen Winzerchampagner eignen sich gut als Essensbegleiter", sagt Chefsommelier Daniel Pires. "Ein Winzer mit wenigen Hektar kann freier, flexibler und kreativer an die Sache herangehen als die großen Häuser, er kann die Stärken einzelner Lagen individuell herausarbeiten."

Im Gegensatz zu den großen Häusern verfügen die neuen Stars der Region nicht über millionenschwere Werbebudgets, dafür setzen sie dem Einheitsgeschmack Individualität entgegen. Anselme Selosse vom Weingut Jacques Selosse in Avize etwa, einer der Väter der Winzerchampagner-Bewegung, ist der Überzeugung: "Ein Champagner muss nach Wein schmecken." Deshalb baut er seine charakterstarken Schaumweine von jeher wie Burgunder aus - in großen Holzfässern von 228 bis 400 Litern Inhalt; die Produktion von 57 000 Flaschen ist jedes Jahr schnell ausverkauft. Winzer wie Selosse verzichten der Qualität zuliebe auf größere Erträge, setzen auf aufwendige Handarbeit im Weinberg und wirtschaften nachhaltig - deshalb sind die Winzerchampagner auch nicht unbedingt günstiger als die großen Marken. Das aufwendige Produktionsverfahren der traditionellen Flaschengärung und die teilweise jahrelange Lagerung auf der Hefe, damit der Wein seinen prickelnden Geschmack vollständig entfalten kann, hat eben seinen Preis.

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Zu den bekannteren Namen zählt auch Erick De Sousa, dessen Weingut ebenfalls in Avize liegt, im Herzen der Côte des Blancs, wo vor allem Chardonnayreben gedeihen. Auch Pierre Larmandier vom Weingut Larmandier-Bernier in Vertus kann auf Rebstöcke zurückgreifen, die 48 bis 75 Jahre alt sind, sein Vieille Vigne de Cramant ist ein komplexer Wein mit Aromen von Vanille und Zitrone.

Die Winzer der neuen Generation können sich Eigenwilligkeit leisten, weil sie ohnehin für eine Nische produzieren, sie müssen nicht jedem gefallen. Sie haben die Freiheit zu experimentieren und bieten deshalb auch Spezialitäten an wie die Cuvée La Vigne d'Antan aus 100 Prozent Chardonnay von Jean-Mary und Benoît Tarlant im Dorf Oeuilly: Die Cuvée schmeckt wohl heute noch wie vor der Reblauskrise des 19. Jahrhunderts, die sämtliche Weinberge Frankreichs zerstörte. Wie durch ein Wunder wurde damals die Parzelle "Les Sables" der Familie Tarlant zwischen Epernay und Chatillon von den Schädlingen verschont.

Eric Coulon ist Winzer in achter Generation, er bewirtschaftet elf Hektar Weinberge und setzte schon vor Jahren durch, dass weder in Vrigny, noch in einer der Nachbargemeinden Insektizide versprüht werden. "Wir haben unser Land nur von unseren Kindern gepachtet, ich möchte es ihnen in bestmöglichem Zustand weitergeben", begründet er sein Bekenntnis zu nachhaltigem Anbau. Er fühlt sich dem Terroir verpflichtet, will Weine mit Charakter verkaufen, die von den Böden geprägt sind, auf denen sie wachsen. "Unsere Weine sind keine hochtechnologischen Produkte", sagt er. "Sie stecken voller Emotion und sie sollen den Menschen Glück bringen."

Reiseinformationen

Anreise: Z.B. von Stuttgart mit dem TGV in 3 Stunden nach Champagne-Ardenne bei Reims, ohne Bahncard hin und zurück ab 160 Euro, www.bahn.de

Übernachten in der Region: Ganz neu und sehr chic: Royal Champagne Hotel&Spa bei Épernay, mit 50 Zimmern, zwei Restaurants und großzügigem Spa, DZ ab 485 Euro inkl. F., www.royalchampagne.com

Wohnen beim Winzer: Champagne Leclerc Briant in Épernay, DZ ab 350 Euro inkl. Frühstück, www.le25bis.com; Champagne Roger Coulon in Vrigny, ab 245 Euro pro DZ inkl. Frühstück, Le Clos des Terres Soudées, www.closdesterressoudees.fr

Bezugsquellen in Deutschland: Leclerc Briant bei Garibaldi in München, www.garibaldi.de, Pehu Simonet bei Dallmayr in München, www.dallmayr.com, De Sousa, Larmandier-Bernier, Tarlant bei Vinaturel, www.vinaturel.de

Weitere Auskünfte: www.champagne.fr

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

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